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Stadt Hannover Bloß ein Foul oder schon gefährliche Körperverletzung?
Aus der Region Stadt Hannover Bloß ein Foul oder schon gefährliche Körperverletzung?
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18:23 07.11.2019
Berufungsverfahren vor dem Landgericht Hannover wegen gefährlicher Körperverletzung: Verteidiger Sven Schünemann mit dem Angeklagten. Quelle: Alina Stillahn
Hannover

Nur ein Foul oder schon eine gefährliche Körperverletzung? Darüber hatte das Amtsgericht in Hannover im Fall eines damals 24-Jährigen zu befinden. Es entschied: Der Mann hat sich strafbar gemacht. Deswegen wurde er zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 15 Euro, also 1350 Euro, verurteilt. Sowohl der junge Mann als auch die Staatsanwaltschaft legten gegen das Urteil Berufung ein. Im Berufungsverfahren vor dem Landgericht stellte sich die Situation jetzt nicht mehr so einfach dar.

Die Kernfrage blieb jedoch gleich: Hat der Angeklagte die Verletzung seines Gegenspielers billigend in Kauf genommen oder war er nur auf den Ball fokussiert? Und war das Foulspiel nicht mehr von den Fußballregeln gedeckt?

Konnte der Angeklagte den Ball noch erreichen?

Das sah zumindest das Amtsgericht Hannover als erwiesen an. Das Foulspiel habe jeden Bezug zum Ball verloren. Denn für den Angeklagten sei erkennbar gewesen, dass er den Ball nicht hätte erreichen können. Vergangenen November soll der Angeklagte einem ballführenden Außenstürmer von hinten und mit durchgestrecktem Bein und ausgestrecktem Fuß in die Beine gegrätscht haben. Dabei soll er den Geschädigten mittig am Unterschenkel seines Standbeines getroffen haben. Dieser erlitt einen Durchbruch des linken Waden- und Schienbeins. Das hatte nicht nur einen mehrtägigen Krankenhausaufenthalt, sondern auch acht Wochen Arbeitsunfähigkeit zur Folge.

„Ich habe eine Grätsche gemacht, um den Ball zu bekommen.“

Vor dem Landgericht wurde schnell klar: Der Ball schien doch nicht so weit entfernt gewesen zu sein, dass der Angeklagte ihn nicht hätte erreichen können. Der Angeklagte selbst beteuerte: „Ich habe eine Grätsche gemacht, um den Ball zu bekommen.“ Er bezeichnete das Manöver als ein Missgeschick – ein Foul mit wenig Glück. Auch der Schiedsrichter relativierte vor dem Landgericht seine damalige Aussage, das Foulspiel habe jeden Bezug zum Ball verloren. Das sei Fußballjargon. Tatsächlich habe er so ein Gefühl, dass der Ball relativ nah am Fuß des Gegenspielers war.

„Das war die einzige rote Karte, die ich meiner Schiedsrichterkarriere gegeben habe.“

Das bestätigten auch die weiteren Zeugen vor dem Landgericht. Dennoch war es für den Schiedsrichter ein klares Foul: „Das war, glaube ich, die einzige rote Karte, die ich meiner Schiedsrichterkarriere gegeben habe.“ Doch das Spiel sei ohnehin schon aufgeheizt gewesen. Man grätsche zwar üblicherweise mit einem angewinkelten Bein, aber auf Amateurniveau sei das Grätschen auch mit gestrecktem Bein immer wieder zu sehen.

Urteil kann sich für den Angeklagten sogar noch verschlechtern

Für die vorsitzende Richterin Jana Bader stellte sich die geschilderte Situation nach alledem weniger dramatisch dar, als es vor dem Amtsgericht den Anschein hatte. Trotzdem wies sie darauf hin, dass es sich um ein massives Foul mit schwerwiegenden Verletzungen handeln könnte, was nicht mehr den Regeln entspräche und wies auf die Möglichkeit der Einstellung des Verfahrens hin. Pech für den Angeklagten: Die Staatsanwaltschaft erklärte sich nicht dazu bereit.

Denn nicht nur der Angeklagte, sondern auch die Staatsanwaltschaft hatten Berufung gegen das Urteil des Amtsgerichts eingelegt. Die Staatsanwaltschaft war nicht damit einverstanden, dass der junge Mann nur wegen gefährlicher Körperverletzung im minderschweren Fall verurteilt worden war. Das bedeutet jedoch, dass das Urteil sich für den Angeklagten vor dem Landgericht auch noch verschlechtern könnte. Das hätte bei mehr als 90 Tagessätzen wiederum zur Folge, dass der bislang nicht vorbestrafte Angeklagte eine Eintragung ins Führungszeugnis bekommen würde.

Das Gerichtsverfahren wird am 28. November fortgesetzt. Dann werden wahrscheinlich die Plädoyers gehalten und das Urteil gesprochen.

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Von Alina Stillahn

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