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Stadt Hannover „Wir bauen die falschen Wohnungen“
Aus der Region Stadt Hannover „Wir bauen die falschen Wohnungen“
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00:15 15.06.2017
Von Conrad von Meding
In Hannover entstehen zwar viele Neubauten wie hier am Steintor - aber für Normalverdiener sind sie kaum erschwinglich. Foto: Kutter Quelle: Katrin Kutter
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Hannover

Jahrelang wurden zu wenige Wohnungen gebaut - wer jetzt in Hannover oder den Umlandstädten eine Behausung sucht, spürt den Mangel. Erstmals hat die Region jetzt 225 Vertreter der Wohnungswirtschaft, Kommunalpolitiker und Planer zu einem gemeinsamen Kongress geladen, bei dem Lösungen für den Engpass gesucht wurden. Das Fazit: „Wir bauen zu wenige Wohnungen - und die falschen“, sagte Regionssozialdezernent Erwin Jordan. Preiswerte und kleine Wohnungen etwa für Singles müssten gebaut werden, teurer Wohnraum entstehe schon genug. Dabei müssten vor allem auch die Kommunen im sogenannten Speckgürtel Hannovers Neubauflächen für Geschosswohnungen ausweisen, drängt Planungsdezernent Prof. Axel Priebs. Als Vorbild dient Garbsen, wo in Berenbostel-Ost jetzt Flächen für 600 Wohnungen entwickelt werden. Auch Langenhagen baut viel - in manchem Jahr sogar mehr als Hannover, wie Baudezernent Carsten Hettwer betont.

28.300 Wohnungen benötigt

Nach Berechnungen der Region werden bis 2025 rund 18.300 neue Wohnungen benötigt, um den Status quo zu halten. Wolle man überdies den Markt entspannen, müssten es eher 28.300 sein, sagt Priebs. Allerdings seien derzeitig Neubauwohnungen für große Teile der Bevölkerung kaum erschwinglich. Kommunen und Wohnungswirtschaft müssten Konzepte entwickeln, wie qualitätsvolle Geschosswohnungen zu Preisen errichtet werden können, die sich Normalverdiener leisten können.

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Neubau-Mietwohnungen gibt es aktuell kaum unter 12 Euro pro Quadratmeter. Das bedeutet eine Miete von 1200 Euro für eine 100-Quadratmeter-Wohnung plus Betriebs- und Energiekosten - für Durchschnittsfamilien unbezahlbar. Sozialdezernent Jordan machte klar, dass es beim Wohnraumbedarf keinesfalls nur um Sozialwohnungen gehe, sondern um Normalverdiener. „20 Prozent der Bevölkerung haben ein Einkommen bis knapp über 2100 Euro brutto, die nächsthöhere Gruppe auch nicht viel mehr.“ Etwa die Hälfte der Bevölkerung könne sich Neubauwohnungen am Markt nicht leisten.

Es gibt Beispiele, wie preiswertes Bauen funktioniert. Der Schaumburger Familienbetrieb Immo-Concept etwa baut in Empelde Mehrfamilienhäuser. Das Unternehmen hat die Prozesse im Hausbau radikal verschlankt und erstellt energieeffiziente Mehrfamilienhäuser nach seriellem Konzept. Man komme so auf einen Neubaupreis von 2100 Euro pro Quadratmeter inklusive Grundstück, sagt Vetriebschefin Henrike Vogt. Zum Vergleich: Die regionseigene KSG schaffe den Geschosswohnungsbau derzeit nicht unter 3300 Euro pro Quadratmeter, wie Geschäftsführer Karl-Heinz Range auf dem Podium einräumte.

Serielles Bauen als Lösung?

Auch die KSG startet aber nun ein Projekt zum kostengünstigen Bauen. In Ahlem werden ab März 130 Wohnungen in seriell geplanten Mehrfamilienhäusern errichtet, die zusammen mit der Architektenkammer konzipiert wurden.

Prof. Jürgen Aring aus Berlin forderte bei der Konferenz, innovative Konzepte am Wohnungsmarkt umzusetzen. Kommunen und Land müssten Grundstücke billiger anbieten, gemeinsam mit der Bauwirtschaft müssten Projekte für gemeinwohlorientierte Nutzungen erarbeitet werden. Zum Beispiel wie im Münchener Domagk-Park. In dem Neubaugebiet mit 1700 Wohnungen organisieren die Bewohner in einer Genossenschaft das Zusammenleben: von ausleihbaren Bohrmaschinen bis zur Nutzung von Quartiersräumen.

Institut erstellt Standortanalyse

In vielen Umlandkommunen gebe es noch immer die Tendenz von Ortsräten, lieber Einfamilienhaus- als Geschosswohnungsbau zuzulassen, moniert Sozialdezernent Erwin Jordan: Kommunalpolitiker erhofften sich bessere Nachbarschaften und höhere Einkommen der Neubürger. Für derartig flächenfressende Baugebiete aber sei vor allem in Hannover und den urbanen Umlandkommunen wie Garbsen, Langenhagen, Laatzen oder Burgdorf kaum noch Platz. „Die Potenziale zur Innenentwicklung sind erschöpft“, sagt Planungsdezernent Axel Priebs. Mit neuen Flächen müsse sparsam umgegangen werden.

Die Region hat daher das Institut Empirica aus Berlin mit der Erstellung eines Wohnraumkonzepts beauftragt. Es soll bis Herbst 2018 eine Übersicht über Standortpotenziale liefern. Wichtig seien vor allem Flächen an ­S-Bahnen und mit guter Infrastruktur etwa zum Einkaufen, mit Kitas oder Ärzten.

med

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