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Stadt Hannover Gummistiefel statt Stiefeletten
Aus der Region Stadt Hannover Gummistiefel statt Stiefeletten
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08:00 15.07.2017
Von Juliane Kaune
„Ein Traum ist in Erfüllung gegangen“: Mirja Regenburg als moldoslowenische Grand-Prix-Kandidatin in Herrenhausen. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Aber auch bei trockenem Wetter liebt sie es, die Zuschauer in ihre Stand-up-Comedy einzubeziehen. Dass der Herr in der ersten Reihe Käsewürfel dabei hat, passt. Da kann die Künstlerin gleich mal zugreifen, man duzt sich sowieso. Zum Dank gibt es ein stimmgewaltiges Ständchen für Matthias, den Kripobeamten aus Badenstedt, der nachweislich keinen Sport macht.

Mirja Regensburg („Mirja wie dir, nein“) hat zum „Mädelsabend, jetzt auch für Männer“ eingeladen und plaudert über Themen, die beide Geschlechter interessieren dürften. „Muffin-Jeans, wo der Teig oben rauskommt“ etwa, oder den HSV-Fan, „der im Bett in Rautenform schläft“. Manche Gags mögen Geschmackssache sein. Aber dem frech-offensiven Charme der Wahlkölnerin können sich auch die Gäste in den hinteren Reihen nicht entziehen.

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Das Kleine Fest läuft an ausgewählten Tagen bis 30. Juli. An der Abendkasse gibt es je 200 Karten.

Die Gummistiefel mit den weißen Punkten, die sie für nasse Notfälle stets parat hat, haben eine besondere Geschichte. Mirja Regensburg hat sie schon vor drei Jahren getragen. Allerdings nicht beim Kleinen Fest, sondern als Helena im langjährigen Erfolgsmusical „Sommernachtstraum“ im Gartentheater. Der Intendant wollte einen nachhaltigen Akzent setzen - und steckte Helena in Gummistiefel. „Geregnet hat es ja auch da immer genug“, sagt die 42-jährige mit fröhlichem Lachen. Neun Jahre lang hat die in Hamburg ausgebildete Musicaldarstellerin Shakespeares verzweifelt Liebende auf clowneske Art in Herrenhausen verkörpert.

Nun ist sie zurück im Großen Garten, in einer neuen Rolle. „Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen“, sagt sie über ihre Premiere beim Kleinen Fest: „Hier aufzutreten ist für jeden Künstler eine echte Herausforderung. Das ist wie im Straßentheater - um unter freiem Himmel zu bestehen, braucht man ein besonderes Gen.“

Das hat sich offenbar durchgesetzt. Seit 2014 widmet sich Mirja Regensburg ganz der Comedy. „Ich bin jetzt ich“, sagt sie über den Wechsel aus dem Musicalfach. Und fügt mit Selbstironie hinzu: „Lange Zeit dachte ich ja wirklich, ich bin eine ernsthafte Musicaldarstellerin.“ Aber eigentlich habe sie schon immer das machen wollen, was sie als Sechsjährige auf dem elterlichen Bauernhof im nordhessischen 1400-Seelen-Dorf Hümme gemacht hat: „Auf einen Tisch steigen und lustige Geschichten erzählen.“

Entdeckt wurde ihr komödiantische Talent erst Jahre später. In Hannover. Gerhard Weber, der damalige Regisseur des „Sommernachtstraums“ und Intendant der Landesbühne, kann sich diesen Verdienst anrechnen. „Wir haben bei den Proben rumgealbert und improvisiert - da meinte er, ich solle doch mal was im Comedybereich ausprobieren.“ 2006 traf sie dann zufällig Sascha Korf auf einer Party in Köln. Der war schon ein bekannter Comedian, und er bot an, ein paar Türen zu öffnen. Beim Kleinen Fest sieht sie ihn nun wieder.

Regensburg war unter anderem in TV-Formaten wie „Nightwash“, „Genial daneben“ oder dem „Quatsch Comedy Club“ zu sehen. Im Großen Garten zeigt sie Ausschnitte aus ihrem ersten Soloprogramm, mit dem sie durch Deutschland tourt - und am 6. Januar auch im Pavillon gastiert. Da zahlt sich die Musicalausbildung aus. Als moldoslowenische Grand-Prix-Kandidatin Irvana Snirski liefert sie eine Parodie des osteuropäischen Showbusiness. Wenn es sein muss, auch in Gummistiefeln.

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