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Stadt Hannover Projekt geplatzt – Gastronomen erstreiten Schadensersatz
Aus der Region Stadt Hannover Projekt geplatzt – Gastronomen erstreiten Schadensersatz
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09:00 21.03.2019
Derzeit wird am Hohen Ufer die Fußgängerzone in Richtung des Üstra-Gebäudes verlängert. In das Erdgeschoss des hellen Gebäudes wird bald das neue Restaurant einziehen. Quelle: Michael Zgoll
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Hannover

Nach zweijährigen Verhandlungen wähnten sich die Gastronomen Manuel Mauritz und Chi Trung Khuu schon fast am Ziel: Nach der Bar „Lucky Seven“ in der Raschplatz-Spielbank und der „Lieblingsbar“ am Herrenhäuser Markt wollten sie in der Altstadt das ganz große Rad drehen, wollten im Erdgeschoss der Luxusimmobilie Hohes Ufer 5a/5b ein Brauhaus mit gutbürgerlicher Küche einrichten. Doch dann, am 5. September 2018, erreichte sie – völlig überraschend – eine Mitteilung der Wohnungsbaugesellschaft Hanova: Die Verhandlungen um einen Mietvertrag seien beendet. Am Mittwoch trafen sich die ehemaligen Geschäftspartner vor dem Landgericht wieder. In einem Zivilverfahren wollten Mauritz und Khuu für die ihnen entstandenen Auslagen 13.800 Euro Schadensersatz erstreiten. Schließlich konnte die 11. Zivilkammer die Parteien zu einem Vergleich bewegen.

Die untere Etage der Luxusimmobilie Hohes Ufer 5a/5b haben sich die Betreiber der türkisch-kurdischen Restaurantkette bona'me gesichert. Quelle: Michael Zgoll

Statt eines Brauhauses wird in das Gebäude mit den ornamentverzierten Fensterrahmen nun die Kette bona’me mit türkisch-kurdischer Küche einziehen. Was genau Hanova bewog, den hannoverschen Gastronomen einen Korb zu geben, konnte in der Verhandlung nicht aufgeklärt werden – der maßgebliche Mitarbeiter des Wohnungsbauunternehmens fehlte wegen Krankheit. Doch warf die anderthalbstündige Sitzung ein Schlaglicht auf die Ellbogenmentalität in der Immobilienbranche.

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Die Vorsitzende Richterin Doris Schrader stellte frühzeitig klar, dass die Hürden, für ein geplatztes Geschäft Schadensersatz zugesprochen zu bekommen, sehr hoch liegen. Grundsätzlich herrsche in Deutschland Vertragsfreiheit, niemand könne gezwungen werden, mit einem anderen ein Geschäft abzuschließen. Nur zwei Umstände kämen im Streit um die Altstadt-Gastronomie möglicherweise zum Tragen, um einen Entschädigungsanspruch zu begründen: Wenn Mauritz und Khuu fest darauf vertrauen durften, den gewünschten Mietvertrag zu bekommen, oder wenn die Verhandlungen ohne triftigen Grund abgebrochen wurden.

Dritte ausgeschlossen?

Für das Gericht begann die juristisch bedeutsame Phase der 2016 gestarteten Gespräche zwischen Hanova und den beiden Gastronomen im Juli 2017. Zu diesem Zeitpunkt teilte das Wohnungsbauunternehmen den Brauhaus-Interessenten mit, Mietanfragen Dritter nicht weiter zu verfolgen. „Das ist eine eindeutige Aussage“, befand Richterin Schrader. Anschließend wurden die Verhandlungen länger als ein Jahr fortgesetzt, es gab Gerangel um den Mietpreis (der schließlich um die 18 Euro pro Quadratmeter pendelte), es ging um mietfreie Monate in der Startphase sowie die Finanzierung von Fußboden und Lüftung. „Ich dachte, wir wären uns handelseinig, aber dann haben wir monatelang auf die Baubeschreibung gewartet und wurden immer wieder vertröstet“, schilderte Gastronom Khuu vor Gericht.

Die Kammer machte keinen Hehl daraus, dass der Verhandlungsabbruch im September 2018 auch aus ihrer Sicht überraschend erfolgt sei – und Hanova liefere trotz aller Aufforderungen keine brauchbaren Erklärungen für dieses Vorgehen. Deren Anwalt Mathias Lauenroth ließ sich lediglich zu einer Spekulation verleiten, natürlich ganz allgemein gehalten: „Ein triftiger Grund, um Verhandlungen abzubrechen, kann nach allgemeiner Rechtsprechung auch das bessere Angebot eines Dritten sein.“

Am Ende stimmten beide Seiten dem Vergleichsvorschlag des Gerichts zu, der den klagenden Gastronomen 25 Prozent der geforderten Summe zubilligt. Diese 3500 Euro dürften Hanova nicht weh tun – und Mauritz und Khuu nur einen Bruchteil des Zeitaufwands und der Planungskosten ersetzen, die sie in das geplatzte Projekt am Hohen Ufer investiert haben.

Schauküche am Hohen Ufer

Das markante Gebäude zwischen Marstall und Leine, das mit seinen messingfarbenen Ornament-Fensterrahmen ein Hingucker ist, hat sich das Wohnungsbauunternehmen Hanova 18 Millionen Euro kosten lassen. Die 25 Appartements in dem fünfgeschossigen Gebäude kosten monatlich zwischen 11 und 17 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter; für eine knapp 200 Quadratmeter große Wohnung werden somit um die 3300 Euro Monatsmiete fällig. Am Hohen Ufer wird – voraussichtlich im Mai – die Kette bona’me mit türkisch-kurdischer Küche ihre erste Dependance in Niedersachsen eröffnen. Bislang betreiben die Geschwister Dogan vier Filialen in Köln, Aachen und Hamburg. Zum bona’me-Konzept gehören die Essensbestellung beim Betreten des Restaurants, eine Bonausgabe mit Rufgerät, das Zubereiten der Speisen in einer Schauküche sowie das Bezahlen beim Verlassen des Lokals. Es wird drinnen wie draußen Sitzplätze geben.

Von Michael Zgoll