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Stadt Hannover Comeback mit Krone
Aus der Region Stadt Hannover Comeback mit Krone
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19:54 28.07.2013
Von Sonja Fröhlich
Rebell, Rotzlöffel, Schmusesänger: Robbie beherrscht so einige Posen. Quelle: Michael Wallmüller
Hannover

Die zehnjährige Noëlle wird diesen Abend bestimmt nie vergessen. Es ist der Abend, an dem Robbie Williams sie und ihre Mutter auf die Bühne holt, um ihnen die Zugabe „She’s the One“ zu widmen. Und es ist der Abend, an dem ein Pfeifkonzert von 46.000 Zuschauern auf die beiden einbricht, nur weil sie ihren Wohnort genannt haben: Braunschweig. Robbie, von der alten Feindschaft der Städte nichts ahnend, wirkt verstört und legt nun schützend die Arme um Mutter und Tochter. Da ist Robbie, der Familienvater, er ist im vergangenen September selbst Vater einer Tochter geworden. Und da ist die strahlende Noëlle auf dem Display, die wohl die Pfiffe im Glücksrausch gar nicht bemerkt hat. Dieses anrührende Bild lässt auch das Publikum zur Besinnung kommen, die Pfiffe verwandeln sich in Jubel und Applaus.

Robbie hat seinem Publikum bis dahin eine fast perfekt durchkomponierte Ego-Show geboten. „Take The Crown“, auf deutsch „Hol die Krone“, heißt seine Europatournee, mit der er nach sechs Jahren Bühnenabstinenz sein Comeback feiert (das gleichnamige Album war vergangenen November erschienen). Der Titel ist durchaus wörtlich zu nehmen. Vor einem gigantischen goldenen Relief seiner selbst betritt Robbie Williams mit nur ein paar Minuten Verspätung die Bühne. Dass er nicht wie in den vergangenen Shows, an einer Seilbahn von der Decke eingeschwebt kommt, liegt allein an einem technischen Problem der Zugmaschine. Williams trägt – ganz Dandy – einen über und über mit Glitzersteinen besetzten Frack. Er ist gleich voll da, singt seinen Eröffnungssong „Let Me Entertain You“ – und wird frenetisch begrüßt.

Die Fans freuen sich, Robbie wieder Live zu sehen. Da darf es auch eine Kulisse geben, die der bloßen Selbstinszenierung dient. Mal posiert Williams auf einer in Form einer Krone gehaltenen Kanzel, mal stolziert er über einen der beiden goldenen Laufstege, auf die im Laufe des Abends vier unterschiedliche überlebensgroße Robbie-Büsten gefahren werden. Diese fungieren als Dekorationen oder auch zusätzliche Bühnen. Das wirkt zuweilen übertrieben, ist aber auch originell und witzig. So dringen bei dem Song „Sin, Sin, Sin“ Rauch und kurz drauf Flammen aus einem Kopf, bei „Come Undone“ gibt es daraus eine Wasserdusche für die umstehenden Fans, und zum Song „Not like The Others“ schweben rote und gelbe Luftballons aus der Büste in den Himmel.

Zwischendurch gibt es mit dem Song „Kids“ ein Power-Duett: Statt in der ursprünglichen Fassung singt er das Duett nicht mit Kylie Minogue, sondern mit Olly Murs, seinem Support auf der Tournee. Beide rocken die Bühne, singen sich an, brüllen sich an, tanzen sich an, fechten mit silbernen Gehstöcken ein Duell. Dabei räumt Williams dem zehn Jahre jüngeren Newcomer, dem auch schon der Ruf eines zweiten Robbie Williams vorauseilt, viel Raum ein. Auch das bringt dem selbsternannten „King of Pop“ Sympathiepunkte ein.

Dann aber wird auf der Bühne ein roter Kasten aufgebaut, es ist ein vertikales Bett.  Mancher Fan hält die Luft an. Tut es Robbie wieder? Zuvor in Gelsenkirchen war er mit einem Mädchen in diese Kiste gestiegen, die er, wie er gleich mehrfach erklärte, wegen ihres „großen Busens“ ausgewählt hatte. In Hannover zeigt sich Robbie – wohl auch wegen der deutlichen Kritik an dem chauvinistischen Exkurs – von seiner zahmen Seite. Vor Sandra aus Berlin, die Robbie von einem Ordner aus dem Publikum gesetzt wird, kniet er nieder und singt schmachtend den Klassiker von Take That „Everything Changes But You“, bevor sie zusammen im „Red Bed“ ein bisschen stehen und schmusen.

Auf der Bühne gibt Robbie den zotigen Sprücheklopfer und stimmfesten Rocker: Mal dekoriert er seine Songs mit Fäkalwörtern, mal verspricht er eine Liebeserklärung auf Deutsch – und liest stattdessen von einem Zettel: „Ich habe einen großen Pimmel.“ Naja. Das hat er auch schon in Gelsenkirchen vorgetragen. Aber den Lachern des Publikums nach scheint es zu funktionieren.

Noch besser funktioniert es, wenn der Superstar zur Gitarre greift und die zwei Akkorde spielt, die zu „Millennium“ gehören. Da kehrt mal Ruhe ein und es zeigt sich auch, dass der 39-Jährige gut bei Stimme ist. Beim Finale mit „Candy“, „Hot Fudge“, „Rock DJ“ wird er wieder zur Rampensau.

Nach alle dem Gewummere und Gedröhne kommt es wie gerufen, dass der Brite eher Balladen als Zugaben ausgesucht hat. Bei „Feel“ leuchten Tausende zu Taschenlampen umfunktionierte Handys, bei „Angels“ singt das ganze Stadion mit, und auch noch, als die Band schon die Bühne verlassen hat. Also setzt sich Robbie noch einmal auf den Boden vor seine Fans und singt ganz ohne Begleitung, ganz nah bei den Menschen, die ihn verehren. Es scheint, mit seinem Schweiß vermischen sich auch Tränen der Rührung.

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