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Stadt Hannover Was tat M. in den Stunden vor dem Tod?
Aus der Region Stadt Hannover Was tat M. in den Stunden vor dem Tod?
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00:23 12.08.2015
Von Jörn Kießler
Parzelle 34: Der Kleingarten soll das Ein und Alles von M. gewesen sein.  Quelle: Petrow
Hannover

Zwei Tage, nachdem die Ermittler der Mordkommission „Kanal“ die Leiche aus dem Mittellandkanal identifiziert haben, ist die Bestürzung über den Tod des Opfers Bernd M. bei Freunden und Bekannten immer noch groß. Während M.s Nachbarn aus der Haltenhoffstraße und Mitglieder des Kleingartenvereins „Burgland“, in dem der 70-Jährige 40 Jahre Mitglied war, nicht fassen können, was ihrem Bekannten zugestoßen ist, versuchen die Fahnder der Polizei, die letzten Tage und Stunden im Leben des Opfers zu rekonstruieren.

Vor einer Woche hatten Mitarbeiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes M.s zerstückelte Leiche in Plastiktüten im Wasser an der Noltemeyerbrücke entdeckt. Vom Kopf des Toten fehlt allerdings noch immer jede Spur. Zudem ist noch immer unklar, wo und warum M. getötet wurde und warum sein Mörder sein Opfer 9 Kilometer entfernt von dessen Wohnung in den Kanal warf.

„Ich wurde insgesamt drei Stunden von der Polizei verhört“, sagt Alexander Kühn. Der 43-Jährige hatte seinen Freund am Freitag vor dem Leichenfund als vermisst gemeldet. Die beiden Freunde gingen regelmäßig gemeinsam einkaufen und nutzten dafür den silbernen Peugeot 206 von M., den die Polizei noch immer sucht. Als der 70-Jährige zu der Verabredung am Donnerstag nicht erschien und weder in seiner Wohnung noch in seinem Schrebergarten anzutreffen war, hatte Kühn die Polizei verständigt. „Sein Handy war aus, und Bernd war eigentlich immer sehr zuverlässig“, sagt der 43-Jährige.

Die Beamten durchsuchten Wohnung und Kleingarten, fanden aber nichts, das auf ein gewaltsames Eindringen hindeutete. „Komisch war aber, dass außer dem Insulin von Bernd alle anderen Medikamente weg waren“, sagt Kühn. Der 70-Jährige soll zuckerkrank gewesen sein, an Gicht gelitten und Probleme mit dem Herz gehabt haben. Deshalb habe ihm Kühn auch geholfen, den Schrebergarten in der Siedlung „Burgland“ am Lotte-Burghardt-Weg in Ordnung zu halten.

„Wir sind hier immer noch geschockt“, sagt ein Mitglied des Kleingartenvereins, das seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. „Der Bernd war ein netter Typ, hat immer gegrüßt.“ Erst in der vergangenen Woche hatte der Vorstand einen Brief losgeschickt, um zur 40-jährigen Mitgliedschaft zu gratulieren. „Wenn er zu viel getrunken hatte, konnte er aber auch ganz schön streitsüchtig sein“, sagt ein anderer Kleingärtner, der M. schon lange kannte.

Die Theorie, dass M. betrunken mit seinem Mörder in Streit geriet, ist dennoch unwahrscheinlich. „Bernd hat seit Weihnachten letztes Jahr keinen Schluck mehr getrunken“, sagt sein Bekannter Kühn. „Das hat er da einfach so beschlossen und dann durchgezogen.“ Das bestätigt auch die Wirtin seiner Stammkneipe an der Stöckener Straße. Seit M.s Entschluss zur Enthaltsamkeit soll er dort nur noch selten aufgetaucht sein.

Das Opfer

Bernd M.: Der 70-jährige Rentner, der früher bei der Stadtentwässerung gearbeitet haben soll, wurde am 3. August tot aus dem Mittellandkanal geborgen. Sein Mörder hatte den Leichnam zerstückelt, in Mülltüten gepackt und offenbar nahe der Noltemeyerbrücke ins Wasser geworfen. Vom Kopf des Opfers fehlt noch immer jede Spur.

Die Wohnung

Haltenhoffstraße: In dem Mehrfamilienhaus in Herrenhausen kannten eigentlich alle Bewohner M. „Wenn man abends von der Arbeit kam, saß er am offenen Fenster“, sagt ein Nachbar. Dann habe man gemeinsam eine Zigarette geraucht und über Gott und die Welt geplaudert. „Bernd war ein sehr netter Mensch“, sagt der Nachbar.

Der Garten

Parzelle 34: Der Kleingarten soll das Ein und Alles von M. gewesen sein. Jedoch konnte sich der Herzkranke ­offenbar nicht mehr allein um die Pflanzen dort kümmern. „Seit zwei Wochen ist immer ein jüngerer Mann in den Garten gekommen und hat ihm geholfen“, sagt eine andere Kleingärtnerin.

Die Kneipe

Zur Bierfee: Regelmäßig soll M. in die Kneipe an der Stöckener Straße gegangen sein und dort ein Bier getrunken haben. „Vergangenes Weihnachten hörte er aber einfach auf, Alkohol zu trinken“, sagt sein Bekannter Alexander Kühn. „Seitdem war er nur noch selten hier“, sagt die Wirtin der Gaststätte.

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