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Stadt Hannover 30.000 Euro für verpfuschte Blinddarmoperation
Aus der Region Stadt Hannover 30.000 Euro für verpfuschte Blinddarmoperation
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06:22 16.01.2015
Von Michael Zgoll
Nach OP dauerhaft geschädigt: Metin Dönder (r.). Quelle: Zgoll
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Hannover

Immerhin: Seit gestern hat der 46-Jährige beste Chancen, vom Agnes-Karll-Krankenhaus ein Schmerzensgeld von 30.000 Euro zu kassieren. Die 19. Zivilkammer des Landgerichts Hannover gestand dem Laatzener Familienvater zu, dass er zu Recht geklagt hat; das Regionsklinikum hat nun eine Woche Zeit, dem Vergleichsvorschlag von Dönders Anwalt Erol Akbulut zuzustimmen. Demnach zahlt die Klinik ihrem ehemaligen Patienten 30.000 Euro und übernimmt die Verfahrenskosten.

Das Drama beginnt Anfang November 2010. Dönder leidet unter Bauchschmerzen, kommt ins Agnes-Karll-Krankenhaus, wird dort wegen eines entzündeten Blinddarms operiert. Doch bei dem minimalinvasiven Eingriff entfernt der Chirurg fälschlicherweise ein Fettbürzel, nicht den Blinddarm. Statt den Entzündungsherd per erneuter OP zu beseitigen, wird der Patient nach knapp einer Woche entlassen - ein schwerer Fehler.

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Zehn Tage später meldet sich Dönder erneut mit starken Bauchschmerzen in der Laatzener Klinik. Bei einer zweiten Operation Ende November entfernt der Arzt den vereiterten Übergang von Dünn- und Dickdarm einschließlich Wurmfortsatz. Doch die schwerwiegenden Folgen sind auch mit der verspäteten Nachbehandlung nicht mehr zu verhindern: Es ist eine Sepsis entstanden, die Blutvergiftung hat sich bereits in der Bauchhöhle breitgemacht. Bald droht ein Multiorganversagen, in der Hohlvene vor dem rechten Herzvorhof bilden sich Blutgerinnsel. Im Dezember wird Dönder - bereits in künstlichem Koma befindlich - in die Medizinische Hochschule eingeliefert; dort entfernen Ärzte die lebensbedrohlichen Thromben. Summa summarum muss der Mechaniker sechs Operationen über sich ergehen lassen.

Über den Bauch von Dönder zieht sich nun eine 40 Zentimeter lange Narbe, in Herznähe sind die Spuren eines Zehn-Zentimeter-Schnitts unübersehbar. Der 46-Jährige kann nicht mehr schwer heben, muss ständig Thrombosestrümpfe tragen und hat erst jüngst eine Umschulung bewilligt bekommen. Die Landgerichtskammer unter Vorsitz von Martin Schulz attestierte dem Kläger gestern dauerhafte Schädigungen.

Zusätzliche Brisanz erhält dieser Fall, weil ein erster Gutachter - von der Schlichtungsstelle der Ärztekammer beauftragt - kein Verschulden des Agnes-Karll-Krankenhauses gesehen hatte. Doch die Ärztekammer selbst widersprach der Expertise, warf der Klinik eine grob fehlerhafte Behandlung vor. Gestern stützte ein vom Gericht beauftragter Sachverständiger diese Sichtweise: Die zweite OP sei viel zu spät durchgeführt worden, außerdem habe man Dönder mit falschen Medikamenten versorgt.

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