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Stadt Hannover Krach im Klinikum Region Hannover
Aus der Region Stadt Hannover Krach im Klinikum Region Hannover
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11:17 21.11.2011
Von Veronika Thomas
Das Oststadt-Klinikum der Region Hannover.
Das Oststadt-Klinikum der Region Hannover. Quelle: Steiner
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Hannover

Der seit Monaten schwelende Konflikt zwischen Geschäftsführung und Aufsichtsrat des Klinikums Region Hannover hat seine Ursache offenbar in dem Vorhaben, innerhalb des Unternehmens drei „virtuelle Kliniken“ einzurichten.

Weil der renommierte Internist und Nierenfacharzt Prof. Reinhard Brunkhorst diese Pläne immer wieder kritisch hinterfragt hatte, wurde er, wie berichtet, von der KRH-Geschäftsführung von seinem Führungsposten als Ärztlicher Geschäftsführer des Oststadt-Heidehauses und des Klinikums Siloah entbunden. Dennoch bleibt Brunkhorst, der auch Präsident der Deutschen Gesellschaft der Nephrologen ist, weiterhin Chefarzt der Kliniken Oststadt-Heidehaus und Lehrte.

„Ich habe nichts gegen die Organisationsform der ,virtuellen Kliniken’“, sagte Brunkhorst gegenüber der HAZ: „Ich habe nur etwas gegen die erneute Grenzziehung zwischen den Krankenhäusern der Landeshauptstadt und des ehemaligen Landkreises, die ich für kontraproduktiv halte.“ Um erfolgreich arbeiten zu können, müssten alle kommunalen Kliniken in Stadt und Umland Hannover „zusammenarbeiten, wie es heute auch schon der Fall ist.“

Effiziente Strukturen schaffen

Wie berichtet, plant die Klinikumsgeschäftsführung, die Krankenhäuser Oststadt-Heidehaus/Siloah/Nordstadt zu einer organisatorischen Einheit zusammenzufassen mit dem Ziel, effizientere Strukturen zu schaffen. Ebenso soll mit den Kliniken Gehrden/Springe/Neustadt und Laatzen/Großburgwedel/Lehrte sowie mit den beiden Psychiatrien in Wunstorf und Langenhagen verfahren werden, die jeweils eine gemeinsame Führungsstruktur in den Bereichen Medizin, Pflege und Verwaltung erhalten sollen.

Obgleich die Leitungen der „virtuellen Kliniken“ inzwischen namentlich benannt worden sind, gibt es offenbar noch viele offene Fragen, die die Klinikumsgeschäftsführung nach Angaben von Insidern bislang nicht schlüssig beantwortet hat. Offenbar ist unklar, wer künftig über Investitionen oder Budgets der einzelnen Häuser entscheide und wo dringend benötigtes Personal eingesetzt wird. Offen sei, ob die bisherigen Klinikdirektorien bestehen bleiben und wer künftig für welchen Bereich verantwortlich ist. Nicht geklärt sei auch, was aus den medizinischen Zentren wird.

„Um eine solche Organisationsform einzuführen, muss sie gut begründet sein“, formuliert der Aufsichtsratsvorsitzende, Regionssozialdezernent Erwin Jordan, den Schwerpunkt der strittigen Debatte zwischen Aufsichtsrat und Geschäftsführung. Das sei bisher aber nicht in ausreichendem Maß geschehen. „Da ist vieles noch sehr wolkig geblieben.“

Unterdessen gerät das Klinikum auch finanziell in schweres Fahrwasser. Grund sind verschlechterte Rahmenbedingungen durch Vorgaben des Bundesgesundheitsministeriums sowie die von den niedersächsischen Krankenkassen reduzierten Basispreise pro Behandlung ab 2012. Das gilt allerdings für alle Kliniken in Niedersachsen. Ein Experte, der namentlich nicht genannt werden möchte, prognostiziert, dass deshalb auch das Klinikum im nächsten Jahr rote Zahlen schreiben wird – wie es die Medizinische Hochschule Hannover bereits offen angekündigt hat. Zwar konnte das Klinikum im vergangenen Jahr noch einen kleinen Gewinn von 2,1 Millionen Euro verbuchen – doch nur mithilfe der Psychiatrie in Wunstorf, die allein einen Gewinn von 4,1 Millionen Euro beisteuerte.

Die Arbeitnehmervertreter klagen seit einer Nachbesetzungssperre frei werdender Stellen über einen „irren Druck auf die Pflege“. Auch Brunkhorst hatte den Einstellungsstopp kritisiert. In Einzelfällen müsse schon mal das Leistungsspektrum einzelner Abteilungen heruntergefahren werden, weil die Arbeit schlicht nicht zu bewältigen sei, sagt ein Betriebsrat.

Dass die Geschäftsführung den kreativen und fachlich exzellenten Prof. Brunkhorst als Ärztlichen Direktor geschasst habe, wird von Insidern bedauert. „Dass er kein Blatt vor den Mund nimmt, ist bekannt“, heißt es aus informierten Kreisen: „Man hätte sich gewünscht, dass die Geschäftsführung diese Kritik aushält.“ Brunkhorst werde „dem Klinikum als Führungskraft fehlen“.

Gunnar Menkens 21.11.2011
Conrad von Meding 21.11.2011
Tobias Morchner 20.11.2011