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Stadt Hannover Diskussionsrunde: Verschläft Deutschland die Elektromobilität?
Aus der Region Stadt Hannover Diskussionsrunde: Verschläft Deutschland die Elektromobilität?
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00:17 07.05.2019
Verschläft Deutschland die E-Mobilität? Darüber diskutieren Dr. Petra Jäckel (Grüne, von links), Giovanni Graziano (SPD), Matthias Gleichmann (SPD), Jens-Michael Emmelmann (CDU), Mareike Wulf (CDU), Katja Keul (Grüne), Mechthild Schmidthüsen (Grüne) mit Raimond Nowak (Mitte). Quelle: : Katrin Kutter
Hannover

Wie lassen sich der Klimawandel stoppen, der CO2-Ausstoß eindämmen und Stickoxide vermeiden? Ganz praktische Antworten auf diese Frage hat eine Diskussionsveranstaltung bei der Messe Micromobility auch am letzten Öffnungstag aufgezeigt – und diskutiert.

Auf einem Parcours testen am Sonnabend Hunderte Menschen Tretroller, Lastenfahrräder, Scooter und Mopeds, allesamt mit Elektroantrieb. Im Forum direkt nebenan zeigt sich das Grundsätzliche des Parcours’: „Wir müssen Möglichkeiten aufzeigen, wie E-Mobilität aussehen kann“, sagt Professor Lars Gusig, Leiter des Instituts Elektromobilität an der Hochschule Hannover. Die Verkehrswende bedeute nicht nur, dass Autos künftig mit Elektromotoren fahren würden, die Menschen müssten möglichst oft ganz auf das Auto verzichten.„Es ist auch Quatsch zu sagen, dass der regenerative Strom für E-Mobilität nicht reicht. Das geht. Es muss niemand ein eigenes Windrad im Garten haben.“

E-Busse und Ladesäulen in Hannover – aber keine Infos

Doch verschläft Deutschland es gerade, die Elektromobilität voranzutreiben? Vom erklärten Ziel, Leitmarkt und -anbieter dafür zu sein, ist man weit entfernt. Die eine Million E-Autos, die für 2020 avisiert waren, werden dann nicht auf deutschen Straßen rollen. Auf dem Podium diskutieren am Nachmittag Politiker, die selbst E-Autos fahren, über das Thema. Kontrovers kann die Debatte bei dieser Besetzung nicht werden, aber für eine Analyse reichte es allemal. Auch Hannovers CDU-Ratsherr Jens-Michael Emmelmann war mit dabei. „Wir sind in Hannover noch nicht da, wo wir hin wollen“, sagt er. Zwar gebe es in der Stadt inzwischen zahlreiche Ladesäulen und bald auch 48 neue, elektrobetriebene Busse, „aber die haben wir in Polen bestellen müssen.“ Es fehle für die E-Autofahrer eine allgemeine Plattform, auf der sie sich über alle Lademöglichkeiten, egal welchen Anbieters, informieren könnten. „Es ist auch schade, dass man in einem Elektrofahrzeug keine Führerscheinprüfung ablegen kann“, ergänzt der SPD-Politiker Giovanni Graziano aus Goslar. Was nicht ganz stimmt: Man kann schon, darf danach aber nur Automatikautos fahren. Immerhin, sagt Graziano, gebe es in Goslar wie auch in Hannover inzwischen Fahrschulen, die E-Autos im Fuhrpark hätten.

CDU-Landtagsabgeordnete lobt Moia

Die CDU-Landtagsabgeordnete Mareike Wulf schätzt das Angebot in Hannover hingegen schon als sehr gut ein, sieht aber den Einfluss der Politik fernab der Gesetzesgrundlage auf die Wirtschaft auch als begrenzt an. „Wir wollen ein Rechtsstaat mit freier Marktwirtschaft bleiben“, betont sie. Die Städte und Kommunen könnten die Infrastruktur für Elektromobilität vorantreiben, „aber wir können den Autokonzernen nicht vorschreiben, was sie zu bauen haben.“ Sie selbst fahre Fahrrad und befürworte moderne Mobilitätskonzepte, wie sie etwa der Fahrdienst Moia in Hannover anbiete. Auch Car-Sharing oder das Angebot der Deutschen Bahn, zum Bahnticket auch gleich die Weiterfahrt im Nahverkehr mitzubuchen, seien ein guter Weg. Klar sei aber auch: ohne flächendeckendes Internet funktioniere all das nicht.

Langenhagen elektrifiziert den kommunalen Fuhrpark

Welche Vorbildfunktion Kommunen einnehmen können, weiß der SPD-Ratsherr Michael Gleichmann aus Langenhagen zu berichten: „Unsere Stadt elektrifiziert ihren Fuhrpark immer mehr. Wir haben inzwischen auch Segways im Einsatz.“ In Berlin sieht das anders aus: „Bei mehr als 100 Autos im Fahrdienst des Bundestages sind vielleicht drei Elektroautos dabei“, kritisiert Katja Keul, die für die Grünen im Bundestag sitzt. Elektromobilität bedeute einen langfristigen Strukturwandel in der Industrie, der auch Arbeitsplätze gefährde. Deshalb dürfe man nicht warten, bis es auf einmal ganz schnell gehen müsse.

Mehr Aufklärung und Förderung gefordert

Mehr Ladestellen an den Bundesautobahnen, um der allgemeinen „Reichweitenangst“ entgegenzutreten, mehr Aufklärung über die vielen Möglichkeiten, die Preise und die kurzen Bestellzeiten von E-Autos sowie die Forderung nach mehr Förderprogrammen, die verstärkt auch den Lieferverkehr ins Auge fassen: All das steht nach zwei Stunden Elektromobilitätsdebatte auf der Messe unter dem Strich. Verschlafen hat Deutschland und vor allem die Stadt Hannover die Elektromobilität wohl noch nicht. Aber um sie wirklich wach zu küssen, braucht es am Ende doch mehr als einen Prinzen.

Von Carina Bahl

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