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Stadt Hannover Mückenstiche führen in die Notaufnahme
Aus der Region Stadt Hannover Mückenstiche führen in die Notaufnahme
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20:08 09.07.2013
Von Juliane Kaune
Kein Einzelfall: Der Hannoveraner Roderick von Berlepsch liegt nach einem Mückenstich ins Knie in der Medizinischen Hochschule, nachdem der Stich sich entzündet hat.
Kein Einzelfall: Der Hannoveraner Roderick von Berlepsch liegt nach einem Mückenstich ins Knie in der Medizinischen Hochschule, nachdem der Stich sich entzündet hat. Quelle: von Ditfurth
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Hannover

„In Einzelfällen ist es sogar zu allergischen Reaktionen am ganzen Körper gekommen, mit Schüttelfrost und Atemnot“, sagt Thomas Sievert, Infektiologe am Klinikum Nordstadt. „So etwas habe ich in 20 Jahren noch nicht gesehen – das passiert sonst nur nach Bienen- oder Wespenstichen.“

Auch in den Notaufnahmen der Medizinischen Hochschule und des Kinderkrankenhauses Auf der Bult wurden bereits Patienten mit Mückenstichen behandelt. Experten sind sich einig, dass es seit Jahren nicht mehr so viele Mücken in der Stadt gegeben hat wie in diesem Jahr.

Begünstigt hat die Plage das zunächst sehr wechselhafte Wetter dieses Sommers mit viel Regen und einigen besonders heißen Tagen – für Stechmücken sind das ideale Bedingungen. Warum aber Betroffene in diesem Jahr derart heftig auf die Stiche reagieren, ist Medizinern ebenso wie Insektenkundlern ein Rätsel. Matthias Berndt, Allgemeinmediziner in der List, hat bereits mehrere Patienten mit Antibiotika behandelt, deren Stiche sich entzündet hatten.

„Ich könnte mir vorstellen, dass die Mücken mehr von ihrem Sekret absondern als üblich“, mutmaßt Infektiologe Sievert. Er rät dazu, bei besonders auffälligen Symptomen und Reaktionen, die den gesamten Körper betreffen, einen Arzt aufzusuchen. In diesen Fällen könne mit Medikamenten verlässlich geholfen werden. In der Regel reiche eine ambulante Behandlung. Zwei Patienten, die in die Notaufnahme des Nordstadt-Klinikums gekommen sind, habe man zur Sicherheit allerdings für einen Tag stationär aufgenommen.

Andreas Krüger vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin bestätigt die aktuelle Entwicklung. Zwar gebe es keine Vergleichszahlen aus den Vorjahren. „Aber tendenziell hat die Empfindlichkeit gegen Mückenstiche in diesem Jahr zugenommen“, sagt der Insektenkundler. Die Gründe dafür seien nicht bekannt. Das Lebensalter, die Jahreszeit oder auch eine gewisse Gewöhnung des Körpers an das Mückensekret beeinflussten die individuellen Reaktionen auf einen Stich.

Ausschließen kann Krüger, dass eine neue Mückenart für die ungewohnten Folgen der Stiche verantwortlich ist. In Norddeutschland gebe es rund 30 Arten, die hier seit Jahren heimisch seien. In Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg wiederum kämen im Zuge des Klimawandels mittlerweile auch Populationen der Asiatischen Buschmücke und der Asiatischen Tigermücke vor. „Im Grunde unterscheiden sich die Stiche aber nicht von denen heimischer Mücken“, erklärt Krüger. Zwar gelten die Insekten aus asiatischen Gefilden als Überträger von Viruserkrankungen. Doch hierzulande fehlten die Voraussetzungen für eine Verbreitung der Erreger, sagt Krüger. Angst vor übertragbaren Krankheiten durch einen Mückenstich brauche niemand zu haben, betont Sievert.

Der Gesundheitsbehörde der Region liegen keine Erkenntnisse über die ungewöhnlichen Folgen der Mückenplage vor. Ärzte seien nicht verpflichtet, solche Vorfälle zu melden, sagt Behördensprecher Nils Meyer. Die Meldepflicht gelte nur für ansteckende Erkrankungen.

Wie beugt man vor?

Es gibt etliche Mückenmittel. Die Stiftung Warentest hat 21 bewertet – nur jedes dritte erhielt die Note „gut“. Testsieger wurde „Anti Brumm Forte“, gefolgt von „Autan Protection Plus“. Schutz bietet auch hautbedeckende Kleidung. Für den Innenbereich gibt es Räucherspiralen, deren Geruch Mücken nicht mögen. Fliegennetze haben sich bewährt, um die Tiere aus Wohnräumen fernzuhalten. Lavendel- und Tomatenpflanzen haben ebenfalls abschreckende Wirkung. Allein darauf sollte man sich aber nicht verlassen.

Wen trifft es?

Mücken werden von Ausdünstungen des menschlichen oder tierischen Körpers angelockt. Auch Parfüm zieht die Insekten an. Es gibt keine gesicherten Erkenntnisse darüber, welchen „Duftcocktail“ sie bevorzugen. Besonders stark reagieren sie auf Ammonium und Buttersäure, die Zerfallsprodukte von Schweiß. Mitunter ist zu hören, dass Babys und Kleinkinder seltener von Mücken gestochen werden, weil sie beim Schwitzen weniger Buttersäure produzieren. Laut Tropeninstitut trifft das nicht zu. 

Was hilft danach?

Auch wenn es schwerfällt: Wer gestochen wurde, sollte nicht an der betreffenden Stelle kratzen. „So erhöht sich die Gefahr von Entzündungen“, sagt Matthias Berndt, Allgemeinmediziner aus der List. Berndt rät dazu, den Stich schnell zu kühlen, um den Juckreiz zu mildern, und viel zu trinken. Lindernde Salben und Gels gibt es mit und ohne Kortison. Dirk Arndt, Hausarzt aus der Südstadt, hat gute Erfahrungen mit einem speziellen Elektrogerät gemacht, das den Stich sekundenlang erhitzt und so die Heilung fördert.

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