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Stadt Hannover Iris Berben mit Theodor-Lessing-Preis ausgezeichnet
Aus der Region Stadt Hannover Iris Berben mit Theodor-Lessing-Preis ausgezeichnet
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00:15 17.02.2013
Die Preisübergabe: Johannes Aron Seidler, Iris Berben, Ruth Schwake und Kay Schweigmann-Greve (v. l.). Quelle: Thomas
Hannover

Ich war bestimmt ein anstrengendes Kind“, sagt Iris Berben, „und viele Lehrer haben mich wohl einfach nur als renitent erlebt.“ Doch Widerspenstigkeit, die war nicht vorgesehen im autoritären Klima der fünfziger und frühen sechziger Jahre, als in den Schulen noch viele Lehrer arbeiteten, die in der Nazi-Zeit ausgebildet worden waren, als Sprüche wie „Früh krümmt sich, was ein Häkchen werden soll“ noch als pädagogische Rezepturen galten. „In meinem Elternhaus herrschte dagegen ein freier Geist, besonders meine Mutter hat mir vorgelebt, Autoritäten nicht unhinterfragt zu akzeptieren - wer so aufwächst, eckte damals leicht an.“

In der Schule ist Iris Berben tatsächlich gescheitert. Sie flog nacheinander von drei Internaten. Im Leben war sie dagegen höchst erfolgreich. Sie hat als Schauspielerin in mehr als 60 Kino- und Fernsehfilmen mitgespielt. Sie wird als „Chantal“ an der Seite von Ingrid Steeger in „Zwei himmlische Töchter“ bekannt. Sie zeigt Comedytalent in der Serie „Sketchup“. Sie wird in „Die Guldenburgs“ zum Publikumsliebling, wirkt in großen TV-Produktionen wie „Krupp - eine deutsche Familie“ sowie „Kennedys Hirn“ und auch in Literaturverfilmungen wie zuletzt den „Buddenbrooks“ mit.

Mehr als zwei Dutzend Preise und Auszeichnungen hat die 62-Jährige schon erhalten. Die meisten würdigen ihre Schauspielarbeit, einige aber auch ihren gesellschaftlichen Einsatz, für den sie gestern auch den Theodor-Lessing-Preis der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Hannover erhalten hat. Denn sie engagiert sich seit vielen Jahren gegen Antisemitismus und für die Existenz Israels in sicheren Grenzen. Eine Selbstverständlichkeit, gerade weil diese Sicherheit bis heute nicht gewährleistet ist? Iris Berbens Engagement hat viel mit dem Widerspruchsgeist zu tun, der sie schon als Jugendliche auszeichnete. Denn dahinter steckt mehr als die persönliche Neigung einer Frau, die einmal mit dem israelischen Sänger Abi Ofarim liiert war und jahrzehntelang einen israelisch-deutschen Lebenspartner hatte. „Das Interesse an der Lage der Juden und an Israel reicht in meine Schulzeit zurück“, erzählt sie. „Es ist die Reaktion darauf, dass man damals bei Fragen nach dem Holocaust und nach dem Nahostkonflikt auf eine Mauer aus Verdrängung, Scham und Schweigen traf.“

Auf der Suche nach Antworten ist sie mit 18 Jahren erstmals nach Israel gereist. „Ich wollte drei Wochen bleiben, doch daraus sind drei Monate geworden. So lange, wie es mein Visum zuließ“, erzählt sie. „So sehr hat mich das Land fasziniert - durch die Begegnung mit Kibbuzniks, mit Leuten, die einen ganz anderen Lebensentwurf wagen, aber auch mit Holocaust-Überlebenden, deren Schicksal damals in Deutschland verdrängt wurde.“

Das war 1968, ein Jahr nach dem Sechstagekrieg, als Israel in der politischen Linken als Repräsentanz westlichen Imperialismus und das Bekenntnis zur PLO als Solidarpflicht galt. Iris Berben, deren erster Auftritt vor einer Kamera 1967 in einer Dokumentation über die „Blumenmädchen“ von Hamburg stattfand, sympathisiert bis heute mit dem Aufbruchsgeist der 68er. Aber sie konnte allzu schlichten Weltbildern früh eigene Erfahrungen entgegensetzen. „Ich finde es beschämend, dass der Antisemitismus noch immer nicht ausgerottet ist - und wie einfach es sich viele Israel-Kritiker machen.“

Iris Berben macht mit bei der Initiative „Gesicht zeigen!“, und sie nimmt an Aktionswochen gegen Rassismus teil. Sie ist Botschafterin für den „Raum der Namen“ im Holocaust-Denkmal, sie gehört zu den Erstunterzeichnern der Initiative „Stop the Bomb!“ gegen Teherans Atompläne, und sie protestiert bei der Berlinale gegen das Ausreiseverbot für den iranischen Regisseur Jafar Panahi. Dass sie auch selbst zur Zielscheibe antisemitischer Schmähbriefe wird, trägt sie gegenüber Journalisten nicht vor sich her - Esther Schapira hat darauf gestern Abend in ihrer Laudatio hingewiesen. Und Iris Berben setzt auch bei ihrer Arbeit Akzente mit Lesungen aus dem Tagebuch der Anne Frank und mit eigenen TV-Dokumentationen über Israel. Besonders stolz ist sie darauf, dass ihre TV-Kommissarin „Rosa Roth“ in zwei Folgen Kriminalfälle rund um Israel und Antisemitismus recherchiert. „So ein Krimi zur Hauptsendezeit bringt mehr als die anspruchsvollste Dokumentation um Mitternacht.“

Mit Zufriedenheit erfüllt die Frau, die selbst kein Abitur hat, aber auch die Chance, die Wissenschaft an einer besonders exponierten Stelle fördern zu können: Sie hat einen Förderfonds für Hirnforschung an der Hebräischen Universität gegründet. Das ist die nach dem „Technion“ in Haifa zweitälteste Universität des Landes, gegründet 1926 auf dem Skopusberg, der zwar östlich der Jerusalemer Altstadt liegt, aber dort eine auch nach internationalem Rechtsverständnis zu Israel zählende Exklave bildet. „Da forschen und studieren Juden, Christen und Muslime gemeinsam - für mich das beste Modell für ein friedliches Miteinander im Nahen Osten.“

Theodor Lessing – mutig und aufklärerisch

Der Preis der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) Hannover ist nach Theodor Lessing benannt. Der gebürtige Hannoveraner studierte zunächst Medizin und später Philosophie. Nach Abschluss seiner Doktorarbeit in Philosophie arbeitete er als Privatdozent an der Technischen Hochschule Hannover. 1919 baute Lessing mit seiner Frau Ada Hannovers erste Volkshochschule auf. 1925 veröffentlichte Lessing eine kritische Studie über Paul von Hindenburg, für die er stark kritisiert wurde. Eine antisemitische Hetzkampagne gegen den aus dem gehobenen jüdischen Bürgertum stammenden Gelehrten führte dazu, dass Lessing seine Lehrtätigkeit einstellen musste. Er emigrierte 1933 in die damalige Tschechoslowakei. Am 30. August 1933 wurde er im Alter von 61 Jahren von einem nationalsozialistischen Attentäter erschossen. Bisherige Preisträger waren 2003 die Politikerin Ilka Schröder, die im Europäischen Parlament eine Aufklärung darüber angemahnt hatte, inwieweit EU-Hilfsgelder für Palästinenser in Terroraktivitäten fließen. 2006 wurden die damaligen Botschafter Israels und Deutschlands, Shimon Stein und Rudolf Dreßler, für ihre Verständigungsbemühungen geehrt. 2008 wurde der Liedermacher Wolf Biermann für seinen Einsatz gegen einseitige Israel-Kritik gewürdigt. 2010 bekam die Journalistin Esther Schapira den Theodor-Lessing-Preis, die unter anderem durch Reportagen über antisemitische Vorgänge in Deutschland hervorgetreten ist. das

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