Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Stadt Hannover Besondere Adventskalender für Bedürftige
Aus der Region Stadt Hannover Besondere Adventskalender für Bedürftige
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:00 16.12.2018
Fleißig für den guten Zweck: (v.l.) Melissa Kalberlah, Anna Wolff, Rebecca Franz und Lena Huber präsentieren gemeinsam mit Udo und Sophia aus den Tag-Werken einige ihrer selbstgepackten Adventspäckchen Quelle: Marius Klingemann
Anzeige
Mitte

Adventszeit - das bedeutet für viele Menschen Frohmut, Besinnlichkeit und Herzenswärme. Ein besonderes Sozialprojekt hat in der vergangenen Woche nun am Raschplatz dafür gesorgt, dass auch diejenigen, die nicht unbedingt im Mittelpunkt der Hannoverschen Gesellschaft stehen, einen kleinen Teil dieser festlichen Stimmung abbekommen.

„Habt ihr auch noch so einen Adventskalender für mich?“, fragt der wohnungslose Herr mittleren Alters. „Natürlich, bitteschön“: Rebecca Franz überreicht dem sichtlich erfreuten Empfänger einen großen Plastikbeutel. In diesem ganz speziellen, aus 24 kleineren Beuteln bestehenden Adventskalender sind aber nicht nur Süßigkeiten versteckt, sondern auch reichlich warme Kleidung für die anstehende Winterzeit. Mützen, Handschuhe, Wollsocken - all dies lässt die Herzen der bedürftigen Menschen, die sich an diesem Abend vor dem Kontaktladen Mecki auf dem Raschplatz versammelt haben, höher schlagen.

Anzeige

„Es ist schön, dass wir so vielen Leuten mit unserer Aktion eine Freude machen konnten“, sagt Rebecca Franz. Die 24-Jährige, derzeit im letzten Ausbildungsjahr zur Heilerziehungspflegerin am Annastift in Kleefeld, hat gemeinsam mit ihren Mitschülerinnen Melissa Kalberlah, Lena Huber und Anna Wolff in zahlreichen Arbeitsstunden insgesamt 120 Adventskalender, also beinahe 3000 Säckchen gepackt und schließlich verteilt. Tatkräftige Unterstützung verschiedenster Art erhielten sie dabei von Freunden und Verwandten, der Lister Kita Maschseekinder sowie Udo, Sophia und Inga (Letztere konnte beim konkreten Termin leider nicht mit dabei sein), drei Betreuten aus der zum Annastift gehörenden Behinderteneinrichtung Tag-Werke.

Der Andrang am Verteiltisch neben der gern angenommenen wöchentlichen Essens- und Getränkeausgabe der Obdachlosenhilfe Bollerwagen Café war entsprechend groß und alle Adventskalender im Handumdrehen vergriffen. „Einfach Danke“, sagte Erika Heine, seit rund drei Jahren ohne feste Bleibe. Susanne Langsdorf, Lehrkraft am Diakovere Fachschulzentrum und somit auch für Rebecca und ihre Mitstreiterinnen zuständig, lobte die „schöne, unterstützungswerte Aktion“.

Angefangen hat all dies als Examensprojekt, doch für die angehenden Heilerziehungspflegerinnen trat der inklusiv-soziale Aspekt sehr schnell in den Vordergrund: „Wir haben festgestellt, dass solch vergleichsweise kleinen Gesten sehr viel bewegen können.“ Möglich wurde die Anschaffung von Kleidung und Süßigkeiten in dieser Menge durch einen eigens gestarteten Crowdfunding-Aufruf, bei dem letztlich über 1000 Euro zusammen kamen. 150 Euro davon übergaben die jungen Organisatorinnen zudem als Unterstützung für künftige Arbeit an das Bollerwagen Café.

Kommentar: Ein Geschenk für die Schenkenden

Es gibt dieser Tage viele Gelegenheiten, um gute Taten zu vollbringen. Auch für Menschen, die keiner Kirche oder Hilfsorganisation angeschlossen sind. Die hier gemeinte begann als Examensprojekt. Vier angehende Heilerzieherinnen am Annastift in Kleefeld haben gemeinsam mit behinderten Menschen 120 Adventskalender für obdachlose Menschen zusammengestellt – mit Mützen, Handschuhen, Wollsocken und natürlich Schokolade. Jetzt verteilten sie die Kalender an Bedürftige am Raschplatz – und ernteten viel Dankbarkeit. Um die Aktion finanzieren zu können, hatten die Auszubildenden sogar ein Crowdfunding organisiert und 1000 Euro zusammenbekommen. 150 Euro blieben übrig. Und die behielten sie nicht etwa als Ausgleich für ihren geleisteten Aufwand, sondern übergaben sie der Obdachlosenhilfe Bollerwagen Café.

An Heiligabend werden sich die vier an ihre Aktion erinnern. Und mit dem Gefühl, aus Eigeninitiative Gutes getan zu haben, werden sie sich vielleicht selbst ihr schönstes Geschenk gemacht haben.

Von Marius Klingemann

Anzeige