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Stadt Hannover Kritik am Maschseefest – HAZ-Leser diskutieren mit
Aus der Region Stadt Hannover Kritik am Maschseefest – HAZ-Leser diskutieren mit
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18:11 27.07.2019
Bald beginnt das Maschseefest – nicht jeder begrüßt das. Quelle: Rainer Dröse.
Hannover

Unter Hannovers Ratspolitikern ist eine Debatte um das Maschseefest entbrannt. Anlass ist die Kritik von Sprengel-Museumsdirektor Reinhard Spieler, Essbuden verschandelten die Kunstwerke am Maschsee. Aber es geht auch um die Frage, ob die Interessen von Anwohnern, Sportlern und Spaziergängern genügend berücksichtigt werden. Viele HAZ-Leser haben sich am Wochenende mit Leserbriefen an der Diskussion beteiligt. Eine Auswahl:

Straßen sonntags und zum Maschseefest sperren

Zunächst: Ja, das Maschseefest hat auch meiner Meinung nach inzwischen das Schützenfest als wichtigste Veranstaltung Hannovers abgelöst. Warum? Weil es nicht nur um Party und Getöse geht, sondern man am Maschsee sowohl feiern, als auch (im Vergleich zum Schützenfest) niveauvoll schlemmen und See, Stimmung und Abend genießen kann. Es ist also für jeden Geschmack etwas dabei und kaum irgendwo lässt sich ein Sommerabend so sehr genießen wie am See während des Maschseefests – ein bisschen Urlaub im Alltag mitten in Hannover. Wo sonst gibt es das?

In der aktuellen Diskussion mache ich aber vor allem zwei Probleme aus: Einerseits den überall bestehenden Drang nach noch größer, noch exklusiver und vor allem noch ertragreicher. Um den Umsatz noch weiter zu steigern, werden nun auch noch die Kunstwerke von den immer größer werdenden Buden, Ständen, Biergärten eingebaut. Da ist weniger mehr – wie reizvoll wäre es, diese Objekte, an denen man im Alltag oft einfach vorbei läuft, besonders in Szene zu setzen und auf sie aufmerksam zu machen? Etwas kleiner, dafür aber noch stil- und niveauvoller, das wünsche ich mir als Hannoveraner.

Das zweite Problem ist die Scheu der Verantwortlichen, endlich mal klar Stellung zu beziehen zum Maschsee und seinen Qualitäten als „Naherholungsgebiet“. Dazu gehört für mich die Sperrung der Straßen rund um den Maschsee an Sonntagen und zum Maschseefest. Immer noch wird hier mit Uraltargumenten der Autoverkehr verteidigt. Dabei stört und nervt der nur. Frei Parken und ein Shuttleverkehr zwischen Schützenplatz und Maschsee. Oder die so oft diskutierten E-Leih-Roller wären eine Lösung: Niemand muss einen Parkplatz suchen, niemand muss zu Fuß laufen.

Schneidet die alten Zöpfe ab und macht endlich mal was Neues, Mutiges und Kreatives – wenn die Veränderung erst einmal da ist, wird sie auch schnell akzeptiert und niemand muss mehr über die Länge des Festes oder die leidige Parkplatzsituation diskutieren. Am Ende freuen sich alle darüber, ein schönes Fest an einem der schönsten Orte Hannovers feiern zu können. Christian Fleer aus Hannover zum Kommentar „Ist es zu viel der Feierei?“

Auslöser für die Kritik war dieser Anblick des „Menschenpaares“: Die Skulptur steht nackt und kopflos in einem Lokal. Quelle: privat

Behinderungen schon Wochen vor dem Fest

Als Bewohner in der Südstadt stelle ich fest dass das ganze Fest inklusive der langen Aufbauzeit unverhältnismäßig ausgeufert ist. Schon Wochen vor dem Fest zeigt sich der Maschsee Besucher- und Touristenunfreundlich. Die Bänke werden abgebaut, Sitzgelegenheiten Fehlanzeige. Palettenflächen machen ein Durchkommen für Behinderte, Rollstuhlfahrer und Radfahrer unmöglich. Große Aufbaufahrzeuge fahren Flächen und Wege kaputt. Im Anschluss folgt dann mit der Eröffnung Halligalli und nur noch „Fress-und Saufbuden“. Das Maschseefest der ersten Zeit war noch geprägt von Bürgernähe und kleinen Kunsthandwerkerständen. Das ist Vergangenheit. Alles ist aus „dem Ruder“ gelaufen. Ernst Fischer aus
Hannover zum Artikel Halligalli ohne Rücksicht?“

Nächtlicher Lärm ist kein positiver Stadtfaktor

50 Prozent der Teilnehmer an der HAZ-Abstimmung sind der Ansicht, dass nächtlicher Lärm, Abgasgestank, bepinkelte Vorgärten und Scherbenteppiche ein positiver Stadtfaktor sind? Ich halte jede Wette, dass selbst diese Befürworter des Remmidemmis lautstarken Protest anmelden würden, wenn sich fast drei Wochen lang Partygäste vor ihrer Haustür zuprosten, Discobässe ihren Balkon beschallen und Blechlawinen sich hupend durch ihre eigene Wohnstraße quälen würden, um dann Kreuzungen, Bürgersteige, Fahrradwege und Feuerwehreinfahrten zuzuparken. Vielleicht sollte die Stadt mal einen großflächigen Wohnungstausch organisieren, damit die Maschseefest-Freunde dichter dran sind an ihrem Sehnsuchtsort? Rudi Zimmeck aus Hannover mit Bezug auf die Online-Umfrage auf HAZ.de

Totale Kommerzialisierung steht im Mittelpunkt

Seitdem Herr Nolte als Cheforganisator das geliebte Maschseefest übernommen hat, geht es hier ausschließlich um die totale Kommerzialisierung. Jeder Quadratmeter soll gewinnbringend vermarktet werden mit dem Ziel, sich Norddeutschlands größte Sause nennen zu dürfen. Da werden Bedenken der Anwohner oder irgendwelche Kunst für die Herr Nolte nichts übrig hat mal eben abgetan. Und die Politik kümmert es nicht. Man will schließlich kein Spielverderber sein. Martin Lieser aus Hannover zum Artikel „Kunst verschandelt? Maschseefest-Stände verdecken Skulpturen“

Dicht umringt von Aufbauten: der „Hellebardier“. Quelle: privat

Kann der Kritik nur zustimmen

Der Kritik des Direktors des Sprengel-Museums, der von einer „Respektosigkeit sondergleichen“ spricht, kann ich nur zustimmen. Für mich ist der Umgang mit den Kunstwerken ein weiteres Beispiel dafür, dass für das von Jahr zu Jahr immer größer werdende Maschseefest nur eines zählt – Kommerz, Kommerz und Kommerz. Wolfgang Froch aus Hannover zum Artikel „Kunst verschandelt? Maschseefest-Stände verdecken Skulpturen“

Wenn der öffentliche Raum verliert, verliert auch die soziale Stadt

Vorab ist es dem Sprengel-Museum hoch anzurechnen, hier fassungslos zu sein. Wer demnächst von außen nach Hannover kommt oder einfach nur die Kunst schätzt, die diese Stadt eigentlich zu bieten hat, um dann am Maschsee – unter einem Holzdach sitzend – die „geköpften“ Statuen von Kolbe oder den von Kübeln und Buden zugestellten öffentlichen Raum bei Calder zu sehen, sollte sich abwenden oder besser den Ort verlassen. Es ist schlichtweg eine Schande, und zwar nicht nur für die Kunst, sondern auch für die Stadt Hannover , die diesen respektlosen Umgang mit den Kunstwerken nicht nur zugelassen hat, sondern sogar den Anspruch stellt, Kulturhauptstadt werden zu wollen. Diese Bilder werden nun Gott sei Dank um die Welt gehen.

Wenn der öffentliche Raum, den die Kunst nun mal braucht, um uns zu zeigen, dass es um mehr geht als um Mindestabstände oder um noch mehr Platz für Pommesbuden, seinen Stellenwert verliert, verliert auch eine soziale Stadt. Hannover ist im Vergleich zu vielen Städten eigentlich eine liebenswerte und auch schöne Stadt, viel Grün, lebendig, fröhliche Menschen, die das Understatement dieser Stadt sehr hoch schätzen – aber leider indifferent und wohl auch zu schwach, um ihre Werte gegenüber Kneipiers und noch mehr Pommesbuden zu verteidigen.

Oskar Negt, auch ein Bürger dieser Stadt, hat nun am gleichen Tag und in der gleichen Zeitung, wenn auch aus einer anderen Richtung kommend, uns und der Stadt Hannover mit dem Umgang von Kunst den Spiegel vorgehalten.

Das Einzige, was wir momentan tun können – ist warten, ob die Stadt es schafft, sich für die Kunst am Maschsee durchzusetzen – und solange fremdschämen. Wolfgang Gabriel aus Flensburg
und Hannover zum Artikel „Kunst verschandelt? Maschseefest-Stände verdecken Skulpturen“

Warum müssen Intelektuelle alles infrage stellen?

Warum müssen sogenannte Intelektuelle alles infrage stellen? Das Maschseefest hat eine begrenzte Dauer. Wenn die „Kunst“ am Maschsee – zum Beispiel der „Hellebardier“ (für mich ein Schrotthaufen) – von Buden verdeckt wird, tut es meinen Augen gut. Ignoranz gegenüber Kunst ist das grottenhässliche Sprengel-Museum. Nicht jeder Mist ist Kunst. Ernst Tegtmeier aus Hannover zum Artikel „Kunst verschandelt? Maschseefest-Stände verdecken Skulpturen“

(Hinweis: Veröffentlichungen in dieser Rubrik sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Damit möglichst viele Leser zu Wort kommen, müssen wir Leserbriefe gelegentlich kürzen. Bei allen Einsendungen bitten wir um Angabe der vollständigen Absenderadresse. Geben auch Sie einen Leserbrief ab!)

Von red

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