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Stadt Hannover Wie kommen eigentlich Bauarbeiter durch den heißesten Tag des Jahres?
Aus der Region Stadt Hannover Wie kommen eigentlich Bauarbeiter durch den heißesten Tag des Jahres?
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00:20 28.06.2019
Aki Er (links) und Osman Dinc haben derzeit erhöhten Wasserverbrauch. Quelle: Bernd Haase
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Hannover

Wenn der Tiefbauarbeiter Akif Er sein Hemd leicht lupft, sieht man einen Farbunterschied. Das Gesicht des 51-Jährigen ist tief sonnengebräunt, die Haut unter dem Hemd nicht. „Mit freiem Oberkörper zu arbeiten, wäre viel zu gefährlich“, sagt er. Akif Er und sein Kollege Osman Dinc arbeiten auf dem Vorplatz am Bahnhof Langenhagen-Pferdemarkt, der gerade komplett umgestaltet wird. Die Sonne sengt hier schutzlos herein, der Arbeitstag der beiden hat 9,5 Stunden. Wie lautet das Rezept gegen die Hitze? „Acht bis neun große Flaschen Wasser pro Tag trinken, nachmittags ein nasses Hemd um Stirn und Hinterkopf wickeln“, sagt Akif Er. Eine andere Lösung gebe es nicht. „Wir fangen an heißen Tagen manchmal um 4 Uhr statt um 6.30 Uhr und können dann früher Feierabend machen.“ Das geht aber nur, wenn keine Wohnhäuser an der Baustelle stehen – in Langenhagen ist das nicht der Fall.

Hitze? „Das sind Tage, auf die wir warten“

Jeder Griff in die Vitrine kühlt: Giuseppe Dall'Asta. Quelle: Samantha Franson

Bei Hitze mag man sich denken, könnte doch ein Eiscafé ein kühler Ort zum Arbeiten sein. Gekühlt wird aber Eis in der Vitrine, nicht automatisch der gesamte Raum. Ohnehin sind das keine Gedanken, die Giuseppe Dall’Asta, 26, in seinem Geschäft „Massimos Eiscafé“ am Aegi umtreiben. Heiß ist super, „das sind die Tage, auf die wir das ganze Jahr über warten“. Vorm Café stehen die Menschen Schlange, er hat selbst gerade nicht einmal Zeit, kurz Mittagessen zu gehen, wie es eigentlich sein Plan war. Eben kommt ein Herr in blauem Hemd und grauer Stoffhose und bestellt 14 Eisbecher mit jeweils zwei Kugeln, aber in immer anderer Mischung. Jeder Griff in die Vitrine kühlt da ein wenig die Arme. Doch draußen, wenn Tische abgeräumt werden müssen, nützt auch diese kleine Erfrischung wenig.

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Hitzefrei gibt es nicht

„Man gewöhnt sich dran“: Sherzad Hassan. Quelle: Samantha Franson

Die liebe Sonne knallt ohne Erbarmen aufs Dach und drinnen, im „Bratwurst-Glöckle“ am Steintor, tun Bratwürste, was sie tun müssen: auf dem Grill brutzeln. Manchmal bestellt ein Kunde Pommes und dann muss Sherzad Hassan zusätzlich die Fritteuse anwerfen. Und hatten wir schon erwähnt, dass einen Meter entfernt halbe Hähnchen am Spieß grillen? Die einzige Gegenmaßnahme an diesem heißen Arbeitsplatz: Fenster auf, Türen auf. Einen Ventilator gibt es nicht, zu schweigen von einer Klimaanlage. Im Glöckle ist es schon unter normalen Bedingungen warm, aber am Dienstag war es noch mal etwas anderes. Die Formulierung, jemand sei auf etwas heiß wie Frittenfett, bekommt bei diesem Job eine wahrhaftige Bedeutung. „Man gewöhnt sich mit den Jahren daran“, sagt Hassan, der sich für ein Foto eigens eine Schürze umband. Die Damen im Grill arbeiten in Schichten von sechs oder sieben Stunden. Hitzefrei gibt es nicht. Wie soll das gehen, fragt er, hier, mitten in der Stadt?

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