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Stadt Hannover Kleingärtner wagen Experiment im Norden
Aus der Region Stadt Hannover Kleingärtner wagen Experiment im Norden
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00:16 07.04.2019
„Wildnis wagen“: Landschaftsplaner Thomas Ostermeyer stellt die ersten Pläne für das Projekt des Kleingartenparks auf dem Gelände des Vereins Friedenau vor. Quelle: Samantha Franson
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Hannover

Einige der Gärten stehen seit Jahren leer, einer ist 1200 Quadratmeter groß, andere werden schlecht gepflegt: Auf einer Teilfläche des Kleingartenvereins Friedenau zwischen Vahrenwald und Hainholz will der Bezirksverband der Kleingärtner gemeinsam mit der Stadt einen Neustart wagen. Unter dem Titel Kleingartenpark soll das Gelände neu aufgeteilt werden. Aus 15 Parzellen könnten 30 werden, teilweise mit Gemeinschaftslauben für bis zu vier Gärten. Der Anspruch: Familien, Behinderte, Berufstätige sollen dort Gemeinschaft gärtnern können – und die Natur schützen. Interessenten können sich melden.

Kleingartenpark Friedenau ist Teil des Kleingartenkonzepts der Stadt Hannover

Das Projekt ist ein erster Baustein des vom Rat vor zwei Jahren beschlossenen Kleingartenkonzepts. Das hatte in der Öffentlichkeit viel Ärger ausgelöst, weil mit ihm auch Hunderte Kleingartenflächen zu Wohnbauland umgewandelt werden soll. Das Versprechen der Stadt damals aber war: Zugleich sollen Kleingärten aufgewertet werden, bis zu 30 Millionen Euro will sie in die Kleingartenkultur investieren. Der Verkauf von Wohnbauflächen ist derzeit ausgesetzt – aber investiert werden soll trotzdem. Zum Beispiel auf dem Vahrenwalder Areal Am Othfeld nahe dem Mittellandkanal. Jetzt wurde die Idee erstmals Interessierten vorgestellt.

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Minigärten, Übungsgärten und Gemeinschaftsgrünflächen

Ein Entwurf des Büros Gruppe Freiraumplanung um Thomas Ostermeyer zeigt, wie die Fläche künftig gegliedert werden könnte. Ein gewundener Weg soll das Areal durchqueren. In vielen kleinen Parzellen soll gegärtnert werden, einige Bereiche sollen für besondere Naturschutzprojekte reserviert werden, etwa für eine Wildblumenwiese, ein Vogelschutzgehölz und gemeinschaftliche Obstgehölze. Ein Teilgebiet könnte für 14 Minigärten mit jeweils nur 23 Quadratmetern zur Verfügung stehen, in denen Gemüse angepflanzt werden kann. Andere sollen auch Spielgärten für Familien oder die typische Mischgärten sein, es soll „Übungsgärten“ für Anfänger ebenso geben wie Gemeinschaftsgärten. Die Größen reichen von 60 bis 180 Quadratmetern. Es gebe einen Trend weg von den alten Großgärten, sagt Reinhard Martinsen vom Bezirksverband der Kleingärtner, der als Generalpächter aller städtischen Kleingartenflächen die Initiative zu dem Projekt ergriffen hatte.

Bündnis gegen Kleingartenzerstörung hat kritische Fragen

Etwa 20 Interessierte hatten sich zu einem ersten Infoabend zu dem Projekt eingefunden – und hatten viele kritische Fragen parat. Vertreter des Bündnisses gegen Kleingartenzerstörung etwa wollten wissen, ob die 23-Quadratmeter-Miniparzellen künftig auf das Versprechen der Stadt angerechnet würden, die Gesamtzahl der Kleingärten in Hannover nicht anzutasten – man witterte Rechentricks. Das aber schließt Sabine Schröder vom Grünflächenamt der Stadt aus, die das Projekt betreut. Ein anderer Besucher wollte wissen, warum mehrere alte Bäume gefällt werden müssten – das vertrage sich doch nicht mit dem Naturschutzgedanken. Planer Ostermeyer erklärte, dass große Bäume sich nicht mit dem Kleingartengesetz vertrügen – unter ihren Kronen kann man schlecht pflanzen. Allerdings seien die Naturschutzakzente des Projekts so groß, dass ein Ausgleich für die Fällungen erfolge.

Kleine Parzellen, Gemeinschaftslauben und Naturinseln: So sieht die Idee für den Kleingartenpark am Rande Vahrenwalds aus. Quelle: Gruppe Freiraumplanung

Beim Verein Friedenau gibt es Sorgen, dass das Engagement der Ehrenamtlichen mit dem Projekt überfordert sein könnten. Schließlich müsse der Verein in diesem Jahr auch die Erneuerung der Stromversorgung stemmen, berichtete Pächter Robert Schäfer. Grünflächenmanagerin Schröder sagte intensive Unterstützung der Stadt zu – allerdings müsse der Verein das Kleingartenparkprojekt auch gar nicht selbst managen. „Wenn Sie Interesse haben, können Sie das gerne machen“, sagte Martinsen vom Bezirksverband: „Aber wenn sich der Verein damit überfordert fühlt, gibt es auch andere Partner, die Interesse haben.“ So betreibe der Umweltverband BUND in der Herrenhausen erfolgreich das Projekt Universum Kleingarten, wo anderes Gärtnern trainiert wird. Und auch der Verein Transition Town, der das Tiny-House-Projekt im Stadtteil Burg voranbringen will, habe Interesse.

Friedenau-Vorstand will Projekt beraten

Schatzmeisterin Anja Kollmann findet solch eine Variante überlegenswert. „Transition Town hat mit Urban Gardening bereits viel Erfahrung“, sagt sie. Man wolle im Vorstand beraten, wie der Verein mit dem Projekt umgeht.

So sieht der Bestand der Kleingärten Friedenau in Vahrenwald aus. Quelle: Gruppe Freiraumplanung

Am Ende gab es sogar Applaus für die Projektvorstellung. „Das Konzept klingt gut“, sagte Pächter Schäfer. Frank Schumann vom Bündnis gegen Kleingartenzerstörung lobte: „Schön, dass wir nicht erst kurz vor Ende informiert werden, wenn alles platt gemacht wird wie an der Schulenburger Landstraße.“ Dort müssen Gärten für Gewerbeflächen weichen.

Interessenten können sich vormerken lassen

Mehrere Interessenten trugen sich in Listen ein, um künftig informiert zu werden – denn bis das Projekt umgesetzt wird, dürfte es noch bis zu zwei Jahre dauern. Wer sich bei der Stadt vormerken lassen will, kann sich im Grünflächenamt unter Telefon (05 11) 16 84-38 01 melden.

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Von Conrad von Meding

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