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Stadt Hannover Kindermuseum Zinnober feiert fünfjährigen Geburtstag
Aus der Region Stadt Hannover Kindermuseum Zinnober feiert fünfjährigen Geburtstag
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00:15 06.05.2019
Ali Asadbeck, Regine Niekamp, Renate Dittscheidt-Bartolosch und Yvonne Zein-Wildboer (Bild von links nach rechts). Foto:Villegas Quelle: Villegas
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Linden-Mitte

Es regnet in Strömen. Wer allerdings denkt, das hielte Eltern und Kinder vom Besuch des Festes im Kindermuseum Zinnober ab, der irrt. In einer langen Schlange haben sie sich trotz des miesen Wetters an der Treppe zum Eingang im ersten Stock aufgestellt und warten – obwohl nur jemand hinein darf, wenn jemand anderes hinausgeht. Drinnen ist es proppenvoll. Nach Angaben der Veranstalter haben sich zwischenzeitlich rund 250 kleine und große Besucher versammelt.

Start ohne jede Förderung

Es ist Jubiläumstag: Das Kindermuseum Zinnober feiert sein fünfjähriges Bestehen – und damit eine echte kleine Erfolgsgeschichte. Seit den Anfängen dieses Jahrtausends suchte der Verein Zinnober passende Räume und machte sich, als das nicht klappte, zunächst mit mobilen Ausstellungen einen Namen. Am 27. April 2014 aber, nachdem endlich die Räume in der Badenstedter Straße 48 gefunden waren, eröffnete der Verein, zunächst ohne jede Förderung. „Wir sind einfach nur mit dem Credo ,Wir schaffen das’ gestartet“, sagt die ehrenamtliche Geschäftsführerin Renate Dittscheidt-Bartolosch. Die frühere Museumspädagogin hatte ihre Liebe zu Kindermuseen bei einem Besuch in den USA 1978 entdeckt: „Seitdem hat mich die Idee, so etwas selbst zu machen, nie mehr losgelassen“.

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Zehn Ausstellungen hat der Verein seitdem initiiert. Dazu zählt etwa „Von mir zu Dir“, eine Ausstellung über analoge Kommunikation mit alten Wahlscheibentelefonen und einer Rohrpost durchs ganze Haus. Oder „Schaffe, schaffe, schöne Werke“, eine Schau zu Handwerkern in Linden, speziell aus der alten Webertradition.

2015 bekam der Verein laut Dittscheidt-Bartolosch die erste halbe Stelle finanziert. Seit 2017 wird er von der Stadt mit 10 000 Euro jährlich gefördert, von der Region gibt es eine auf drei Jahre begrenzte Förderung von 22 000 Euro jährlich dazu. Das ambitionierteste Projekt: Man will sich erweitern, ein leerstehendes Gebäude der Firma Gundlach in der Nähe ist derzeit im Gespräch.

Schirmherr Ingo Siegner liest

Wie viel Spaß Kindern der Spaziergang durch das etwas andere Museum macht, ist am Jubiläumstag unschwer zu erkennen. Während der Autor (und Schirmherr) Ingo Siegner Geschichten vom Drachen Kokosnuss vorträgt, baut der sechsjährige Julian Rosenthal selbstvergessen mit einem großen Spielkran im Raum nebenan an einem Riesenhochhaus aus Pappe. Es steht ihm ins Gesicht geschrieben, mit wie viel Hingabe er an diesem Tag den Bauarbeiter gibt. Ein zweiter Raum ist ganz dem Thema Stadt gewidmet. Es ist der letzte Tag der Ausstellung: „Platz da! Kinder machen Stadt“. Sogenannte städtische Unorte, Baustellen beispielsweise, zieren hier die Wände. Man kann malen oder mit einem überdimensionalen Stadtplan spielen.

Mitmachen ist erwünscht

Nick (6) und Nele (3) zeichnen ein Haus. „Sonst stören Kinder in Museen eher. Ich finde sehr schön, dass sie im Kindermuseum so willkommen sind“, sagt Mutter Sonja Royer (38). Svetlana Fink war schon oft mit den Söhnen Alex (10) und Daniel (6) im Kindermuseum Zinnober zu Besuch. Sie genießt am meisten, dass die Kinder sich so frei in den Museumsräumen bewegen können. Nirgendwo, gebe es Verbote, etwas anzufassen, lobt sie.

Zinnober-Chefin Renate Dittscheidt-Bartolosch ist am wichtigsten, dass Mitmach- und Spielangebote für die Kinder in den Ausstellungen nicht vorgegeben werden. „Kinder sollen selbst bestimmen können, was sie spielen“, erklärt die 74-Jährige. „Dafür gibt es heutzutage offenbar großen Bedarf.“

Das Kindermuseum ist montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr sowie sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Informationen unter www.kindermuseum-hannover.de.

Von Jutta Rinas