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Stadt Hannover Gründen, scheitern, wieder aufstehen
Aus der Region Stadt Hannover Gründen, scheitern, wieder aufstehen
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09:46 15.06.2015
Von Bernd Haase
„Berlin ist der Hotspot zum Gründen, aber natürlich kann man das auch in Hannover tun“, sagt Sascha Schubert. Quelle: Philipp von Ditfurth
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Hannover

Max Schild und Yannick Pieper haben an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover studiert, sind beide 24 Jahre alt und sehen leidenschaftlich gern fern. Sie möchten sich über das, was da läuft, mit Freunden austauschen - am besten in Echtzeit und ohne ein zweites Gerät wie etwa einen Computer oder ein Handy nutzen zu müssen. „Dann haben wir uns überlegt, dass man mithilfe einer App Untertitel für die laufende Sendung einblenden kann. So können Menschen, die dieselbe Sendung sehen, miteinander kommunizieren“, sagt Schild. Fernsehen sei schließlich schon immer ein soziales Erlebnis gewesen. „In den Schulen, Firmen und Büros wurde und wird über Fernsehsendungen diskutiert.“

Die beiden Hannoveraner betrachten ihr Projekt nicht nur als Zeitvertreib, sondern als Geschäftsidee. Seit einem Jahr sind sie mit der Gründung ihrer Firma Tytle beschäftigt. Am Sonnabend stellten sie sich und ihre Pläne ihresgleichen vor. Zum dritten Mal fand im Raschplatz-Pavillon die Veranstaltung „Gründen heute“ statt. Rund 150 Jungunternehmer und solche, die es werden wollen, trafen sich auf Initiative der Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft Hannoverimpuls.

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"Crowdfunding" oder "Business Angel" bringen Geld

„Seit drei, vier Jahren prägt eine neue Kultur die Szene“, sagt Christof Starke, Bereichsleiter der Gründungswerkstatt bei Hannoverimpuls. Die Digitalisierung weiter Bereiche der Wirtschaft sei der Auslöser. „Es herrscht ein ganz anderes Tempo als früher“, erklärt Starke. Sogenannte Start-ups entwickeln ihre innovativen Ideen rasch, starten schnell, testen am Kunden, optimieren im Prozess. Geld besorgt man sich nicht mehr unbedingt über Banken, sondern über Crowdfunding oder einen Business Angel. Diese Engel waren oft selbst Gründer, haben ihre Unternehmen erfolgreich verkauft oder an die Börse gebracht und helfen nun ihren Nachfolgern - natürlich mit Renditeerwartung. „Neu ist auch, dass die Szene sich gut vernetzt. Wer eine Idee hat, betrachtet sie nicht mehr als Geheimnis, sondern redet darüber“, erklärt Starke.

Im Pavillon war davon was zu sehen. Viele der Besucher hatten das Alter von 30 Jahren noch nicht überschritten, so ziemlich jeder hatte mindestens ein elektronisches Kommunikationsgerät dabei. Die Sprache war durchsetzt von Anglizismen; Einführungsvorträge hießen somit Keynotes. Im Rücken der Redner befand sich eine große Twitterwall, auf der Botschaften von drinnen nach draußen und zurück zu sehen waren. „Hier rauchen schon vor dem Start die Köpfe. So soll es sein“, freute sich ein Twitterer namens Thorsten Ramus.

Was passiert, wenn es schiefgeht?

Sascha Schubert ist eine Art Doyen des Metiers in Deutschland. Der Berliner hat drei Unternehmen und zwei Organisationen gegründet, darunter den Bundesverband Deutsche Startups. „Berlin ist der Hotspot in der deutschen Gründungsszene, weil man dort ständig jemanden trifft, der irgendwie involviert ist. Es gibt orchestrierte Kollisionen“, sagt Schubert und meint damit solche von Leuten, die einander helfen können. Aber, ja, natürlich könne man auch in Hannover gründen.

Bleibt die Frage, was passiert, wenn es schiefgeht. Wenn die Welt zum Beispiel nicht wirklich mithilfe von eingeblendeten Untertiteln über Fernsehen reden will. Antwort: Dann macht das nicht viel. „90 Prozent der Gründer scheitern mit ihrem ersten Versuch, 60 Prozent mit dem zweiten“, erklärt Schubert. Wichtig sei, dass Scheitern nicht als Makel angesehen werde.

Max Schild und Yannick Pieper von Tytle glauben an ihre Idee. Rückschläge gab es auch schon: Ihr Programmierexperte hat ein Angebot bekommen, das er nicht ablehnen mochte. Er arbeitet jetzt im Silicon Valley. Als Schild das erzählt, geht ein Raunen durchs Publikum.

Jörn Kießler 15.06.2015
Jörn Kießler 15.06.2015
Bernd Haase 15.06.2015