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Stadt Hannover Jähzorniger Arzt erhält Strafbefehl
Aus der Region Stadt Hannover Jähzorniger Arzt erhält Strafbefehl
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13:20 30.07.2017
Von Michael Zgoll
Ein Arzt aus Hannover beschäftigt die Gerichte seit Jahren. Quelle: dpa (Symbolbild)
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Hannover

Dabei leistete er so entschiedene Gegenwehr, dass er einen Beamten per Fußtritt am Knie verletzte. Amtsrichter Ulrich Kleinert folgte einem Antrag der Staatsanwaltschaft und erließ gegen den Arzt wegen Sachbeschädigung, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung einen Strafbefehl in Höhe von 3900 Euro - 130 Tagessätze à 30 Euro.

Die Praxis des Mediziners ist seit Monaten geschlossen. Auf dem Anrufbeantworter ist eine Urlaubsmeldung aus dem Monat Mai zu hören, auf der Internetseite steht „Wegen Krankheit vorübergehend geschlossen“. Laut Jörg Salzwedel, Anwalt des Mediziners, ist der Arzt alkoholkrank und derzeit in einer Entziehungsklinik in Bayern untergebracht.

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Ein Psychiater hatte dem Arzt vor Jahren auch eine Depression bescheinigt. Die finanziellen Verhältnisse seines Mandanten, so Salzwedel, seien desolat: Der Arzt habe Schulden im höheren sechsstelligen Bereich, sei insolvent und müsse von seiner Mutter unterstützt werden. Seine rote Corvette fahre er schon lange nicht mehr, sei stattdessen aufs Fahrrad umgestiegen.

Gegen den Mediziner läuft derzeit noch mindestens ein weiteres Ermittlungsverfahren. Er hatte in einem Hotelrestaurant das opulente Mahl für sich und seine Begleiterin nicht zahlen können, war aus der Haut gefahren und hatte sich mit dem Personal angelegt. „Suchttypische Ausfälle“ nennt diese Ausraster sein Anwalt.

2010 verweigerte er einer Prostituierten ihren Lohn

Im Laufe der vergangenen Jahre wurden gegen den Arzt fünf Strafbefehle verhängt. 2010 verweigerte er einer Prostituierten ihren Lohn und schloss sie in seiner Praxis ein. Er wurde wegen sexueller Belästigung eines Taxifahrers verurteilt, wegen Beleidigung, Widerstands gegen Polizeibeamte und Betrugs. Meist war der Mann bei seinen Taten alkoholisiert. Der schwerwiegendste Vorwurf lautete 2013 auf „Vergewaltigung“. Eine Zufallsbekanntschaft hatte nach einer leidenschaftlichen Nacht in einem Hotel zahlreiche Bissspuren und Blutergüsse angezeigt; doch weil die Frau nicht beweisen konnte, dass der Arzt sie im Sommer 2011 zum Sex gezwungen hatte, urteilte das Gericht schließlich nur noch über eine „fahrlässige Körperverletzung“ und stellte das Verfahren gegen eine Geldbuße von 7000 Euro ein.

Vor fünf Jahren war ein Amtsrichter bei der Strafzumessung für den Arzt noch von einem Netto-Monatseinkommen von 15 000 Euro ausgegangen, hatte Einkünfte aus der Praxis ebenso wie den Besitz von zwei Eigentumswohnungen berücksichtigt. Doch wehrte sich der Arzt immer wieder, die in Strafbefehlen verhängten Summen zu zahlen. Den größten Erfolg erzielte er 2014, als das Landgericht eine Strafe von 40 000 auf 3200 Euro reduzierte. Die Zahl der Tagessätze blieb zwar gleich - nur stufte das Gericht das Einkommen des Mediziners deutlich niedriger ein als die Vorinstanz.

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