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Stadt Hannover Wie in den Herrenhäuser Gärten 63.000 Blumen gepflanzt werden
Aus der Region Stadt Hannover Wie in den Herrenhäuser Gärten 63.000 Blumen gepflanzt werden
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00:19 27.05.2019
Die Herrenhäuser Gärten werden für den Sommer hübsch gemacht. Quelle: Foto: Katrin Kutter
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Hannover

 Der größte Feind der rund 100 Gärtner in den Herrenhäuser Gärten ist die Unordnung. Maulwürfe etwa, die die detailgenaue Arbeit untergraben. Oder später Nachtfrost, der Pflanzen noch spät im Jahr den Garaus machen kann, so wie vor ein paar Wochen. Oder ein Pilz, der gerade Buchsbaumgewächse in ganz Europa befällt, auch die insgesamt 20 Kilometer an Hecken im Barockgarten. „In österreichischen Parks ist Buchsbaum so gut wie verschwunden“, sagt die stellvertretende Gartenmeisterin Maike Schleifer, „aber wir kämpfen weiter“. Dazu braucht man einen Plan. Gut, dass die Gärtner um Schleifer für fast alles einen Plan haben, um die Ordnung in den Gärten zu erhalten.

Maike Schleider ist stellvertretende Gartenmeisterin in Herrenhausen. Quelle: Manuel Behrens

Seit den Eisheiligen (11. bis 15. Mai) bringen Schleifer und ihr Team Große Garten, Berggarten, Georgengarten und Welfengarten für den Sommer auf Vordermann. Bis zum Ende des Monats pflanzen sie rund 63.000 Sommerpflanzen und stellen etwa 1000 Kübelpflanzen auf – natürlich streng nach Plan. Danach arbeitet auch die Ziergärtnerin Caroline Westphal mit ihrer Kollegin im Berggarten. „Das Pflanzen selbst geht schnell, das Platzieren dauert“, sagt Westphal. Rückenschmerzen habe sie von der ständigen Bückarbeit nicht mehr.

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Sechs Tage Arbeit für 31.000 Quadratmeter

Insgesamt sechs Tage braucht ein Team aus 25 Gärtnern, um etwa das Große Parterre im Großen Garten neu zu bepflanzen: Die feinen Steinwege haken, die Beete düngen, die Bepflanzung – und das alles für die Parterrefläche mit einer Größe von 31.000 Quadratmetern. „Jetzt ist die schönste Jahreszeit, um hier zu arbeiten“, sagt Schleifer. An allen Ecken blühen Blumen und Pflanzen – es riecht nach Urlaub. Nur das Jäten des Unkrauts sei „in dieser Größenordnung ein wenig lästig“, so Schleifer.

Auch wenn einige Arbeiten noch laufen, hat es den Eindruck, als wären die Herrenhäuser Gärten schon jetzt der akkurateste Ort der Stadt: Einen abgebrochenen Kräuterzweig, der außerplanmäßig auf dem weißen Kiesweg liegt, hebt Schleifer sofort auf und entsorgt ihn. Tatsächlich hätte das daumengroße, grüne Objekt die Eintracht gestört. Vielleicht ziehen die Herrenhäuser Gärten auch deshalb 600.000 Besucher im Jahr an: Weil hier alles seine Ordnung hat. Und die Gärten den Anschein machen, dass die Natur eben doch beherrschbar sei. Die beruhigenden Formen im Irrgarten, die Symmetrien, in der die Beete im Berggarten angelegt sind und die Schönheit der blühenden Pflanzen selbst – wem auch immer der Begriff „lustwandeln“ in den Sinn gekommen ist, man könnte diesen Einfall im hannoverschen Barockgarten bekommen haben.

Arbeiten sollen Ende Mai beendet sein

„B2B2NM“, sagt Westphal zu ihrer Kollegin. Die Abkürzung steht nicht etwa für eine ansteckende Krankheit aus den Tropen, sondern meint eine wunderschöne, rote Pfingstrose. Die Kollegin greift zielgenau auf den Blumenwagen und reicht ihr die entsprechende Pflanze. Beide arbeiten nach einer Karte, auf der genau eingezeichnet ist, welche Blume wo einzusetzen ist. Solche Pläne gibt es für die gesamten 50 Hektar Fläche in den Gärten.

„Wenn man in zwei Wochen wieder herkommt, erkannt man das hier nicht wieder“, sagt Gartenmeisterin Schleifer, die ihren Bepflanzungsplan für das Große Parterre in der Hand hält. Bald stehe dieser Bereich in voller Pracht. Ende Mai sollen die Arbeiten beendet sein.

Dass der Nachschub an Pflanzen nicht versiegt, ist die Aufgabe von Max Ochmann. Er arbeitet in der Staudengärtnerei in der Nähe der Graft. 30.000 Pflanzen werden hier über das Jahr gezogen. Der Großteil kommt in die Gärten, andere werden verkauft. Ochmann ist schwer damit beschäftigt, die Blumen von den Gewächshäusern auf die Lkw zu schleppen, die die Pflanzen zu ihrem Standort transportieren. Sein Gesicht glänzt aus einer Mischung aus Sonnenmilch und Schweiß. Rund um die Gewächshäuser müssen die Gärtner meist selbst Hand anlegen, wie etwa beim Gießen – digitalisierte Arbeitsschritte gibt es kaum.

Max Ochmann arbeitet in den Gewächshäusern. Quelle: Manuel Behrens

Natürlich gibt es auch für die Bewässerung der Gärten einen Plan: Für die Wasserversorgung wird die Leine angezapft. So gibt es keine Probleme die Anlagen und Beete auch in Dürrephasen, wie im vergangenen Sommer, problemlos zu versorgen. „Die Besucher haben in den Gärten kaum etwas von der Trockenheit mitbekommen“, sagt Anja Kestennus, Sprecherin der Herrenhäuser Gärten.

Ab und an passieren dann doch ungeplante – fast chaotische – Dinge im Barockgarten: Vor ein paar Jahren hatte ein Koch, der für auf der Anlage arbeitet, ein Rezept für Orangenmarmelade in einer Zeitschrift veröffentlicht. Am nächsten Tag hatten Besucher sämtliche Früchte aus dem Orangenparterre gepflückt.

Stadt startet Fotowettbewerb in den Gärten

Der Fotowettbewerb International Garden Photographer of the Year (IGPOTY) kürt jedes Jahr das weltweit beste Gartenfoto. In diesem Jahr beteiligen sich die Herrenhäuser Gärten zum ersten Mal und richten eine eigene Kategorie für Profi- wie Hobbyfotografen ein: „The Beauty of Herrenhausen Gardens“. Bis zum 31. Oktober können Interessierte ihre Fotos auf der Website www.igpoty.com unter der entsprechenden Rubrik hochladen. Voraussetzung: Ihr Motiv muss im Barockgarten entstanden sein.

Die Gewinnerfotos aus dieser Rubrik werden im weltweit vertriebenen IGPOTY-Bildband veröffentlicht. Nächstes Jahr werden sie außerdem in den Herrenhäuser Gärten ausgestellt. Die Gartenleitung stellt weitere Preise zur Verfügung: Für den ersten Platz ist ein exklusiver Fotoplatz auf der erhöhten Kaskade beim Internationalen Feuerwerkswettbewerb. Die zweiten und dritten Preisträger bekommen einen Fototermin im Großen Garten oder Berggarten vor Gartenöffnung am frühen Morgen. man

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Von Manuel Behrens