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Stadt Hannover Jetzt offiziell: CDU schickt Eckhard Scholz ins Rennen ums Rathaus
Aus der Region Stadt Hannover Jetzt offiziell: CDU schickt Eckhard Scholz ins Rennen ums Rathaus
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11:56 12.08.2019
„Ich habe richtig Lust auf Hannover“: Eckhard Scholz. Quelle: Christophe Gateau/dpa
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Hannover

Der parteilose Automanager Eckhard Scholz will Oberbürgermeister von Hannover werden. Am Montag hat die CDU den früheren Vorstandsvorsitzenden von Volkswagen Nutzfahrzeuge offiziell als ihren Kandidaten vorgestellt. „Der Kreisvorstand hat einstimmig beschlossen, Eckhard Scholz als Kandidaten vorzuschlagen“, sagte Kreisverbandschef Maximilian Oppelt am Montag in Hannover. „Er ist führungsstark und sympathisch.“ Die CDU-Mitglieder müssen die Auswahl in einer Urwahl noch absegnen.

Scholz wohnt derzeit mit seiner Frau Cornelia in Braunschweig. „Ich kann Ihnen versichern: Ich habe richtig Lust auf Hannover“, sagte er. Der Umzug sei fest eingeplant. Seine Kandidatur steht unter der Überschrift: „Hannover braucht einen echten Neuanfang“ – ein Seitenhieb auf mehr als 70 Jahre SPD-Regentschaft im Rathaus und den Rücktritt des jüngsten Oberbürgermeisters Stefan Schostok im Zuge der Rathausaffäre. „Ich finde: Eckhard Scholz ist eine echt gute Idee für Hannover“, sagte der CDU-Landesvorsitzende Bernd Althusmann, extra aus Berlin angereist – der Ausgang der Oberbürgermeisterwahl in Hannover hat Bedeutung über die Stadt hinaus.

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Mit fünf Themen will Scholz in den Wahlkampf gehen: Arbeit, bezahlbares Wohnen, Mobilität und Klimaschutz, Sicherheit und Familie – Themen, die so ähnlich auch sein Gegenüber von der SPD, Enercity-Vorstand Marc Hansmann, schon für sich auserkoren hat.

Scholz will auf Hansmann gar nicht eingehen, sagt nur: „Es gibt kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem.“ Soll heißen: So wie bisher, mit der SPD, „kann es mit der Stadtpolitik nicht weitergehen“. Die Hannoveraner, glaubt Scholz, „sind es leid“. Der 55-Jährige hat in den vergangenen Monaten seit Beginn der Rathausaffäre „Blockaden und undurchsichtige Strukturen“ in der Stadtverwaltung ausgemacht. „Es wäre Gift jetzt einfach so weiter zu machen. Es braucht einen echten Neuanfang.“ Der Wahlkampf ist eröffnet. Es ist CDU-Chef Oppelt, der einen subtilen Vergleich zwischen Scholz und Hansmann zieht: „Er hat sein Karriere nicht einer Partei zu verdanken.“

In Hannover gut verdrahtet

Der parteilose Scholz war von 2012 bis 2018 Vorstandsvorsitzender von Volkswagen Nutzfahrzeuge, verließ das Unternehmen im vergangenen Jahr aber auf eigenen Wunsch. In der hannoverschen Kommunalpolitik ist der 55-Jährige bisher nicht in Erscheinung getreten. Dennoch soll er in der Stadt gut verdrahtet sein: Der fünffache Vater ist Mitglied im Lions Club Kurfürstin Sophie, er war Ehrensenator der Lindener Narren, als „Schützensenator“ Ehrengast vieler Ausmärsche und regelmäßig zu Gast bei Heimspielen von Hannover 96. Kulturell beteiligte er sich an der Finanzierung der Kunstfestspiele Herrenhausen.

Eckard Scholz (rechts) mit dem CDU-Landesvorsitzenden Bernd Althusmann bei seiner Vorstellung als OB-Kandidat. Quelle: Foto: Katrin Kutter

Mit Scholz stellt die CDU dem SPD-Kandidaten und Enercity-Vorstand Marc Hansmann ein echtes Schwergewicht entgegen. Scholz gilt als entscheidungsfreudiger Macher, der VWN in den vergangenen Jahren zu wirtschaftlichem Erfolg geführt hat. Ihm wurde ein gutes Verhältnis zum Betriebsrat und den Gewerkschaften nachgesagt; Scholz habe immer das Wohl der 14.000 Mitarbeiter und das VWN-Werk Auge gehabt. „Ecki“ nennen sie ihn bei VWN.

Vorgezogene OB-Wahl nötig

Die vorgezogene OB-Wahl in Hannover wird nötig, weil der bisherige Oberbürgermeister Schostok (SPD) wegen der Affäre um illegale Gehaltszulagen sein Amt aufgegeben hatte. Gegen ihn und weitere Führungskräfte im Rathaus hat die Staatsanwaltschaft Anklage wegen des Verdachts der schweren Untreue erhoben.

Bisher gibt es für Schostoks Nachfolge außer Hansmann und Scholz nur den Piraten-Politiker Adam Wolf und die parteilose Kulturmanagerin Iyabo Kaczmarek aus Linden als Kandidaten. Die Grünen wollen ihrer Parteibasis am 12. Juni Vorschläge unterbreiten. Die AfD will ihren Bundestagsabgeordneten Jörn König vorschlagen. Die FDP sucht nach Auskunft ihres Fraktionschefs Wilfried Engelke überregional einen Kandidaten. Grundsätzlich sei es aber auch vorstellbar, den Kandidaten von SPD oder CDU zu unterstützen, sagt Engelke. Einen Termin für die Wahl gibt es noch nicht. Vermutlich wird sie im November stattfinden.

Kommentar: Große Kaliber

Der unverhoffte Wahlkampf um das hannoversche Oberbürgermeisteramt wird zum Aufeinandertreffen der großen Kaliber – und das allein kann die Hannoveraner schon freuen. Nachdem die SPD den Ex-Kämmerer und jetzigen Enercity-Vorstand Marc Hansmann ins Rennen geschickt hat, kontern die Christdemokraten mit dem ehemaligen Chef von Volkswagen Nutzfahrzeuge, Eckhard Scholz. Beide sind geeignet, Schwung und Optimismus ins Rathaus zurück zu bringen.

Die Frage ist nun: Was macht die Konkurrenz? Den Grünen etwa spielt nicht nur die politische Großwetterlage in die Karten. Interessant wird auch sein, wie übel die Wähler der SPD die Rathausaffäre nehmen. Die Grünen haben deren Ausmaße früher erkannt als andere und sich zeitig vom Ex-OB Stefan Schostok abgesetzt – das könnte jetzt helfen. Nur: Gegen diese Mitbewerber wird sie einen sehr guten Kandidaten aufbieten müssen – oder besser noch eine Kandidatin.

Und die FDP? Muss sich entscheiden, ob sie selbst antritt. Und wenn nicht, wen sie unterstützt: Den CDU-Kandidaten, der ihr politisch näher stehen dürfte. Oder den von der SPD, mit der sie ein Bündnis bildet.

Es wird spannend. Gut so.

Von Felix Harbart

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Von Karl Doeleke