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Stadt Hannover Patient auf einem Auge blind – Vergleich mit MHH erzielt
Aus der Region Stadt Hannover Patient auf einem Auge blind – Vergleich mit MHH erzielt
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00:20 07.01.2019
Auf Anhieb kann man heute nicht erkennen, dass Torsten Scheske auf dem linken Auge völlig blind ist. Quelle: privat
Hannover

 Aufgrund unzureichender Diagnostik und einer daraus resultierenden fehlerhaften Behandlung an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) hat Torsten Scheske sein linkes Augenlicht verloren – im September 2013. Was auf die Zerstörung des Sehnervs folgte, war ein jahrelanger Rechtsstreit um Schmerzensgeld und Entschädigung; der 41-Jährige und sein Anwalt Michael Timpf forderten von der MHH eine Summe von 50.000 Euro. Jetzt wurde die juristische Auseinandersetzung am Landgericht Hannover mit einem Vergleich beendet, die Hochschule zahlt dem gelernten Kfz-Mechaniker einen namhaften Betrag.

Vieles klappt nicht mehr

Das Unglück hatte für Scheske in beruflicher Hinsicht erhebliche Konsequenzen: Er konnte nicht mehr als Mechaniker arbeiten, weil sein räumliches Sehen nicht mehr funktioniert. So absolvierte er Zusatzausbildungen, ist nun im kaufmännischen Bereich beschäftigt. Auch im Privaten führt die einseitige Erblindung zu vielen Beschwernissen. „Ich vermeide es, einkaufen zu gehen, weil das unheimlich stressig für mich ist“, erzählt der 41-Jährige, der mit Frau und drei Kindern in der Region Hannover wohnt. Flüssigkeiten in Gläser füllen musste er trainieren, Autofahren bei Regen und Dunkelheit klappt nicht mehr, beim Spielen mit den Kindern kann er keinen Ball fangen, und „es passiert häufiger, dass ich meine Frau umrenne, weil sie auf der falschen Seite steht“.

So sah das stark angegriffene Auge von Torsten Scheske im September 2013 in der MHH aus. Quelle: privat

Wie konnte es zu der Katastrophe kommen? Seit rund 20 Jahren leidet Scheske an einer Autoimmunkrankheit namens „Systemischer Lupus erythematodes“ (SLE). Es handelt sich um eine Art rheumatischer Erkrankung, die zu starken Hautveränderungen, Schwellungen und – im schlimmsten Fall – lebensbedrohlichen Entzündungen von Organen führen kann. Als er sich am Abend des 14. September 2013 auf eigene Faust in die MHH begab, hatte das einen guten Grund: Sein linkes Auge war total zugeschwollen, die Schmerzen wurden immer heftiger. Doch allzu schnell gingen die Ärzte an jenem Sonnabend davon aus, dass es sich hier „nur“ um einen akuten SLE-Schub handele. Das Blutbild wurde nur oberflächlich untersucht, ein MRT nicht gefertigt, und Scheske bekam lediglich eine Extradosis Cortison verabreicht – das er eh schon länger einnahm. So blieb der Patient über Nacht zwölf Stunden lang ohne angemessene Behandlung auf Station.

Am Sonntag stellten die Mediziner fest, dass Scheske unter einer Phlegmone litt, einer eitrigen Entzündung von Körpergewebe. Der Augapfel war durch die starke Schwellung aus der Höhle gedrückt worden, der Sehnerv irreparabel geschädigt. Eine anschließende Entlastungsoperation und das hochdosierte Verabreichen von Antibiotika – was am Vorabend vermutlich das Schlimmste verhindert hätte – konnten das Augenlicht des Patienten nicht mehr retten. „Ich möchte keinem einzelnen Arzt oder dem Pflegepersonal einen Vorwurf machen“, sagt der 41-Jährige heute. Aber in jener Nacht sei man ihm mit „freundlicher Arroganz“ begegnet, habe das System MHH versagt.

Neue Aufregung zu Weihnachten

Das Weihnachtsfest 2018 verlief für den Familienvater nochmals dramatisch, weil sich eine Gesichtsschwellung auf seine rechte Seite – mit dem gesunden Auge – ausgebreitet hatte. Doch dieses Mal ging alles gut, lagen die Mediziner der MHH mit ihrer Diagnose SLE-Schub und dem Verabreichen von Cortison richtig.

Der gerichtliche Vergleich beinhaltet auch, dass die MHH nicht mehr für mögliche Folgekosten – sollte Scheske etwa auch auf dem heute gesunden Auge seine Sehkraft verlieren – haften muss. „Andererseits war offen, ob die Kammer aufgrund weiterer augenfachärztlicher Gutachten tatsächlich zu dem Schluss gekommen wäre, dass das Auge meines Mandanten bei adäquater Behandlung tatsächlich hätte gerettet werden können“, sagt Fachanwalt Timpf. „Insofern ist der erzielte Vergleich ein gutes Ergebnis.“

Von Michael Zgoll

Unter dem Motto „Unter Nachbarn“ lädt die Stadt am Dienstag, 8. Januar, alle Einwohner zum Neujahrsempfang ein. Los geht es um 17.30 Uhr im Neuen Rathaus.

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