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Stadt Hannover Neues Bürgeramt hat alte Terminprobleme
Aus der Region Stadt Hannover Neues Bürgeramt hat alte Terminprobleme
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00:15 04.11.2017
Von Andreas Schinkel
Heller, freundlicher, moderner wirkt das neue Bürgeramt Mitte am Aegidientorplatz - aber bei der Terminvergabe läuft noch nicht alles rund. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Das sei aber bereits eine Verbesserung, denn zuvor mussten Bürger eine Vorlaufzeit von vier Wochen in Kauf nehmen. „Wir haben Kollegen aus anderen Bereichen abgeordnet und unseren Telefonservice erweitert“, erklärt der Dezernent. Jetzt sei das Amt wieder besser erreichbar.

Bereits von der Ohes Vorgänger, Kämmerer Marc Hansmann, setzte konsequent auf Online-Terminvergabe in den acht Ordnungsämtern der Stadt. Nummern ziehen und auf unbequemen Plastik-stühlen bis zum Aufruf warten - das sollte der Vergangenheit angehören. Tatsächlich funktionierte die Terminbuchung über die Internetseite der Stadt anfangs recht reibungslos. Doch später traten massive Probleme auf. Telefonisch waren manche Ämter kaum erreichbar, die Vorlaufzeiten bis zum nächstmöglichen Termin dehnten sich auf mehr als vier Wochen aus. Das lag zum Teil daran, dass die Stadt vakante Stellen nicht besetzen konnte. Zudem musste das Bürgeramt Herrenhausen wegen Umbauarbeiten schließen. Dessen Kunden verteilten sich auf die anderen Ämter.

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"Wir sind noch nicht ganz ausgelastet"

Grundsätzlich können alle Hannoveraner jedes der acht Bürgerämter aufsuchen, unabhängig vom Wohnort. Wenn ein Bürger dringend einen Reisepass beantragen muss und nicht mehrere Wochen auf einen Termin in seinem Stadtteil-Bürgeramt warten will, kann er sich an jedes andere Amt wenden, das ihm schneller hilft. „Leider muss im Internet noch jedes Bürgeramt einzeln abgefragt werden, um den schnellstmöglichen Termin herauszufinden“, sagt von der Ohe. Die Stadt arbeite daran, eine neue Software zu installieren, die die Suche erleichtert. Am Ende soll der Kunde auf einen Blick erkennen können, welches Bürgeramt den günstigsten Termin anbietet. Von der Ohe betont, dass die Stadt in Notfällen Bürgern auch ohne Terminabsprache helfe. Dann müssten aber Wartezeiten vor Ort in Kauf genommen werden.

Auch wenn es terminlich noch hakt - die neuen Räume des Bürgeramts Mitte sind angenehmer für Kunden und Mitarbeiter als jene im düsteren Gebäude der Leinstraße, dem vormaligen Sitz des Bürgeramts Mitte. Das neue Foyer ist klar strukturiert mit einladendem Wartebereich und zwei Schaltern. Wer nur Dokumente abholen will oder eine schnelle Auskunft braucht, wird hier bedient und nicht weitergelotst.

Im großzügigen Büroraum hinter dem Foyer stehen zwölf Bedienplätze zur Verfügung. Nicht alle sind schon besetzt. „Wir sind noch nicht ganz ausgelastet“, sagt von der Ohe. Für brisante Fälle, die Diskretion und Fingerspitzengefühl erfordern, gibt es ein separates Büro im hinteren Bereich der Schalterhalle. „Etwa für Kunden, die voll verschleiert kommen“, erklärt der Dezernent. Auf einer Galerie im oberen Stockwerk schließen sich die Besprechungs- und Sozialräume an. „Ich fühle mich wie in einem Raumschiff, es ist alles so licht und hell“, sagt Mitarbeiterin Claudia Brahm, die seit 40 Jahren bei der Stadtverwaltung arbeitet.

Dennoch ist der Aufenthalt in den ehemaligen Räumen der Sparkasse von kurzer Dauer. Wenn 2019 das neue Verwaltungszentrum am Schützenplatz fertig ist, wird das Bürgeramt Mitte ein zweites Mal umziehen.

Die Idee, zentrale Anlaufstellen für Behördenangelegenheiten zu schaffen, ist noch gar nicht so alt. Vor 20 Jahren, am 29. Oktober 1997, eröffnete Hannovers erstes Bürgeramt im Podbi-Park. Zuvor mussten die Hannoveraner jede Behörde einzeln aufsuchen – fortan war es möglich, in einem Gebäude Personalausweise zu beschaffen, neue Wohnsitze eintragen zu lassen und Führerscheine zu beantragen.

Die Öffnungszeiten wurden verlängert, man wollte weg von der „Tresensituation“. Inzwischen sind die Bürgerämter aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Den zweiten Modernisierungsschritt vollziehen sie jetzt mit der Online-Terminvergabe. Am häufigsten werden Hannovers acht Bürgerämter aufgesucht, um Meldevorgänge zu erledigen. Im vergangenen Jahr waren es 118.000 An-, Ab- und Ummeldungen. 50.000 Personalausweise und 25.000 Reisepässe wurden in den Ämtern beantragt.

Uwe Kranz 03.11.2017
Mathias Klein 31.10.2017
Andreas Schinkel 31.10.2017