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Stadt Hannover Lebenretten um die Wette
Aus der Region Stadt Hannover Lebenretten um die Wette
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00:15 09.02.2015
Unter den Augen von Wilfried Wesemann zeigen Laura (13, von links), Jeremy (14), Connor (14) und Hannes (17) von der IGS Roderbruch eine Herz-Lungen-Wiederbelebung. Quelle: Philipp von Ditfurth
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Hannover

Olivia blutet, ein Stück Knochen ragt aus ihrem Unterarm - die Wunde der 15-Jährigen wirkt täuschend echt. Sie sei beim Turnen vom Barren gestürzt, berichtet sie den Schulsanitätern Jan (12), Stephanie-Vanessa (17), Marc-René (17) und Noah (14). Die vier wissen genau, was jetzt zu tun ist: Während einer den Notarzt ruft, beruhigen die anderen ihre Patientin und verbinden die Wunde. Die Sanitäter der Leine-Schule Neustadt gehören zu 310 Schülern aus der Region, die gestern ihre Erste-Hilfe-Kenntnisse in der IGS Roderbruch beim Wettbewerb der Schulsanitäter unter Beweis gestellt haben.

„Einen offenen Bruch hatten wir bisher zum Glück noch nie, aber normale Brüche und blutige Schnittwunden kommen schon öfter vor“, sagt Marc-René. Der Zehntklässler ist einer von 120 Sanitätern an seiner Schule. „Am schlimmsten sind Verletzungen, bei denen die Situation unklar ist“, sagt er. „Und natürlich Leute, die unter Schock stehen und sich nicht helfen lassen.“ Doch nach einer Weile wisse man, wie man mit jeder Situation umzugehen hat.

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Die Übungen wirken realistisch - dazu gehört auch, dass sich nicht alle Patienten so ganz ohne Probleme behandeln lassen. Eine der schwierigen Patienten ist Theresa Seffers, die sich mit kochendem Wasser verbrüht hat. „Ich halte mir vor jeder Gruppe Zwiebeln unter die Augen, damit ich verheult aussehe“, sagt die 18-Jährige. Als die Gruppe vom Gymnasium Burgdorf den Raum betritt, wird ihnen schnell klar, dass sie es mit Seffers nicht leicht haben: „Geht wen anderes anglotzen, wenn ihr hier nur dumm rumsteht“, schreit sie die Jugendlichen an. Immer wieder versuchen Sandy (13), Julia (13), Julian (16), Julian (12) und Fabienne (13) ihre Patientin zu beruhigen, und immer wieder flüchtet Seffers vor ihnen. „Bitte, wir können dir nur helfen, wenn du mal stehen bleibst“, redet Julia auf sie ein - ohne Erfolg. Nach einer ganzen Weile schafft es die Gruppe dann doch, Seffers zu beruhigen und sie zu behandeln. „Das war echt kompliziert, weil sie sich die ganze Zeit gewehrt hat“, sagt Julian (16) nach der Station. „Wir konnten ihr gar nicht richtig helfen.“ Dennoch sind die Schüler zufrieden mit ihrer Leistung.

Der regionsweite Wettbewerb wird bereits zum dritten Mal in Hannover ausgerichtet. Austragungsort war dieses Mal die IGS Roderbruch, wo vor 20 Jahren die erste Schulsanitätsdienstgruppe in Hannover gegründet wurde. „Uns ist ganz wichtig, dass dies kein Wettkampf ist. Die Schüler sollen sehen, auf welchem Stand ihre Erste-Hilfe-Kenntnisse sind und was sie verbessern können“, betont Organisator Benjamin Schiller vom Jugendrotkreuz. Außerdem soll ihnen die Angst vorm Ernstfall genommen werden. „Die Jugendlichen kriegen mit, dass jeder mal Fehler macht - die mache ich selbst nach 44 Jahren noch“, sagt Prüfer Wilfried Wesemann.

Mit 310 Sanitätern hat sich die Teilnehmerzahl im Vergleich zum vergangenen Jahr in etwa verdoppelt. „Rund zehn Prozent aller 2600 Schulsanitäter der 53 teilnehmenden Schulen sind heute hergekommen“, freut sich Clemens Kühn vom Jugendrotkreuz. Je nachdem, wie lange die Schüler im Sanitätsdienst sind, sind sie in Anfänger und Profis unterteilt und müssen unterschiedlich schwere Aufgaben meistern. Jede der 43 Gruppen durchläuft fünf unterschiedliche Stationen von der Kopfplatzwunde bis zur Herz-Lungen-Wiederbelebung.

Bei den Anfänger hat es in diesem Jahr die Johannes-Kepler-Realschule aus Ricklingen auf den ersten Platz geschafft, knapp gefolgt von den Schülern vom Kurt-Schwitters-Gymnasium aus Misburg. Über den dritten Platz konnte sich die Gruppe von der Ludwig-Windthorst-Schule aus der Südstadt freuen. Bei den Profis setzte sich die Gruppe der KGS Hemmingen durch, dicht gefolgt von den Schülern der Leine-Schule Neustadt und der Realschule Isernhagen.

Andreas Schinkel 09.02.2015
Bernd Haase 06.02.2015