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Stadt Hannover Das Orchester aus „Babylon Berlin“ kommt nach Hannover
Aus der Region Stadt Hannover Das Orchester aus „Babylon Berlin“ kommt nach Hannover
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06:00 17.04.2019
„Es ging darum, dass es echte Musiker sind“: Sebastian Borkowski (rechts) ist musikalischer Leiter des Moka Efti Orchestras. Quelle: Joachim Gern
Hannover

Gerade erst haben die Hannoveraner die „Roaring Twenties“ auf dem diesjährigen Opernball gefeiert – jetzt können sie Fransenkleider, Haarschmuck und Zigarettenhalter schon wieder aus dem Schrank holen: Das Moka Efti Orchestra, bekannt aus der Serie „Babylon Berlin“, geht auf Tour. Sebastian Borkowski ist musikalischer Leiter des Orchesters, arrangiert die Songs und spielt selbst Saxofon.

Herr Borkowski, das Moka Efti Orchestra haben Sie eigens für „Babylon Berlin“ zusammengestellt. Jetzt gehen Sie auf Tour – braucht die Serie diese Promo überhaupt?

Nein, die Serie braucht das bestimmt nicht. Aber wir merken, dass viele Leute die Musik aus der Serie gerne live hören. Zu den Konzerten kommen natürlich viele „Babylon Berlin“-Fans. Aber es gibt auch Leute, die einfach gehört haben, was wir für Musik machen, und das gut finden.

Wie haben Sie das Orchester zusammengestellt?

Wir haben Musiker zusammengestellt, die wir kennen und von denen wir wissen, dass sie diese Swingära auch kennen. Gleichzeitig sollte Moka Efti einen eigenen Twist haben. Es ging von Anfang an nicht darum, das wiederherzustellen, was es schon mal gab. Wir wollten eben auch eine aktuelle Energie in die Serie bringen. Das war den Regisseuren auch wichtig.

War es auch wichtig, dass die Musiker Schauspielerfahrung haben?

Nein, lustigerweise gar nicht. Es ging den Regisseuren darum, dass es echte Musiker sind. Ganz oft sieht man ja in Filmen irgendwelche Statisten, die irgendwelche Instrumente in die Hände gedrückt bekommen.

Sie haben im vergangenen Jahr schon auf Festivals gespielt – was macht mehr Spaß, Dreharbeiten oder Konzerte?

Die Dreharbeiten waren für uns ja nur noch ein kleines I-Tüpfelchen. Für uns als Musiker ist ja die Hauptarbeit, live oder im Studio zu arbeiten. Die drei Drehtage waren eher ein Spezialerlebnis: Man sitzt viel rum und wartet auf den nächsten Take. Das Besondere war bei uns, dass wir den Titelsong beim Dreh auch performt haben. Eigentlich Playback, weil es die Aufnahme ja schon gab. Trotzdem wir haben richtig gespielt, weil wir echte Musiker sind. Das hat sich auf die 200 Schauspieler und Statisten übertragen, dadurch kam Energie in den Raum. Wenn eine echte Band spielt, tanzen die Leute anders, als wenn das nur aus versteckten Lautsprecherboxen kommt.

Sie arrangieren die Songs für das Orchester – wie bringen Sie die Musik der Zwanzigerjahre auf die Bühne?

Wir haben eine kleine Bigband mit Saxofon, Klarinette, Blechbläsern, Kontrabass, Banjo, zwei Streichern. Aber was man heutzutage kennt von Zwanzigerjahrebands, ist oft eine sehr kontrollierte Ästhetik. Dabei gab es auch sehr wilde Bands. Das war es, was wir übernehmen wollten. Wir sagen immer: ein bisschen punkig. Es ist nicht dieses Hochgestochene, sondern ein Feuerwerk.

Woher kommt die Faszination für die Zwanzigerjahre?

Es war ein Jahrzehnt vor einer sehr dunklen Zeit. Da war Berlin eine der aufregendsten Städte der Welt, sehr freigeistig, sehr divers. Die Mode, die Musik, das spielt da alles mit.

Aber die Zwanzigerjahre waren ja nicht nur Fransenkleider und Charleston, sondern auch geprägt vom Aufstieg des Nationalsozialismus und, gegen Ende, der Wirtschaftskrise – wieso wird dieses Jahrzehnt so verklärt?

Das ist eine sehr gute Frage. Ich glaube, das ist eine Frage von Bildung. Man sucht sich vielleicht nur die aufregenden Aspekte raus beim Zelebrieren dieses Jahrzehnts. Vielleicht ist die Mode und Musik und auch der Exzess aber auch gerade deshalb entstanden, weil es eine schwere Zeit war. Und die Serie zeigt auch ganz gut, was da eigentlich noch alles los war.

Würden Sie also sagen, dass „Babylon Berlin“ ein bisschen zur Aufklärung beiträgt?

Das würde ich mir nicht anmaßen. Aber ich persönlich finde durchaus, dass man da was lernen kann.

Der Titelsong „Zu Asche zu Staub“ hat es auf Platz 22 der Charts geschafft. Hatten Sie erwartet, dass die Musik so erfolgreich werden könnte?

Nein. Wir freuen uns natürlich darüber. Und wir freuen uns, dass die Musik auch in der Serie so einen großen Stellenwert bekommen hat.

Wie geht es nach der Tour weiter für das Orchester?

Wir arbeiten an einem Album, das hoffentlich noch im Herbst rauskommt.

Losgelöst von der Serie?

Absolut. Wir wollen uns als eigenen Pop-Act etablieren.

Info: Das Moka Efti Orchestra spielt am Montag, 13. Mai, ab 20 Uhr im Pavillon. Karten gibt es für 38,40 Euro unter pavillon-hannover.de.

Zur Person

Sebastian Borkowski ist musikalischer Leiter des Moka Efti Orchestras. Der 39-Jährige arrangiert die Songs und spielt auch selbst Saxofon in der Band. An der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin hat er Saxofon studiert. Borkowski hat an Produktionen etwa von Udo Lindenberg, Ich + Ich, The BossHoss und Jennifer Rostock mitgewirkt und war mit Bands wie Culcha Candela, Kettcar und Jazzanova auf Tour. Er kommt aus Lübeck und lebt in Berlin.

Von Johanna Stein

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