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Stadt Hannover Schostok löst Blockade am Steintor auf
Aus der Region Stadt Hannover Schostok löst Blockade am Steintor auf
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11:21 07.08.2014
Von Jörn Kießler
Die Demonstranten protestierten mit einer Fahrbahnblockade gegen den Vormrasch der Terrorgruppe "Islamischer Staat" in ihrer Heimat. Quelle: Christian Elsner
Hannover

Erst nach mehreren Aufforderungen der Polizei und der Ankündigung, dass Oberbürgermeister Stefan Schostok auf dem Weg zum Steintor sei, räumten die Demonstranten die Fahrbahn. Ein Teil von ihnen zog später noch zum Hauptbahnhof und zurück. Rund 600 Teilnehmer harrten noch bis nach 20 Uhr auf dem Steintorplatz aus.

Die von der Polizei genehmigte Kundgebung hatte bereits gegen 13.30 Uhr begonnen und verlief insgesamt friedlich. Gegen 13.45 Uhr strömten viele der Demonstranten aber plötzlich auf den Fußgängerüberweg der Münzstraße zur Langen Laube und setzten sich auf die Straße. Zahlreiche Autos sowie Linien- und Reisebusse konnten daraufhin ihre Fahrt nicht fortsetzen. Auf die Aufforderung der Polizei reagierten die Jesiden mit „Wir bleiben hier“-Sprechchören. „Wir wollen, dass die Medien über die Lage in unserer Heimat berichten und Politiker sich dafür stark machen, dass die EU unseren Freunden und Familien im Irak hilft“, sagte ein Sprecher.

Die islamistische Isis hat in den vergangenen Tagen weite Gebiete zwischen der nordirakischen Stadt Mossul und der Grenze zu Syrien erobert. Rund 200.000 Menschen sind dort nach Angaben der Uno auf der Flucht. Mehr als 60 000 Jesiden haben sich in die Berge gerettet, haben aber kaum Wasser und Nahrung. Bereits am Montag und Dienstag hatten Jesiden in Hannover demonstriert, um auf die Situation im Nahen Osten aufmerksam zu machen. Nachdem sie keine direkte Reaktion auf ihre Kundgebungen erhalten hatte, sperrten sie am Mittwoch die Straße.

Als die Demonstranten nach Stefan Schostok verlangten, stellte die Polizei klar, dass dieser erst kommen werde, wenn die Straße geräumt sei. So geschah es dann auch: Als der Oberbürgermeister gegen 14.45 Uhr am Steintor eintraf, hatte sich die Kundgebung auf den Steintorplatz verlegt. Die Polizei konnte so die zwischenzeitlich gesperrten Fahrbahnen in Richtung Norden und Süden wieder für den Verkehr freigeben.

„Ich versichere Ihnen, dass die Menschen in Deutschland, Niedersachsen und Hannover sehr berührt sind von dem was sie gerade über die Situation ihres Volkes erfahren“, sagte Schostok. „Daher haben wir auch Verständnis dafür, dass sie auf die Straße gehen.“ Die Proteste müssten jedoch friedlich bleiben und zuvor genehmigt werden, betonte der Oberbürgermeister. Dann sei den Jesiden das Mitgefühl der Hannoveraner sicher. „Wir brauchen kein Mitgefühl, wir brauchen Hilfe“, sagte eine Demonstrantin. „Wir wissen zwar, dass Herr Schostok uns nicht direkt helfen kann“, sagte Dr. Ali Khalaf, der seit Montag am Steintor demonstriert. „Wir hoffen aber, dass er unsere Bitten weitergibt an den Landtag und an den Bundestag. Es muss etwas geschehen.“     

Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, spaltete sich die Demonstration später auf. Etwa 800 Teilnehmer zogen mit Plakaten und Bannern über die Georgstraße in Richtung Hauptbahnhof, während rund 600 Jesiden auf dem Platz am Steintor sitzen blieben und „Wir bleiben hier“ skandierten.

Nachgefragt: „Es muss schnell etwas geschehen“

Wir haben bei Zahnarzt Ali Khalaf nachgefragt, der sich seit Tagen an den Demos der Jesiden beteiligt. 

Herr Khalaf, warum demonstrieren Sie seit drei Tagen am Steintor?
Seit Wochen zieht die Terrorgruppe Islamischer Staat durch den Irak und tötet Jesiden, die nicht zum Islam übertreten wollen. Frauen werden vergewaltigt, Kinder misshandelt. Unzählige Familien fliehen vor den Angreifern in die Berge, ohne Nahrung und Wasser. Doch niemand greift ein, um uns zu helfen.

Aber was erhoffen Sie sich, wenn Sie in Hannover demonstrieren? Die Stadt kann nicht in den Konflikt im Irak eingreifen.
Das wissen wir. Aber es gibt ja nicht nur Demos in Hannover, auch in Berlin, Düsseldorf und anderen großen Städten. Wir glauben, dass die Politiker dort, aber auch in Hannover und Niedersachsen, mit ihren Kollegen im Bundestag sprechen können und am Ende auch Bundeskanzlerin Merkel sieht, dass schnell etwas geschehen muss. Deshalb war es uns auch wichtig, dass Stefan Schostok zum Steintor gekommen ist.

Deshalb die Blockade der Münzstraße?
Bereits am Montag haben 2500 Menschen in der Innenstadt demonstriert, Hunderte standen am Tag danach vor dem Landtag, um auf die Gräueltaten in unserer Heimat aufmerksam zu machen – und nichts ist passiert. Nachdem wir uns heute auf die Straße gesetzt haben ist der Oberbürgermeister gekommen und hat mit uns geredet.     

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