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Stadt Hannover Gisela Friedrichsen lobt NSU-Prozess als Erfolg für den Rechtsstaat
Aus der Region Stadt Hannover Gisela Friedrichsen lobt NSU-Prozess als Erfolg für den Rechtsstaat
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10:00 12.09.2019
Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen (l.) beantwortete die Fragen von Moderatorin Margarete von Schwarzkopf im Literaturhaus. Quelle: Michael Zgoll
Hannover

Eins ist Gisela Friedrichsen sicher nicht: Everybody’s Darling. Bei ihrer Lesung im Literaturhaus, die doch eher eine Erzählstunde ist, erweist sich Deutschlands bekannteste Gerichtsreporterin als meinungsfreudige, kenntnisreiche Journalistin. Es gibt gute Gründe, warum sie nach fünf Jahren Berichterstattung über den NSU-Mordprozess um die Rechtsterroristin Beate Zschäpe und ihre vier Mitangeklagten ein 300 Seiten langes Buch geschrieben hat. Doch wirkt die 74-Jährige während der gut anderthalb Stunden dauernden Befragung durch Moderatorin Margarete von Schwarzkopf immer distanziert, kontrolliert, ja spröde. Einem Menschen, der sich derart distinguiert gebärdet, fliegen die Herzen nicht zu. Aber das müssen sie ja auch nicht.

Ermüdende Verfahrensdauer

Friedrichsen macht keinen Hehl daraus, was sie von dem Mammutprozess am Münchner Oberlandesgericht hält: sehr viel. Für die Frau, die Jahrzehnte für die „Frankfurter Allgemeine“, den „Spiegel“ und jetzt die „Welt“ als Prozessberichterstatterin unterwegs war,ist das Verfahren um die Terrorgruppe des Nationalsozialistischen Untergrunds ein Musterbeispiel dafür, wie gut der deutsche Rechtsstaat funktioniert. Trotz oder vielleicht gerade wegen der ermüdend langen Verfahrensdauer.

Dass die Ermittler erst nach Jahren auf die Zusammenhänge zwischen den neun Morden an Migranten, dem Polizistinnenmord, den 15 Raubüberfällen und den zwei Sprengstoffanschlägen gestoßen seien, so Friedrichsen, habe nichts mit einem Negieren politischer Gewalt von rechts und institutionellem Rassismus zu tun. Sondern mit der „perfiden und durchdachten Strategie“ der Neonazis Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe sowie einem Totalversagen des Verfassungsschutzes.

Ein Lob für den Richter

Nicht unbescheiden hat Friedrichsen ihr Buch „Der Prozess“ genannt. Kafkaesk mutete ja tatsächlich so mancher der 438 Verhandlungstage an, und ein Verfahren mit 95 Nebenklägern, 14 Verteidigern, 600 Zeugen und Sachverständigen sowie Kosten von gut 30 Millionen Euro darf man getrost als „Der Prozess“ bezeichnen. Ein Loblied singt die Journalistin auf den Vorsitzenden Richter Manfred Götzl. Man müsse ihn ja nicht mögen, doch habe dieser Mann mit unendlicher Geduld und Akribie die hohe Kunst der Prozessführung zelebriert.

Gar nicht gut zu sprechen ist die 74-Jährige hingegen auf „den Chor“ der 60 Nebenkläger-Anwälte, die erheblich zur Verlängerung des Prozesses beigetragen hätten und von denen sich manche über die Jahre schamlos auf Kosten des Staates bereichert hätten. „Warum müssen für ein einziges Opfer neun Verwandte als Nebenkläger und mit ihnen neun Anwälte auftreten?“, lautet ihre rhetorische Frage. Allzu viele dieser Juristen hätten ihr eigenes Süppchen gekocht, manchmal gar auf Kosten ihrer Mandanten.

Prozess war kein Weckruf

Die 15 Minuten, die Friedrichsen aus ihrem Buch vorträgt, sind keine Sternstunden der Vorlesekunst. Viel lebendiger wirkt ihre Rede, wenn sie Geschichtchen aus dem Gerichtssaal erzählt. Oder das große Ganze ex cathedra kommentiert. Als bitter empfindet es die renommierte Reportagenschreiberin, dass der NSU-Prozess keine Weckruf-Funktion hatte, dass die politische Rechte und die Rechtsextremen in den vergangenen Jahren immer weiter erstarkt sind. Als sie ihr Buch fertiggestellt habe, erzählt die Mutter zweier Kinder, sei zwar eine große Last von ihr gefallen. Doch inzwischen habe sie schon wieder manch neuen, aufregenden Prozess beobachtet. Besonders gespannt ist sie, ob im anstehenden Verfahren um den Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke Querverbindungen des mutmaßlichen Täters zum NSU-Umfeld aufgedeckt werden.

„Dieses Buch schreit nach einer Verfilmung“, lautet das Fazit der Moderatorin von Schwarzkopf. Doch ihrem Angebot, das 300-Seiten-Werk zu kaufen und von Gisela Friedrichsen signieren zu lassen, folgen nur fünf von rund 80 Zuhörern im Künstlerhaus. Lehrreich war dieser Abend sicherlich – doch so richtig warm wurden die Gerichtsreporterin und ihr Publikum denn doch nicht miteinander.

Von Michael Zgoll

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