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Stadt Hannover Nexans-Mitarbeiter per Rad unterwegs nach Paris
Aus der Region Stadt Hannover Nexans-Mitarbeiter per Rad unterwegs nach Paris
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00:17 22.04.2019
Team Nexans: Torsten Voigt, André Schönemeier, Mikkel Engelke (v.l.) vor dem Start. Quelle: Frank Wilde
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Hannover

Die ersten Kilometer fahren sie über die Hauptstraße. Das werden Torsten Voigt, André Schönemeier und Mikkel Engelke nicht die komplette Fahrt können, aber beim Start ihrer sechstägigen Fahrraddemo nach Paris geht das. Die drei Mitarbeiter des von Schließung bedrohten Nexans-Werks am Kabelkamp starten pünktlich um 10 Uhr bei strahlendem Sonnenschein vor dem Werkstor, in sechs Tagen wollen sie die 800 Kilometer mit ihren Fahrrädern bewältigen, pro Tag rund 160 Kilometer. Viele Kollegen sind vor dem Tor dabei, zwei Dutzend begleiten das Trio auch noch auf ihrem Weg über die Vahrenwalder Straße und durch Linden aus der Stadt. Danach wollen die drei Hobbysportler in ihren „No Nexit“-Trikots stramm in Richtung Westen fahren und in Glandorf bei Osnabrück die erste Etappe beenden.

„Eine arg unbefriedigende Situation“

In Paris soll es dann eine Kundgebung von Nexans-Mitarbeitern geben, nicht nur aus Hannover. Aber viele Kollegen, die an diesem Karfreitag die Radler verabschieden, werden mit dem Bus nachkommen und gemeinsam für den Erhalt des Standortes demonstrieren.

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Viel Hoffnung haben sie nicht mehr, die Zeichen der Konzernspitze seien trotz anderer Gutachterempfehlungen eindeutig. „Mein Gefühl ist: Die hören sich das an, bedanken sich für die Informationen und machen weiter wie geplant.“ Einige der rund 500 Mitarbeiter, sagt Voigt, hätten sich bereits neue Jobs gesucht oder seien dabei, sich umzuschauen, sollte es zu der für Ende des Jahres angekündigten Werksschließung kommen. „Aber viele hängen in der Luft, jeder hat individuelle Kündigungsfristen, je nach Betriebszugehörigkeit.“ Zudem wisse keiner, wann welche Abteilung dicht gemacht werde. „Es gibt keinen konkreten Plan. Es ist eine arg unbefriedigende Situation.“ Trotz der düsteren Aussichten wollen die drei mit ihrer Fahrt selbst ein Zeichen setzen: „Man muss was machen“, sagt Schönemeier.

„Die Aktion ist beeindruckend, auch weil unser Anliegen damit auch auf einer höheren Ebene ankommt“, sagt Frank Mannheim von der IG Metall, der immerhin noch ein „Quäntchen Hoffnung“ hat, die Schließung abzuwenden.

Erste Idee: Nach Paris laufen

Schönemeier, dem die Idee auf einer Joggingrunde kam, hat für die Aktion sogar den geplanten Familienurlaub in Polen abgesagt, nicht ganz stressfrei, wie er sagt, aber natürlich hätten ihn seine Frau und seine zwei Kinder auch bei dem Anliegen unterstützt, seinen Job zu erhalten. Für den Elektroniker ist diese spezielle Tour de France keine ungewohnte körperliche Belastung, als Triathlet ist er Ausdauerwettkämpfe gewohnt, beim Marathon vor zwei Wochen hat er die halbe Strecke absolviert – eher ein Trainingslauf. Wenn es nach ihm gegangen wäre, wären die Fahrräder für die Aktion in der Garage geblieben: „Meine erste Idee war, nach Paris zu laufen.“

Ein Begleitfahrzeug, ebenfalls mit Kollegen besetzt, fährt mit, wird die Fahrer alle paar Stunden treffen, „was futtern, was trinken“, und hat auch ein Ersatzrad dabei, falls mal was kaputt geht. Nach der Kundgebung in Paris wollen sie dann mit in den Bus nach Hannover steigen. Wobei: „Ich überlege, vielleicht auch wieder zurück mit dem Fahrrad zu fahren“, sagt Schönemeier“, mal sehen, wie das Wetter ist und was die Familie sagt.“

Von Uwe Janssen

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