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Stadt Hannover Kandidat Scholz und die CDU: „Wir haben uns gesucht und gefunden“
Aus der Region Stadt Hannover Kandidat Scholz und die CDU: „Wir haben uns gesucht und gefunden“
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11:57 12.08.2019
CDU-Oberbürgermeisterkandidat Eckhard Scholz. Quelle: Katrin Kutter
Hannover

Das also ist der Mann, der nach mehr als 70 Jahren SPD-Regentschaft der erste Oberbürgermeister der CDU in Hannover werden soll. „Sie kennen mich als Vorstandschef bei Volkswagen Nutzfahrzeuge. Heute möchte ich Ihnen den Menschen Eckhard Scholz vorstellen“, sagt am Montag dieser Eckhard Scholz, von 2012 bis 2018 VWN-Chef in Stöcken, jetzt OB-Kandidat der CDU. Neben dem früheren Automanager stehen sichtlich zufriedene Parteigranden: Stadtverbandschef Maximilian Oppelt, Generalsekretär Kai Seefried und auch Landeschef Bernd Althusmann. Das darf man als Signal verstehen. Hier hat jemand breite Unterstützung aus der Partei. Scholz ist parteilos, will der CDU auch gar nicht beitreten. Man habe etliche Hinweise auf Scholz aus der Stadtgesellschaft bekommen, sagt Oppelt. „Wir haben uns gesucht und gefunden.“

Eckhard Scholz 2016 auf der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover. Damals war er noch VWN-Chef. Quelle: Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Wer also ist dieser Eckhard Scholz, der für die CDU Oberbürgermeister von mehr als 500 000 Hannoveranern werden will? Unter normalen Umständen wäre das eine Aufgabe, die zu groß ist für einen Menschen, der kein Sozialdemokrat ist. Es widerspricht dem vermeintlichen Naturgesetz, wonach Hannovers OB in der SPD ist. Doch nach der Rathausaffäre und bei dem aktuellen Allgemeinzustand der SPD in Stadt, Land und Bund könnte es dieses Mal anders laufen.

Groß, schlank, energisch

Im Wilfried-Hasselmann-Haus, der Landeszentrale der CDU an der Hindenburgstraße in Hannover, steht also ein groß gewachsener Mann, schlank, rahmenlose Brille, energischer Blick, der Zuversicht ausstrahlt. Er trägt keine Krawatte zum weißen Hemd, wie es unter Managern inzwischen Mode ist – und zunehmend auch unter Politikern, der Scholz ja nun ist. So viel zum Äußeren.

Da steht auch ein Mann, der berichtet, dass er sich aus kleinen Verhältnissen zum hoch bezahlten Manager in der Automobilwirtschaft hochgearbeitet hat: geboren in Königslutter bei Helmstedt im äußersten Osten Niedersachsens. Der Vater war Zimmermann, die Mutter Hausfrau und Teilzeitkraft. Scholz, der selbst fünf Kinder hat (und bisher vier Enkel), ist mit vier Geschwistern aufgewachsen. „Wir hatten wenig, waren aber trotzdem eine glückliche Familie.“

Scholz ist auch ein Mann, der nach Maschinenbaustudium, Promotion und einer langen und erfolgreichen Karriere im Volkswagenkonzern – manche sagen, das stählt – das nötige Selbstbewusstsein mitbringt, um seine eigenen Stärken herauszustreichen.

„Klarer Blick“

Also setzt Scholz an: Er bringe die nötige Energie, die Tatkraft und den Mut mit, um die Landeshauptstadt zu regieren. Er habe bei VW „unglaublichen Erfolg in der Umsetzung“ gehabt. Er habe einen „klaren Blick“. Er sei pragmatisch, lösungsorientiert, und durchsetzungsstark. Zudem menschennah, offen und lernbereit. „Mit mir können Sie auf dem Schützenfest ein Bier trinken – oder in die Oper gehen.“ Die Liebe für das Ballett habe er von seiner Frau übernommen. Abends hört er Rockmusik – der Name der britischen Band Queen fällt – tagsüber dann doch lieber klassische Musik. Scholz ist ein Mann mit vielen Seiten, soll das wohl heißen.

Doch es soll ja um Politik gehen. Fünf Themen stellt der Kandidat heraus: Er will eine bürgernahe, moderne, digitalisierte Verwaltung. In einer alternden Gesellschaft sei eine moderne Stadt „eine Stadt, in der man gut altern kann“. Er will sich um bezahlbaren Wohnraum und eine verlässliche Kinderbetreuung kümmern. Ein vielfältiges Kulturangebot soll es auch geben, denn das zeichne eine Stadt aus. Schließlich geht es Scholz um Mobilität und Klimaschutz.

Was unterscheidet Scholz und Hansmann?

Zwei Dinge fallen dazu auf. Erstens: So ähnlich hat das auch Marc Hansmann von der SPD vor. Scholz will darauf gar nicht eingehen, sagt nur: „Es gibt kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem.“ Soll heißen: So wie bisher, mit der SPD, „kann es mit der Stadtpolitik nicht weitergehen.“ Sie können es nicht – das ist der Eindruck, den Scholz hat und wohl auch vermitteln will. Die Hannoveraner, glaubt er, „sind es leid“. Der 55-Jährige hat in den vergangenen Monaten seit Beginn der Rathausaffäre „Blockaden und undurchsichtige Strukturen“ in der Stadtverwaltung ausgemacht. „Es wäre Gift, jetzt einfach so weiterzumachen. Es braucht einen echten Neuanfang.“ Das zielt auf Hansmann.

Zweitens: Ein Automanager, aus dem VW-Konzern zumal, und Klimaschutz? Der einen T6 Diesel-Bulli mit 2 Litern Hubraum fährt? Ist das glaubwürdig? Das haben sie bei der CDU kommen sehen. „Eckhard Scholz gehört nicht in die Klimaschublade“, hatte Parteichef Oppelt schon betont, da hatte Scholz noch kein Wort gesagt.

„Ja, ich kaufe einen E-Wagen“

Scholz selbst sagt, er wolle das Radwegenetz ausbauen und sicherer machen, den öffentlichen Nahverkehr fördern und die Voraussetzungen für die E-Mobilität in der Stadt schaffen, mit einer ordentlichen Ladeinfrastruktur und sauberem Strom. „Autos sind entscheidend beim Klimaschutz in der Stadt. Die Menschen müssen sagen: Ja, ich kaufe einen E-Wagen. Dafür werde ich werben.“ Da kommt der Autoverkäufer in Scholz durch.

Eine dritte Sache wäre da noch: Der 55-Jährige lebt mit seiner Frau Cornelia in Braunschweig. Puh. Die SPD hat das am Montag sofort thematisiert. Manche sagen, das sei ein Ausweis der Nervosität bei den Genossen. „Jetzt muss sogar ein Braunschweiger einspringen“, ätzte Hannovers SPD-Chef Alptekin Kirci. Scholz, der lange auch in Hannover gewohnt hat, versichert: „Ich habe richtig Lust auf die Stadt.“ Er werde in Hannover ein Haus kaufen – egal wie die OB-Wahl ausgeht.

Lesen Sie auch: So lief die OB-Kandidaten-Präsentation von Scholz im CDU-Kreisverband am Montag.

Von Karl Doeleke

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