Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Stadt Hannover Land bestätigt: Wolf riss 15 Heidschnucken in Engensen
Aus der Region Stadt Hannover Land bestätigt: Wolf riss 15 Heidschnucken in Engensen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:30 04.04.2019
Der Fall in Engensen ist der größte bekannt Wolfsangriff in Niedersachsen. Quelle: Antje Bismark
Hannover

Ein Wolf hat Anfang März auf einer Weide zwischen Burgwedel-Engensen und Schillerslage 15 Heidschnucken getötet und fünf weitere Tiere verletzt. Das ist das Ergebnis der Prüfung des Falls durch den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). Den Experten zufolge konnte „mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Wolf als Verursacher festgestellt werden“, heißt es in dem offiziellen Schreiben, das der HAZ vorliegt. Der Vorfall ist demnach einer der größten bekannt gewordenen Wolfsangriff in Niedersachsen.

Weiter teilt der Landesbetrieb dem betroffenen Landwirt Friedhelm Stein mit, dass die Experten gerne einen Termin zu einer Vorortberatung zum Herdenschutz machen würden. „Leider ist das zurzeit aufgrund der angespannten Personalsituation nicht möglich“, heißt es in dem Schreiben weiter.

Über diese Bemerkung des Landesbetriebs ist Stein besonders verärgert. „Das ist doch lächerlich“, sagt er der HAZ. 14 Tage lang habe er nach dem Wolfsangriff überlegt, ob er weiterhin Tiere halten solle. „Ich mache jetzt erst mal weiter, wann aber noch einmal etwas passiert, dann ist für mich endgültig Schluss“, sagt Stein.

Wolfsrisse in der Region Hannover

Wölfe haben auch in der Region Hannover in den vergangenen Jahren erheblichen Schaden angerichtet. Bislang nachgewiesen sind folgende elf Angriffe:

5. Februar 2019: In Nöpke wird ein Pferd gerissen.

4. Februar 2019: In Altmerdingsen wird ein Gatterwild getötet

15. Januar 2019: Ein Rind wird in Dudensen Beute eines Wolfs

18. November 2018: In Immensen wird ein Schaf gerissen

11. September 2018: Zwei Schafe werden in Borstel getötet

21. Juli 2018: In Neustadt am Rübenberge tötet ein Wolf zwei Schafe

20. Juni 2018: In Burgdorf fällt ein Schaf dem Wolf zum Opfer

26. Dezember 2017: In Immensen wird ein Schaf gerissen

17. Dezember 2017: Bei Lehrte wird ein Schaf getötet, vier weitere verletzt

6. März 2017: Ein Kalb fällt in Wunstorf einem Wolf zum Opfer

12. Februar 2016: In Burgdorf werden zwei Schafe gerissen

Nach Angaben des Umweltministeriums in Niedersachsen ist es grundsätzlich so, dass ein Landwirt sogenannte Billigungsleistungen, also eine Form von Entschädigung bekommen kann, wenn ein Wolf seine Tiere gerissen hat. Dazu müssen allerdings bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Die Weide muss von einem 1,20 Meter hohen Zaun umgeben sein, der zusätzlich mit Strom gesichert ist.

Im aktuellen Fall sei bislang nicht klar, zu welchem Rudel der Wolf gehört, der die Heidschnucken in Engensen gerissen hat. „Eine individuelle DNA-Analyse liegt noch nicht vor“, sagt Lotta Cordes vom Umweltministerium. Insgesamt gibt es derzeit 22 Wolfsrudel in Niedersachsen. Auch im Bereich Burgdorf war ein Wolfspaar bekannt. Der Rüde ist, nach Erkenntnissen des Umweltministeriums, bei einem Unfall im Oktober 2018 auf der Landesstraße 387 bei Uetze getötet worden. „Die Fähe ist im Februar ebenfalls bei einem Verkehrsunfall getötet worden“, sagt Lotta Cordes. Unklar sei, ob das Wolfspaar Welpen gehabt hat. Nach den beiden Unfällen seien wieder zwei Wölfe im Bereich Burgdorf nachgewiesen worden. Woher sie kommen, ist bislang unklar. „Wir werden die Region nach diesem Vorfall im Blick behalten“, sagt Cordes. Trotz des Angriffs von Engensen wird der Burgdorfer Wolf nicht zum Abschuss frei gegeben. Das kann erst dann geschehen, wenn ein Tier nachweislich mehrere Male einen sogenannten wolfsabweisenden Herdenschutz überwunden hat. Im Fall der Heidschnucken von Engensen habe es einen entsprechenden Schutz nicht gegeben.

SPD, CDU und FDP im Landtag forderten als Reaktion auf den Wolfsangriff in der Region Hannover den Abschuss von Problemwölfen. „Auffällige Tiere müssen entnommen werden, damit Akzeptanz in der Bevölkerung entsteht“, sagte der SPD-Fraktionsvize Marcus Bosse der HAZ. Er sieht den Bund in der Pflicht. Das Bundesnaturschutzgesetz müsse entsprechend geändert werden. „Wir sind aber auf einem guten Weg“, betonte Bosse.

„Wir sind weiterhin davon überzeugt, dass es richtig und sinnvoll ist, Wölfe zu entnehmen“, sagte der umweltpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Martin Bäumer, der HAZ. Ihre Population steige jedes Jahr um etwa 30 Prozent. „Daher werden die Übergriffe auf Nutztiere eher noch zunehmen.“ Die Entschädigungen für die Tierhalter reiche zudem nicht aus. „Der Staat muss seine Handlungsfähigkeit unter Beweis stellen“, forderte Bäumer. „Wölfe erschweren den Tierhaltern zunehmend die Haltung von Nutztieren. Dies dürfen wir nicht einfach zulassen.“ Der CDU-Politiker hält für unglaubwürdig, dass das NLWKN über nicht genügend Personal verfüge, um eine Vorortberatung zum Herdenschutz durchzuführen.

„Die neuerlichen Vorfälle zeigen, wie wichtig es ist, den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen“, sagte der FDP-Landtagsabgeordnete Hermann Grupe. Die FDP-Fraktion habe bereits im März den Entwurf für eine Wolfsverordnung in die parlamentarische Beratung eingebracht. „Die Landesregierung hat keinerlei Lösung anzubieten. Es ist Minister Lies bisher nicht gelungen, auch nur einen einzigen Wolf zu besendern“, erklärte Grupe. Der Rodewalder Rüde sei auch noch nicht entnommen. „Die Wolfsübergriffe werden weiter zunehmen, wenn hier nicht endlich Einhalt geboten wird.“

Die Grünen forderten, dass das Land bei Wolfsrissen generell Entschädigung zahle, auch wenn möglicherweise kein ausreichender Herdenschutz vorhanden gewesen sei. „Der Tierhalter ist hier eindeutig Opfer und zu entschädigen“, sagte Grünen-Fraktionsvize Christian Meyer. „Parallel müssen die Fördermöglichkeit für Herdenschutz und Beratung deutlich verbessert werden.“ Dass das Land hier zuwenig Personal und keine Zeit für eine Vorortberatung habe, sei ein Unding. „Hier muss Minister Olaf Lies nicht nur große Reden schwingen, sondern konkret handeln“, sagte Meyer.

Von Thomas Oberdorfer, Tobias Morchner und Marco Seng

Blöd gelaufen: Hat sich ein Sportler einmal über die Marathon-Strecke gequält und wird am Ende wegen eines Fehlverhaltens disqualifiziert, war die Mühe umsonst. Auch wenn das zur Ausnahme zählt, können die Athleten gegen 13 Regeln verstoßen, die sie im Nachhinein vom Wettbewerb ausschließen. Eine Übersicht.

04.04.2019

Die neue Kosmetikerinnung für Hannover und Umland hat ihren Vorstand gewählt. Vorsitzende ist Kosmetikermeisterin Joanna Gramm, die die Gründung der Innung initiiert hatte.

04.04.2019

Im Autismus-Zentrum werden Kinder unterrichtet, die an anderen Schulen, Förder- wie Regelschule, oft nur schwer zurechtkommen. Auch hier bemüht man sich um Inklusion.

04.04.2019