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Stadt Hannover „Lüttje Lage“: Der verknackste Zeh
Aus der Region Stadt Hannover „Lüttje Lage“: Der verknackste Zeh
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16:55 26.10.2018
Mathias Klein Mathias Klein Quelle: HAZ
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Hannover

Sehr geehrte Krankenkasse,

trotz allem, vielen Dank für Ihren Brief. Wir haben sehr gelacht. Schön, dass Sie sich mit einer solch schlichten Sache wie einem Brief um unseren Gemütszustand kümmern. Vor allem in diesen Tagen, wo die Welt doch ziemlich grau und düster und herbstlich geworden ist. Das nenne ich echte Fürsorge von ihnen. Das alles dachte ich jedenfalls zunächst. Und ich sagte noch zu meiner Frau, wir haben bei der Wahl der Krankenkasse alles richtig gemacht.

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Ärzte empfehlen ja, dass man sich mindestens einmal pro Tag richtig freuen soll. Das haben Sie mit ihren Zeilen richtig gut geschafft. Und das nicht nur bei uns. Auch Nachbarn und Freunde haben sich köstlich amüsiert. Was will man als Krankenkasse, die sich um die Gesundheit ihrer Mitglieder sorgt, sonst noch erreichen. Natürlich habe ich auch gleich für sie geworben.

Aber als dann das zweite Schreiben kam, da haben wir nicht mehr gelacht. Meine Frau solle jetzt endlich den oder die Verantwortliche für den verknacksten großen Zeh des linken Fußes benennen. Das war ungefähr auch der Inhalt des ersten Schreibens. Aber jetzt gab es eine Frist, bis zu der geantwortet werden sollte.

Also, kein Scherz, keine Hilfe für unseren Gemütszustand, keine Fürsorge Ihrerseits. Sie suchen nur jemanden, dem sie die durch den verknacksten Zeh entstandenen Arztkosten aufbürden können. Es geht übrigens um rund 36 Euro. Vermutlich haben ihre beiden Briefe mehr gekostet. Wenn sie das Geld eintreiben wollen, müssen sie sich an die Badezimmertür wenden, oben im Flur gleich die erste links. Die stand nämlich dem Zeh im Weg.

Freundliche Grüße

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Von Mathias Klein