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Stadt Hannover Stadt sperrt Spielplatz für Pokémon-Go-Spieler
Aus der Region Stadt Hannover Stadt sperrt Spielplatz für Pokémon-Go-Spieler
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00:16 28.07.2016
Von Jörn Kießler
Spieler im Maschpark: Viele Eltern sind verärgert über die Pokémon-Go-Spieler auf dem Spielplatz. Quelle: Dröse
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Hannover

Es dauert einen Moment, bis die zwei jungen Männer auf dem Spielplatz im Maschpark verstehen, was ihr Gegenüber von ihnen will. Mit weit aufgerissenen Augen hören sie dem Mitarbeiter der Grünflächenverwaltung eine Zeitlang konzentriert zu, dann nicken sie, packen stumm ihre Sachen zusammen und schlurfen zum Ausgang des Spielplatzes.

Die Stadtverwaltung ist in einer Zwickmühle: Einerseits freut sie sich, dass ungezählte Spieler im Maschpark das neue Trendspiel Pokémon Go gemeinsam zelebrieren. Andererseits blockieren die Pokémon-Fans den Spielplatz – der ist eigentlich für kleine Kinder und ihre Eltern da, nicht für herumsitzende Handygamer. Die Stadtspitze hat sich jetzt aufgerafft und zwei Mitarbeiter beauftragt, die Pokémon-Spieler freundlich des Platzes zu verweisen. Am Montag hat es die ersten Appelle gegeben. Wie lange sie halten, muss sich zeigen.

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„Wir freuen uns ja, dass so viele Pokémon-Go-Spieler den Weg in unsere schönen Parks gefunden haben“, erklärt Stadtsprecher Dennis Dix die Aktion. Man wolle „auf nette Art an die jungen Menschen appellieren, dass sie sich an gewisse Regeln halten sollen und nicht überall uneingeschränkt spielen können“. Es habe Beschwerden von Eltern gegeben, weil ihr Nachwuchs angesichts der Masse an Pokémon-Fans den Spielplatz selbst nicht mehr habe nutzen können. Auch habe es häufig morgens viel Müll auf dem Spielplatz gegeben wie Zigarettenkippen und -schachteln sowie Flaschen.

Der Spielplatz im Maschpark und die Flächen nordwestlich davon sind seit Inbetriebnahme des Spiels vor etwa drei Wochen ein wahrer Hotspot, weil dort gleich drei sogenannte Poké-Stops positioniert sind. Das sind Stationen, an denen die Spieler beispielsweise Spielbälle sammeln können, die sie zum Einfangen der virtuellen Monster benötigen. Zudem bieten Poké-Stops die Möglichkeit, in der virtuellen Parallelwelt Köder auszulegen, mit denen Pokémons angelockt werden. Wer das Spiel nicht auf dem Handy installiert hat, kann von alldem nichts sehen – die Tausenden Computerspieler aber fühlen sich bei ihrer Monsterjagd geradezu magisch angelockt. Folglich versammelt sich dort auch die Gamer-Community.

„Nur Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren mit ihren Begleitern dürfen sich tagsüber auf dem Spielplatz aufhalten“, heißt es jetzt auf der Internetseite der Stadt. Am Montag verliehen die beiden Mitarbeiter des Fachbereichs Umwelt und Stadtgrün der Bitte an die Pokémon-Go-Spieler dann noch einmal freundlich Nachdruck. In Zivil gingen sie lächelnd von Gruppe zu Gruppe und baten die Pokémon-Go-Spieler den Spielplatz zu verlassen. „Theoretisch gibt es auch die Möglichkeit ein Ordnungsgeld zu verhängen, das wollen wir aber eigentlich nicht“, sagt Dix.

Nicht bei allen stößt der freundliche Platzverweis auf Verständnis. „Wir stören hier doch niemanden“, sagt einer: „Auf dem Spielplatz sind ohnehin kaum Kinder.“ Ein anderer macht sogar die Stadt selbst für die zweckentfremdete Nutzung des Spielplatzes verantwortlich. „Würde die Verwaltung mehr Bänke im Park aufstellen, dann müssten wir nicht auf den Spielplatz“, sagt er und ergänzt: „Und wenn sie schon dabei sind – ein kabelloser Internetzugang wäre auch nicht schlecht.“

Alle Informationen über Pokémon-Go finden Sie auf unserer Themenseite.

Bernd Haase 28.07.2016
25.08.2016