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Stadt Hannover Digitale Langzeitstudie
Aus der Region Stadt Hannover Digitale Langzeitstudie
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00:17 20.09.2013
Von Stefanie Nickel
Spektakel ist kein Makel: Rainald Grebe kann Clownerie (bei einem Werbetermin auf der Berliner Waldbühne). Quelle: Tobias Kleinschmidt
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Hannover

Das Urteil von Rainald Grebe fällt oft vernichtend aus. Über Brandenburg singt er: „Es gibt Länder, wo was los ist. Es gibt Länder, wo richtig was los ist. Und es gibt Brandenburg.“ Ein Lied über 30-jährige Paare trägt den Titel „Reich mir mal den Rettich rüber“ und erzählt von selbst gemachtem Sushi, von Small Talk über Urlaube und Hobbys und davon, dass das Erotische beim Kochen das Zubehör ist. Und auch die 68er-Generation kriegt ihr Fett weg: „Die 68er sind an allem schuld.“ Jetzt hat Rainald Grebe einen Dreijahresvertrag mit dem Schauspiel Hannover unterschrieben und wird zeitweise auch in Hannover wohnen. Diejenigen, die seine Lieder kennen, fragen schon jetzt beunruhigt: Wird auch Hannover ein eigener Song gewidmet?

Rainald Grebe beschwichtigt, dass er sich darüber noch keine Gedanken gemacht habe. „Mal schauen“, sagt er. Der Gewinner des Deutschen Kabarettpreises 2012 ist in Hannover, um Theater zu machen. Schließlich ist Rainald Grebe nicht nur Liedermacher und Kabarettist. Er ist genauso Schauspieler, Autor und Puppenspieler. Puppenspiel hat er in den neunziger Jahren an der renommierten Schauspielschule „Ernst Busch“ in Berlin studiert. Zuletzt hat Grebe Produktionen für das Centraltheater Leipzig („Karl May Festspiele Leipzig“, „Die Wilde Weite Welt Schau“ und „Grimms Märchen“) sowie das Maxim-Gorki-Theater in Berlin konzipiert („Zurück zur Natur. Ein Konzert für Städtebewohner“). Im Thalia Theater in Hamburg ist derzeit die Produktion „Volkslieder“ zu sehen.

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Die erste von drei geplanten Shows in Hannover, die im Mai 2014 Premiere haben wird, heißt „Anadigi Ding“. Grebe will herausfinden, wie das Digitale den Menschen verändert. Und hat sich dafür drei Jahre Zeit genommen. Es soll eine Langzeitstudie werden. „Das Lebensthema von Günter Grass war der Krieg“, sagt Grebe. „Das Thema meiner Generation ist wahrscheinlich der Übergang vom analogen zum digitalen Zeitalter.“

Bereits im Oktober steht Grebe auf der Bühne des Schauspielhauses. „Das Rainald Grebe Konzert“ soll seine Zeit in Hannover einläuten. Gemeinsam mit dem Dramaturgen Johannes Kirsten, mit dem er bereits am Centraltheater Leipzig zusammengearbeitet hat, will sich Grebe seinem Thema nähern und dabei verschiedene Formate ausprobieren. Grebe plant, sich auf der CeBIT umzuschauen, er will Stadtspaziergänge machen, in Wohnungen spielen. Vor allem aber will er seine Geschichte anhand der Technik erzählen - anhand von alten Schreibmaschinen, Anrufbeantwortern, Telefonzellen. Die unterschiedlichen Annäherungen an das Thema sollen aufgehen in der großen Show „Das Anadigi Ding“. Zwei weitere Produktionen sind für die kommenden beiden Spielzeiten geplant. „Ich wollte mir für das Thema Zeit nehmen“, sagt Grebe.

Rainald Grebe beschreibt sich selbst als „analoges Arschloch“. Sein erstes Handy habe er sich 2001 angeschafft, da sei er auch zum ersten Mal im Internet gewesen. Seit zwei Monaten besitzt Grebe nun ein Smartphone, davor habe er so einen „ganz alten Knochen gehabt“. „Das Digitale verändert alles, die Menschen, das Miteinander, das Denken“, sagt Grebe. „Es ist die Aufgabe eines Künstlers, diese Veränderungen zu beschreiben.“

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