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Stadt Hannover Dirk Roßmann besucht seine alte Schule
Aus der Region Stadt Hannover Dirk Roßmann besucht seine alte Schule
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19:54 02.05.2019
„Geben Sie nie zu früh auf: Unternehmer Dirk Roßmann liest in seiner alten Schule, der BBS 11, aus seiner Autobiografie und gibt den Schülern Tipps. Quelle: Christian Behrens
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Auch nach 58 Jahren ist das Gefühl immer noch da – der Respekt vor Schule. Der Unternehmer Dirk Roßmann ist zurückgekehrt an die Schule, an der er zwischen 1961 und 1964 seinen Berufschulabschluss als Drogist gemacht hat. Er sei nie gern zur Schule gegangen, erzählt der Unternehmer den rund 500 Schülern in der voll besetzten Aula der Berufsbildenden Schule 11. „Schule war nicht so mein Ding.“ Wobei die Zeit an der Berufsschule schon okay gewesen sei, wie der heute 72-Jährige sagt.

Zu dumm für die Mittelschule?

Die schlechten Erinnerungen stammen von früher. Von der Volksschule, von der Mittelschule, der Werner-von-Siemens-Schule, die er schon nach einem halben Jahr auf Anraten seines Lehrers wieder verlassen hatte. Der Junge sei einfach nicht gescheit genug für diese Schulform, habe der Lehrer damals seiner Mutter gesagt, berichtet Roßmann. „Heute führe ich ein Unternehmen mit 56.000 Mitarbeitern und mache fast zehn Milliarden Euro Umsatz im Jahr.“ Das würde er seinem Lehrer gern mal ins Gesicht sagen, fügt der „Drogeriekönig“ hinzu. Die Schüler applaudieren lang und anhaltend.

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Heute Unternehmer mit 56.000 Mitarbeitern

Es sei schon richtig, dass seine Leistungen in der Schule früher „sauschlecht“ gewesen seien, sagt Roßmann. Ein Tipp hat er an die Jugendlichen: „Lernt richtig Englisch, das braucht man, wenn man ins Ausland reist.“ Ein bisschen Rechnen zu können, sei auch gut, meint er. Noch wichtiger aber sei: „Geben Sie nie zu früh auf“, rät er den Jugendlichen, „es ist fast alles möglich, wenn man kein Erfolg hat oder es Gegenwind gibt, dann kein Bock mehr zu haben, das geht nicht“, stellt er klar. Seine Frau, mit der er seit 37 Jahren verheiratet sei, sage immer: „Wenn sich dich vorn rausschmeißen, musst du von hinten wieder reingehen.“ Auch sein Unternehmen habe in den neunziger Jahren vor der Insolvenz gestanden, dann sei es irgendwann wieder aufwärtsgegangen, erzählt Roßmann.

Schulleiter Dieter Klinger (re.) zeigt Dirk Roßmann ein Bild seiner früheren Klasse. Quelle: Christian Behrens

Schulleiter Dieter Klinger (63) hat ein altes Foto von Roßmanns Abschlussklasse mitgebracht. Der 72-Jährige erkennt sich zunächst nicht, muss eine Mitschülerin von damals, Isolde Sommermeier (75), die damals noch den Nachnamen Tobschall trug, fragen. Ohne zu zögern, zeigt die alte Dame auf einen jungen Mann mit vollem Haar und Krawatte, der in der ersten Reihe sitzt: „Mit Krawatte?“, wundert sich R0ßmann, „das geht ja gar nicht.“

„Geld, um frei zu sein“

Dass man in der Schule fürs Leben lerne, sei Quatsch. Lernen müsse man sein Leben lang, sagt der Unternehmer, nicht nur in der Schule. Menschen sollten sich für die Welt interessieren, in der sie lebten.

Roßmann liest aus seinem Buch „ ... und dann bin ich auf den Baum geklettert.“ „Als ich zur Welt kam, lag diese in Trümmern“, sagt er. Im September 1946 wurde Dirk Roßmann geboren, der Zweite Weltkrieg war erst im Mai 1945 beendet worden. Seine Mutter Hilde gehörte zu den ersten Frauen, die in Hannover den Führerschein machten. Die Familie mütterlicherseits hatte ein Pelzgeschäft, das war Großbürgertum, die Familie seines Vaters war ärmer, Kaufleute aus einfachen Verhältnissen. Geld sei in seiner Kindheit immer knapp gewesen. Um so wichtiger sei es ihm schon als kleiner Junge gewesen, Geld zu besitzen, nicht zum Horten wie Dagobert Duck, sondern zum Ausgeben, um sich aus den Abhängigkeiten zu befreien: „Ich wollte nie Befehlsempfänger sein.“ Ihm sei klar geworden, dass er selbstständig sein wollte. „Der Mensch braucht Geld, um fei zu sein.“  

Von Saskia Döhner

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