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Stadt Hannover Chéz Heinz will einen Neubau auf dem Gelände des Fössebads
Aus der Region Stadt Hannover Chéz Heinz will einen Neubau auf dem Gelände des Fössebads
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19:31 08.10.2019
Philipp Wagner (von links), Jürgen Grambeck und Stefan Henningsen zeigen die Fläche, auf der sie den Neubau für den Musikclub errichten möchten. Quelle: Nancy Heusel
Limmer

Der Musikclub Béi Chéz Heinz sucht nach einer neuen Perspektive: Die Betreiber wollen jetzt einen Neubau auf dem Gelände des Fössebads errichten. Für das Gebäude kalkulieren sie mit Kosten von 1,5 Millionen Euro, die sie selbst aufbringen wollen. Einen entsprechenden Vorschlag hat das Team um Geschäftsführer Jürgen Grambeck an die Stadtverwaltung und die Oberbürgermeisterkandidaten geschickt. „Wir diskutieren seit viereinhalb Jahren ergebnislos über die Zukunft des Chéz Heinz, und wir fühlen uns im Stich gelassen“, sagt Grambeck. „Alle Ideen, die wir bisher eingebracht haben, haben die Stadt und die politisch Handelnden ohne konstruktiven Gegenvorschlag abgelehnt.“

Jedes Jahr 70.000 Gäste

Die Zukunft des Clubs, den laut Grambeck rund 70.000 Gäste jährlich besuchen, hängt unmittelbar mit der Zukunft des Fössebads zusammen. In den kommenden Jahren wird dieses komplett neu gebaut, sowohl die Schwimmhalle als auch das Freibad. Das Chéz Heinz, das bisher im Keller des alten Fössebads untergebracht ist, muss ausziehen, sobald dieses abgerissen wird. Nach bisheriger Zeitplanung wäre es Ende 2022 so weit. Das Altgebäude würde so lange stehen bleiben, bis nebenan die neue Schwimmhalle fertig ist. Die Stadt erklärte dazu auf Anfrage, dass dies weiterhin Grundlage der Planungen sei. Sollte das neue Freibad auf dem Gelände zeitgleich mit dem Hallenbad gebaut werden, würden sich die Planungen weiter verzögern – und der Club hätte möglicherweise eine Frist bis 2023.

Das Chéz Heinz ist zurzeit im alten Fössebad untergebracht. Quelle: Nancy Heusel

„Wir gehen weiter davon aus, dass wir noch mehrere Jahre am bisherigen Standort bleiben können“, sagt Grambeck. Als künftigen Standort haben er und seine Kollegen die Fläche des ehemaligen Wasserspielplatzes ins Auge gefasst, der in einer östlichen Grundstücksecke nahe des Westschnellwegs zu finden ist. Laut Grambeck wird für einen Neubau des Musikclubs ein etwa 1300 Quadratmeter großer Teil des Fössebad-Geländes benötigt. „Das muss bei einer Gesamtfläche von rund 38.000 Quadratmetern problemlos möglich sein – auch wenn das neue Hallenbad und das neue Freibad gebaut werden“, sagt er. Die Stadt wollte sich auf Anfrage noch nicht näher zu den Plänen des Clubs äußern, signalisierte aber grundsätzlich Gesprächsbereitschaft. Vorrang habe auf dem Gelände jedoch der Badneubau, erklärte Sprecher Udo Möller.

Jürgen Grambeck erklärt den Lageplan: Auf der runden Fläche rechts könnte der Neubau entstehen. Quelle: Nancy Heusel

Betreiber wollen Kredite aufnehmen

Die Finanzierung des Clubneubaus, der ebenerdig sein und anderthalb Geschosse umfassen soll, wollen die Chéz-Heinz-Betreiber aus eigener Kraft stemmen. Sie planen, Kredite aufzunehmen und die Summe zur Begleichung der Schulden langfristig anzusparen. Sobald der Clubneubau stehe, könne die monatliche Pacht von rund 3000 Euro, die die Betreiber bisher an die Stadt zahlen, für die Rückzahlung der Kredite verwendet werden, erklärt Grambeck. Auch Benefiz- und Spendenaktionen oder Solidaritätskonzerte seien geplant. Nach seinen Worten macht der Club einen Jahresumsatz von 600.000 Euro und kommt ohne städtische Zuschüsse aus. Konkrete Architektenpläne für den Neubau hat das Betreiberteam noch nicht, beratend steht ihnen ein Wasserbauingenieur zur Seite. „Je früher wir handeln können, desto mehr Zeit haben wir, Gelder zu generieren“, sagt Grambeck.

Freizeitheim als Alternative?

Sollte es mit dem Neubau nicht klappen, macht das Clubteam noch zwei weitere Vorschläge: Die Stadt soll prüfen, ob ein Umzug auf das Gelände der Hannover Docks am Lindener Hafen möglich ist, wo private Investoren ein Unternehmerzentrum aufbauen – allerdings gilt im Hafengebiet derzeit ein Verbot für gastronomische Betriebe. Auch eine Unterbringung im Freizeitheim Linden bringt Grambeck ins Gespräch. Aber er betont: „Oberste Priorität hat für uns ein Neubau auf dem Gelände.“

Bruno Adam Wolf, Oberbürgermeisterkandidat für die Piratenpartei, sagte nach dem Aufruf des Chéz Heinz seine Unterstützung für das Neubauprojekt zu. Belit Onay, der für die Grünen in die Oberbürgermeisterwahl geht, hatte das Vorhaben bereits im August begrüßt.

Finanzierung des Neubaus ist ungewiss

Es sind ehrgeizige Pläne, mit denen die Betreiber des Béi Chéz Heinz an die Öffentlichkeit gehen. Einen Neubau für 1,5 Millionen Euro wollen sie errichten, um die Zukunft des Musikclubs zu sichern. Verschulden wollen sie sich, Bands sollen zugunsten des Kultkellers ohne Gage auftreten, und alle Gäste, die längst nicht nur aus Limmer kommen, sollen eifrig spenden. Die Fangemeinde ist groß, das haben in den vergangenen Jahren Onlinepetitionen und andere Solidaritätsaktionen für das Chéz Heinz gezeigt. Doch ob am Ende genug Geld zusammenkommt, um die kostspieligen Neubaupläne zu finanzieren, weiß noch niemand. Der Mut der Verzweiflung scheint bei den Plänen der Betreiber eine große Rolle zu spielen. Nach viereinhalb Jahren haben weder die Stadt noch die Politik dem beliebten und gut besuchten Club eine gangbare Lösung anbieten können. Trotz vieler Lippenbekenntnisse. Es entsteht der Eindruck, dass ein Club wie das Chéz Heinz zumindest auf einem Gelände, wo künftig ein neuer moderner Bäderkomplex entsteht, nicht mehr ins Konzept passt. Auch Geschäftsführer Jürgen Grambeck gibt sich trotz der Neubau-Offensive pessimistisch. Es wäre schade, wenn er recht behält.

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