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Stadt Hannover Kommt jetzt das Ein-Euro-Ticket für Stadtbahnen und Busse?
Aus der Region Stadt Hannover Kommt jetzt das Ein-Euro-Ticket für Stadtbahnen und Busse?
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18:57 10.10.2019
Hannover soll das Ein-Euro-Ticket einführen, so wollen es Regions- und Ratspolitik gleichermaßen. Quelle: picture alliance / dpa
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Hannover

Für einen Euro pro Tag mit Bussen und Bahnen durch die gesamte Region Hannover fahren, das ist nun erklärtes Ziel der Regionspolitik. Noch vor einem Jahr hatte die Große Koalition in der Regionsversammlung den Vorschlag aus dem Rat der Stadt Hannover abgelehnt. Jetzt schwenken SPD und CDU um und fordern die Regionsverwaltung auf, sich beim Bund als Modellregion für das 365-Euro-Jahresticket zu bewerben. „Grundsätzlich freut mich der Sinneswandel“, sagt FDP-Ratsfraktionschef Wilfried Engelke. Das Ticket soll nach den Vorstellungen der Politiker nicht nur für Stadtbahnen und Busse, sondern auch für alle S-Bahnen im GVH-Bereich gelten, also bis an die Grenzen der Region.

„Wir wollen am neuen Fördertopf partizipieren“

Ausschlaggebend für die Kehrtwende in der Debatte sind Finanzierungshilfen, die der Bund in Aussicht stellt. Zusammen mit ihren Klimabeschlüssen hatte die Bundesregierung angekündigt, zehn Städte bei der Einführung der Rabattkarte zu unterstützten. Wie das geschehen soll, ist noch unklar. „Wir wollen am neuen Fördertopf partizipieren“, sagt die Vorsitzende der SPD-Regionsfraktion, Silke Gardlo.

Ratsmehrheit einigt sich auf Klima-Forderungen

Auch im Rat der Stadt Hannoverwird diskutiert, ob der „Klimanotstand“ ausgerufen werden sollte. Die Gruppe Linke/Piraten favorisiert dies und fordert die Stadtverwaltung auf, bei allen Vorhaben nicht nur auf Finanzen zu schauen, sondern auch darauf zu achten, inwieweit das Klima geschädigt werden könnte. Der Antrag der Gruppe hat bereits etliche Ausschüsse durchlaufen, die Entscheidung wurde immer wieder vertagt.

Inzwischen hat sich die Ratsmehrheit aus SPD, Grünen und FDP zu einem eigenen Antrag durchgerungen. Der Begriff „Klimanotstand“ taucht darin nicht auf, dennoch ist auch das Ratsbündnis in Hannover der Ansicht, dass bei jeglichen Entscheidungen der Stadt die Auswirkungen auf das Klima berücksichtigt werden sollen. Städtische Unternehmen, etwa Enercity, sollen sich „verstärkt mit ihren Möglichkeiten im Klimaschutz auseinandersetzen“.

Tatsächlich verursacht das Ein-Euro-Ticket enorme Kosten. Dem Vernehmen nach rechnet die Regionsverwaltung mit einem Zuschussbedarf von 60 bis 80 Millionen Euro pro Jahr. Derzeit belaufen sich die Ausgaben für den öffentlichen Nahverkehr in der Region Hannover auf etwa 400 Millionen Euro. Der Kostendeckungsgrad beträgt etwa 50 Prozent, das heißt die Hälfte der Ausgaben deckt der Fahrscheinverkauf, die andere Hälfte bezahlen Region, Land und Bund.

SPD: Sternverkehr um kreisförmige Verbindungen ergänzen

Die Kommunalpolitik will es nicht bei günstigen Tarifen belassen. „Zugleich müssen wir darüber nachdenken, das Netz des öffentlichen Nahverkehrs auszubauen“, sagt SPD-Regionsfraktionschefin Gardlo. Schließlich seien einige Stadtbahnlinien schon an der Grenze ihrer Kapazitäten angelangt. Dieser Einschätzung schließen sich SPD und Grüne im Rat an. „Wir sollten jetzt mutig sein und unsere Infrastruktur ausbauen“, sagt SPD-Fraktionsvize Lars Kelich.

Kelich schlägt vor, Hannovers sternförmig angelegtes Stadtbahnnetz um kreisförmige Verbindungen mit Bussen und Bahnen zu ergänzen und dadurch Lücken zu schließen. Das sei zwar ein Projekt für die nächsten Dekaden, aber lange Dauer sei kein Grund, ein Vorhaben nicht anzugehen. „Sonst wäre es nie zum U-Bahn-Bau gekommen“, sagt Kelich. Für einen Ausbau des Streckennetzes plädiert auch Grünen-Umweltpolitiker Mark Bindert. „Dafür sind Zuschüsse vom Bund nötig“, meint er.

Skepsis bei der Regionsverwaltung

Bisher stand die Regionsverwaltung einem Ein-Euro-Ticket äußerst skeptisch gegenüber. Mit günstigeren Tarifen bewege man nicht automatisch mehr Menschen, auf Busse und Bahnen umzusteigen, hieß es. Zudem gebe es im öffentlichen Nahverkehr bereits preiswerte Angebote, etwa die Schülerkarte für 15 Euro im Monat. SPD und CDU machten sich die Argumente zu eigen und lehnten die Idee aus dem Rat ab. Dabei hat auch Atmosphärisches eine Rolle gespielt. „Es ist schon komisch, Vorschläge von Leuten zu bekommen, die gar nicht zuständig sind“, heißt es aus der Regionspolitik. Das letzte Wort in Sachen Nahverkehr hat die Regionsversammlung, nicht der hannoversche Rat.

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Von Andreas Schinkel

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