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Stadt Hannover 42 Verletzungen nach Prügelorgie mit Gürtel
Aus der Region Stadt Hannover 42 Verletzungen nach Prügelorgie mit Gürtel
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13:57 20.12.2016
Von Michael Zgoll
Am Montag wirkte Tarkan B. (r.) ganz friedlich – doch unter Alkoholeinfluss ist der 44-Jährige offenbar schon häufig ausgerastet. Quelle: Katrin Kutter
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Hannover

Dass sich Tarkan B. mit seiner Lebensgefährtin lauthals stritt, war nicht ungewöhnlich, auch wurde er gelegentlich gewalttätig. So musste die Polizei aufgrund von Beschwerden aus der Nachbarschaft oft ausrücken, um das meist alkoholisierte Paar zur Raison zu bringen. Doch was am 20. Juni dieses Jahres in der nördlichen List passierte, überstieg alles bislang Dagewesene. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 44-Jährigen vor, seine Freundin brutal mit Gürtel und Gepäckspanner verprügelt zu haben. Die Frau fürchtete um ihr Leben, später stellte die Rechtsmedizin am Körper der Frau 42 Verletzungen fest. Seit Montag muss sich B. vor dem Landgericht wegen vierfacher gefährlicher Körperverletzung, Bedrohung und Sachbeschädigung verantworten.

Als „demütigend und äußerst schmerzhaft“ bezeichnete Stefan Joseph, Vorsitzender der 19. Großen Strafkammer, die Prügelorgie des 44-Jährigen im Juni. Dieser schlug mit dem gefalteten Gürtel so stark auf die Frau ein, dass die Gürtelschnalle abbrach. Striemen, blauen Flecke und Schürfwunden fanden sich schließlich auf ihrem ganzen Körper. Hinzu kommen noch weitere Gewalttaten: Im Februar dieses Jahres zog B. seiner Lebensgefährtin nahe der Stadtbahnhaltestelle Spannhagengarten eine Holzlatte über den Schädel, im Mai malträtierte er sie in der Klopstockstraße mit Faust, Fußtritt und Messer. Einem Bekannten, dem er Geld schuldete, trat der massige Mann seinen Motorroller um und schlug ihm mit einer vollen Bierflasche auf den Hinterkopf sowie ins Gesicht.

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Bei nahezu allen Gewaltausbrüchen war Tarkan B. betrunken, hatte jeweils mehr als zwei Promille Alkohol im Blut. Auch seine Lebensgefährtin pflegte offenbar ein enges Verhältnis zur Flasche. Verteidiger Urs Kobler räumte die Tatvorwürfe namens seines Mandanten ein, sagte aber, dass sich B. aufgrund seiner Trunkenheit an den Tattagen nicht mehr an viele Details erinnern könne. Der psychisch auffällige Mann habe wichtige Medikamente eigenmächtig abgesetzt, auch sei er seinerseits häufig Demütigungen und Beschimpfungen vonseiten seiner Freundin ausgesetzt gewesen. Diese habe ihm sogar einmal ein Messer in die Brust gerammt.

Die Frage der Schuldfähigkeit von B. wird das Gericht in diesem Verfahren sicher noch vertiefen. Psychische Auffälligkeiten dürften dabei ebenso eine Rolle spielen wie sein schon Jahre währender Konsum verschiedener Drogen, insbesondere von Alkohol.

Andreas Schinkel 12.12.2016
Mathias Klein 15.12.2016