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Stadt Hannover „Es gibt keine Obergrenze“: So will Lime mit E-Scootern in Hannover durchstarten
Aus der Region Stadt Hannover „Es gibt keine Obergrenze“: So will Lime mit E-Scootern in Hannover durchstarten
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21:09 22.08.2019
Lime hat die ersten Roller am Opernplatz aufgestellt – direkt neben denen des Konkurrenten Tier. „Die Städte stehen noch ganz am Anfang einer Mobilitätswende“, meint Chef Jashar Seyfi. Quelle: Samantha Franson

Herr Seyfi, vor zwei Jahren haben Sie in Ihrer damaligen Funktion den VW-Shuttledienst Moia in Hannover eingeführt. Nun sind Sie zu Lime gewechselt und bringen weitere E-Scooter in die Stadt. Sind die neuen Sharingangebote beliebig austauschbar?

Das kann man so nicht sagen. Ziel bei all diesen Angeboten – ob E-Scooter, Leihrad oder Shuttle – ist es ja, verschiedenste Alternativen zum privaten Auto zu bieten. Dafür braucht man mehr als eine Lösung. Die Bandbreite neben den etablierten Systemen wie Bussen und Bahnen muss groß sein, um möglichst viele Menschen zu erreichen und dazu zu bewegen, ihren eigenen Wagen stehen zu lassen.

„Das ist ein sehr dynamisches Geschäft“: Jashar Seyfi ist Generalmanager von Lime Deutschland Quelle: Florian Pappert

Und warum sollten die Hannoveraner auf Elektroroller umsteigen?

Weil sie damit sehr schnell von A nach B kommen. Der Roller ist vor allem ein Verkehrsmittel für die letzte Meile, eine optimale Transportmöglichkeit zum Beispiel für den verbleibenden Weg von der U-Bahnstation oder der Bushaltestelle ins Büro. Er braucht keinen Parkplatz und ist einfach über eine App verfügbar, ohne vorherige Buchung oder Reservierung.

Die Roller stehen inzwischen an vielen Orten in der Stadt. Konkurrent Tier hat nach einem knappen Monat bereits 1000 Exemplare am Start. Mit wie vielen Modellen steigt Lime in den Markt in Hannover ein?

Wir beginnen im Bereich der Innenstadt und umliegenden Stadtteilen wie Linden, Nordstadt, Südstadt, aber auch Döhren und Zoo zunächst mit weniger als 250 Rollern, also einer vergleichsweise kleinen Flotte. Allerdings ist es ein sehr dynamisches Geschäft, und wir wollen weiter wachsen. Die Zahl der Roller wird sich in den nächsten Wochen kontinuierlich erhöhen. Ehrlich gesagt, wissen wir aber noch gar nicht, wie viele es am Ende in Hannover sein werden. Mit der Stadt haben wir uns derzeit darauf geeinigt, dass es keine Obergrenze gibt. Grundsätzlich gehen wir davon aus, dass der Markt in Hannover Potenzial für weitere E-Scooter-Anbieter hat.

E-Scooter, Leihräder – immer mehr Fahrzeuge ohne individuellen Besitzer prägen das Stadtbild. Längst nicht alle sind ordentlich abgestellt, oder sie werden auch mutwillig beschädigt. Wenn immer mehr Roller dazukommen, könnten die Städte zunehmend vermüllen.

Dazu wird es nicht kommen. Wir arbeiten von Anfang an in enger Abstimmung mit den jeweiligen Städten zusammen. Wenn es in Hannover bestimmte Orte gibt, an denen unsere Roller nicht platziert werden sollen, halten wir uns natürlich daran. Außerdem sind interne und externe mobile Teams im Einsatz, die die von den Nutzern abgestellten Fahrzeuge täglich einsammeln, aufladen und wieder aufstellen. Die Kollegen sprechen Personen auch gezielt an, wenn sie etwa ein unsachgemäßes Verhalten bemerken – und sie klären auf. Hinzu kommen Mitarbeiter, die sich um Wartung und Reparatur kümmern.

So funktioniert das System

Die Elektroroller von Lime werden über eine Smartphone-App aktiviert. Das Entsperren kostet einen Euro, für die Nutzung zahlt man 20 Cent pro gefahrener Minute. Eine zehnminütige Fahrt kostet also insgesamt 3 Euro. Die Tarife des Konkurrenten Tier liegen derzeit noch bei 15 Cent pro gefahrener Minute, das Entsperren wird ebenfalls mit einem Euro berechnet. Zu den Preisunterschieden sagt Lime-Sprecher Simon Peter Ziesch: „Zu Beginn der geschäftigen Sommermonate haben wir unsere Preise im deutschen Markt angepasst. Damit wollen wir sicherstellen, dass unser Service weiterhin zuverlässig ist und wir unseren Support dort anbieten können, wo ihn die Fahrer am dringendsten benötigen.“ Lime wie Tier setzen auf ein sogenanntes Free-Floating-Modell: Außer in gesondert gekennzeichneten Zonen können die Nutzer den E-Scooter überall abstellen.

In Paris wurden Mietroller sogar reihenweise in die Seine geworfen.

Vergleichbare Probleme mit Vandalismus gibt es in Deutschland bei den E-Scootern nach unseren Erkenntnissen bisher glücklicherweise kaum. Seit dem Start von Lime Mitte Juni wurden bis dato in neun Städten mehr als zwei Millionen Fahrten absolviert, und der Anteil der mutwilligen Beschädigungen ist verschwindend gering. Was hoffentlich so bleibt.

Um die auf Gehwegen abgestellten Mietfahrzeuge gibt es inzwischen auch Verärgerung, weil die Anbieter den öffentlichen Raum kostenlos nutzen, während örtliche Händler oder Gastronomen dafür zahlen müssen. Der Deutsche Städtetag will dagegen vorgehen. Wie lukrativ wäre das Geschäft für Sie noch, wenn Nutzungsgebühren gezahlt werden müssten?

Man muss sich vor allem fragen, wie attraktiv das Angebot dann noch für die Nutzer ist. Wenn es stärkere Reglementierungen geben sollte und den Anbietern Gebühren berechnet würden, müssten sie diese letztlich an die Kunden weitergeben. Das kann nicht im Interesse der Unternehmen und auch nicht im Interesse der Städte sein, die ja Alternativen zum Auto fördern wollen.

Manche Menschen haben regelrecht Angst, von E-Scootern umgefahren zu werden. Sind die Flitzer ein neues Risiko im Verkehr?

Grundsätzlich geht die Gefahr in einer Großstadt meistens von den Autos aus. Auch die Innenstadt von Hannover ist sehr auf den motorisierten Individualverkehr ausgerichtet. Wir würden der Stadt gern anbieten, hier Veränderungen aktiv mitzugestalten – zum Beispiel bei Konzepten zum Ausbau von Radwegen oder bei der Umwidmung von Parkplätzen zu Sharing-Stellflächen. Zum Thema Sicherheit bieten wir für unsere Nutzer und andere Interessierte auf unserer Website alle 14 Tage ein kostenfreies Training an, in dem der Umgang mit den E-Scootern erprobt werden kann.

Was halten Sie von dem Vorschlag des Bundesverkehrsministers, Busspuren für Elektroroller freizugeben?

Damit habe ich mich noch nicht intensiv genug befasst. Grundsätzlich aber denke ich, dass für Nutzer von E-Scootern im Straßenverkehr weiterhin ähnliche Regeln gelten sollten wie für Radfahrer. Wenn also ein Busfahrstreifen durch ein Verkehrszeichen für Radfahrer freigegeben ist, so sollten auch Nutzer von E-Scootern dort fahren dürfen.

Sind Roller und Leihräder, Teilautos und Shuttle wie Moia, die alle in Hannover unterwegs sind, einfach ein neuer Trend? Ein Zusatzangebot zu öffentlichen Verkehrsmitteln, Taxis, dem eigenen Auto und Fahrrad? Oder wandelt sich Mobilität in der Großstadt gerade grundlegend?

Noch stehen die Städte ganz am Anfang einer Mobilitätswende. Aber sie wird kommen. Berlin geht mit gutem Beispiel und einer großen Vielzahl von Leihsystemen voran, selbst Mietmopeds gehören dazu. Seit Lime vor zwei Monaten in Berlin an den Start gegangen ist, wurden allein dort weit mehr als eine halbe Million Rollerfahrten registriert. Dort haben wir auch eine Kooperation mit Google Maps geschlossen: Die Standorte der Roller sind standardmäßig auf den Karten zu sehen. Hannover ist da noch nicht so weit.

Das ist das Unternehmen Lime

Jashar Seyfi(35) ist seit Juli dieses Jahres General Manager für Deutschland beim E-Scooter-Anbieter Lime. Zuvor verantwortete der gebürtige Kölner für die Volkswagen-Gruppe den Marktstart des Shuttle-Unternehmens Moia und für BMW die Markteinführung des Carsharing-Angebots Drive now. Beruflich durchlief Seyfi, der an der Universität Köln und dem Moscow Institute of Finance und Economics studiert hat, zudem Stationen unter anderem bei Mercedes-Benz und dem Unternehmensberater McKinsey.

Das US-Unternehmen Lime,das E-Roller und Fahrräder vermietet, wurde 2017 gegründet. Lime bietet seine Dienste in mehr als 100 Städten der USA an, darüber hinaus gibt es Ausleihmöglichkeiten in Kanada, Mexiko, Australien und Neuseeland, Singapur sowie in neun europäischen Ländern. In Deutschland ist der Verleiher seit Mitte Juni vertreten, bisher in neun Städten, darunter Berlin, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, Düsseldorf und München. Mit Hannover und Essen sind jetzt zwei weitere Städte dazugekommen.

Wie sieht für Sie der ideale Mobilitätsmix einer Großstadt aus?

Das kann man nicht pauschal beantworten. Dafür sind die Städte zu unterschiedlich. Das Rückgrat sollte stets der öffentliche Nahverkehr sein, ergänzt um umweltfreundliche und effizient genutzte Sharing-Angebote wie zum Beispiel E-Scooter.

Zum Thema Verkehrswende gehört auch die Ökobilanz des Transportmittels. Zwar fahren die Elektroroller ohne Benzin, aber sie verbrauchen Strom, es müssen Batterien für den Motor produziert werden, und die Scooter sind nicht allzu langlebig. Stimmt da die Bilanz?

Die Lebensdauer unserer Fahrzeuge liegt bei mehr als einem Jahr. Das ist ein guter Schnitt, sie werden ja täglich für viele Kilometer Fahrt genutzt. Es stimmt aber, dass es anfangs Scooter auf dem Markt gab, die nach einem Monat Schrott waren. Ziel muss es sein, die gesamte Produktionskette nachhaltig und weitgehend emissionsfrei zu gestalten. So weit sind wir derzeit noch nicht, aber auf einem guten Weg. In Berlin haben wir beispielsweise bereits damit begonnen, E-Vans für das Einsammeln und die Auslieferung von E-Scootern einzusetzen.

Braucht man überhaupt noch ein eigenes Auto?

Ich lebe in Berlin und brauche keins. Auch einen Dienstwagen habe ich nicht. Für längere Stecken gibt es Bahnen oder eben auch das Flugzeug. Den Weg zur Arbeit lege ich mit dem ÖPNV zurück – und mit dem Elektroroller.

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