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Stadt Hannover Der andere Blick auf Verbrechen
Aus der Region Stadt Hannover Der andere Blick auf Verbrechen
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22:14 10.01.2015
Von Jörn Kießler
Auch im Mordfall Alexander Wart stellten die Experten der Operativen Fallanalyse den Tatort detailgetreu nach. Quelle: LKA
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Hannover

Wie häufig Olaf Hieber schon gefragt wurde, ob er ein Profiler sei, kann der 53-Jährige nicht mit Sicherheit sagen. Dennoch wird der Leiter der Operativen Fallanalytiker (OFA) des Landeskriminalamtes Niedersachsen (LKA) nicht müde, sie immer wieder detailliert zu beantworten.

„Wir arbeiten nicht wie die Ermittler in US-amerikanischen Fernsehserien“, erklärt Hieber. Man sitze nicht zusammen, erstelle eine psychische Analyse des möglichen Täters und könne danach genau sagen, um wen es sich bei dem gesuchten Mörder oder Sexualstraftäter handle. „Natürlich erstellen wir in manchen Fällen ein Täterprofil“, sagt Hieber. „Das entspricht dann aber nur einem groben Raster.“

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Die Hauptaufgabe der sechs LKA-Experten in Niedersachsen sei es aber, den Polizisten, die bei besonders schweren Straftaten ermitteln, einen anderen Blick auf die Verbrechen zu vermitteln. „Dafür bedienen wir uns bestimmter Methoden“, sagt Hieber. Der zentrale Baustein dabei ist die Analyse des Tatorts und des Tatherganges. Selbst wenn die Fälle schon Jahre zurückliegen.

Kein Fall ist je vergessen

Derzeit bearbeiten die zwei Frauen und vier Männer der OFA ein Verbrechen, das sich bereits fünf Jahre vor der Gründung der Einheit ereignete, die an die Zentralstelle Gewaltdelikte angegliedert ist. Am 25. Februar 1995 wurde der 19 Jahre alte Alexander Wart im Roderbruch erschossen. Der Auszubildende hatte sich mit einem Freund auf dem Parkplatz der BBS 14 getroffen. Wenig später bemerkten die beiden einen etwa 40 Jahre alten Mann, der einen Reifen am Auto von Wart zerstach. Als die beiden Jugendlichen den Täter darauf ansprachen, zog der Mann eine Waffe und schoss Wart dreimal in die Brust. Der 19-Jährige verblutete noch am Tatort.

Obwohl die Mordkommission mithilfe des 17-jährigen Freundes von Wart ein Phantombild des Täters erstellte und wenig später drei Verdächtige festnahm, ist die Tat bis heute nicht aufgeklärt. „Das bedeutet aber nicht, dass die Ermittler keine gute Arbeit geleistet haben“, sagt Hieber. „Manchmal enden Ermittlungen, die in eine bestimmte Richtung gehen, einfach in einer Sackgasse.“ In diesem Moment kommt die OFA ins Spiel. „Wir arbeiten die Akten durch, schauen uns den Tatort an und spielen oft mit verteilten Rollen das Verbrechen nach“, sagt Hieber. „Dann passiert es, dass wir Spuren nachgehen, die bei den ursprünglichen Ermittlungen keine große Beachtung fanden.“

OFA in aktuelle Ermittlungen einbezogen

Das muss nicht immer erst Jahre später sein. Unter anderem unterstützten Hieber und seine Mitarbeiter die Polizei dabei, als sie 2012 den Maschseemörder suchten. „Im vergangenen Jahr waren wir auch an den Ermittlungen zu dem Missbrauch eines fünfjährigen Jungen im August in Berenbostel beteiligt“, sagt Hieber. Im Oktober nahm die Polizei daraufhin den Kinderarzt Harry S. fest, der das Kind entführt und sexuell missbraucht haben soll. Wie groß der Anteil der OFA an diesem Erfolg ist, kann Hieber nicht genau sagen und auch im Bezug auf aktuelle Fälle, wie dem Raubmord im NP-Markt in Stöcken, hält sich der Leiter der Expertengruppe zurück. „Ich kann nur bestätigen, dass wir mit der Ermittlungsgruppe ,Discounter’ in Verbindung stehen“, sagt Hieber.

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