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Stadt Hannover Mutter und Sohn veruntreuen Blindengeld
Aus der Region Stadt Hannover Mutter und Sohn veruntreuen Blindengeld
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19:35 08.02.2017
Von Michael Zgoll
Petra S. hat das Blindengeld ihrer Schwiegermutter veruntreut.  Quelle: dpa/Symbolbild
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Hannover

Blindengeld in Höhe von 3.135 Euro hat die 48-jährige Petra S. veruntreut. Das Geld hätte ihrer Schwiegermutter zugestanden. Nicht nachgewiesen werden konnten Petra S. und ihrem 21 Jahre alten Sohn Marcel S., dass sie auch Gelder aus der Pflegekasse zweckentfremdet haben - die 87-jährige Seniorin kann aufgrund ihrer Erkrankung niemandem erklären, inwieweit sich Schwiegertochter und Enkel um sie gekümmert haben. Jugendrichter Jens Buck bescheinigte den beiden in Stöcken lebenden Angeklagten in der Urteilsbegründung, sich „niederträchtig“ verhalten zu haben: „Hier hat sich ein Abgrund zwischenmenschlicher Beziehungen aufgetan.“

Überhebliche Angeklagte

Sozialhilfeempfängerin Petra S. muss wegen erwiesener Untreue eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 10 Euro zahlen, ihr wegen Beihilfe zur Untreue verurteilter Sohn 300 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung. Staatsanwältin Julia Vogt wies darauf hin, dass Verwandte Blindengeld nicht für ihren Lebensunterhalt nutzen dürfen, sondern dass diese Beihilfen zweckgebunden für die erblindete Person zu verwenden sind. Die beiden Angeklagten, die ohne Anwalt erschienen waren, traten vor Gericht überheblich und völlig uneinsichtig auf. Insbesondere der Sohn ließ die Verfahrensbeteiligten mit seinem permanenten und abfälligen Lächeln wissen, was er vom deutschen Justizwesen im Allgemeinen und der Verhandlung im Besonderen hält - nämlich nichts.

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Wertgegenstände verschwunden

Petra S. hatte 2014 bei der Stadt Hannover als Generalbevollmächtigte ihrer erblindeten und dementen Schwiegermutter die Auszahlung von Landesblindengeld beantragt. Damals lebte die Seniorin mit ihrem Ehemann noch in einer eigenen Wohnung. Doch flossen die Zahlungen nicht auf das Konto der älteren Herrschaften, sondern auf ein Konto von Marcel S. Dieser behauptete vor Gericht, regelmäßig Barbeträge abgehoben und seinen Großeltern ausgehändigt zu haben - doch auf den Kontoauszügen tauchten diese behaupteten Barabhebungen nicht auf. Stattdessen fanden sich viele Abbuchungen, die zweifelsfrei dem jungen Mann zuzurechnen sind: für Internetanschluss, Handyvertrag, Bezahlfernsehen oder Elektronik-Einkäufe. Auch war von den Zeugen, die laut Petra S. die Übergabe von Barbeträgen beobachtet haben sollen, weit und breit nichts zu sehen.

Spaziergänge zum Bankautomaten

Fest steht, dass die Familie S. nach dem Tod des Schwiegervaters im Jahre 2015 die Lebensversicherung von knapp 21.000 Euro und rund 2.000 Euro Pflegezuschüsse kassierte. Fest steht auch, dass Petra S. ihre Schwiegermutter - die im April 2015 in ein Pflegeheim verlegt wurde - nur so lange besuchte, wie sie mit ihr zur nahen Bank gehen und Geld vom Automaten abheben konnte. Nachdem die Ermittlungen gegen die 48-Jährige begonnen hatten und das Konto gesperrt wurde, unterblieben diese Besuche im Heim. Eine Rechtsanwältin, als Betreuerin eingesetzt, wusste zu berichten, dass bei einer ersten Besichtigung der Wohnung der Seniorin alle wertvollen Gegenstände verschwunden waren. Für die Räumung und Wiederherstellung der Räumlichkeiten musste schließlich das Sozialamt einstehen - mit rund 2.000 Euro.