Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Stadt Hannover Wie viel Wahrheit steckt in Krimis?
Aus der Region Stadt Hannover Wie viel Wahrheit steckt in Krimis?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:14 16.08.2019
Auf welcher Seite der Macht stehen sie? Kriminaloberrat Lars Wistuba (von links), Jens Kramer, Vorsitzender des Syndikats, Autor und LKA-Profiler Carsten Schütte, Krimiautorin Brigitte Glaser, Verleger Carsten Holzendorff sowie Veranstalter Volker Petri. Quelle: Lisa Neugebauer
Hannover

Wenn Krimi-Autoren und Polizeibeamte aufeinander treffen, kommen die Fragen auf den Tisch, die Leser von Kriminalromanen wirklich beschäftigen: Ermitteln die Romanhelden so wie echte Komissare? Sind die Motive im wahren Leben auch häufig Eifersucht oder Geldgier? Und haben Ermittler alle eine dunkle Vergangenheit, die durch die Arbeit an einem Fall wieder ans Licht kommt?

All diese Fragen klärten sich in einer sehr unterhaltsamen Podiumsdiskussion am Donnerstagabend, die von Decius-Buchhändler Volker Petri im Vorfeld des Krimifests in Hannover, das im September stattfindet, angestoßen wurde. In der Runde hatten sich Kriminaloberrat Lars Wistuba, Jens Kramer, Autor und Vorsitzender des Krimiliteratur-Vereins Syndikat, LKA-Profiler und Autor Carsten Schütte, Krimiautorin Brigitte Glaser, Verleger Carsten Holzendorff und Petri selbst versammelt. HAZ-Redakteur Jan Sedelies moderierte die Veranstaltung, zu der etwa 70 Zuhörer gekommen waren.

In der Diskussion werden viele Fragen geklärt. Quelle: Lisa Neugebauer

Besonders spannend für die Diskussion: Autor Schütte schreibt nicht nur Kriminalgeschichten, sondern arbeitet zuallererst in der sogenannten operativen Fallanalyse des Landeskriminalamtes. „Wenn ich das sage, weiß immer niemand was ich mache“, sagte er. „Dann sage ich, ich bin Profiler – das kennen die meisten aus dem Fernsehen. Was ich dann mache, wissen sie aber immer noch nicht.“

„Fiktive Ermittler müssen gegen Regeln verstoßen“

Um darüber aufzuklären, schreibt er fiktive Geschichten. Eine davon präsentierte er auch dem Publikum in der Alten Polizeikantine. Dabei wurde klar: So ganz dem Stil, den man aus anderen Krimis kennt, entspricht die Schreibweise von Schütte nicht. Während andere Autoren etwa das einfallende Licht oder den Geruch am Tatort beschreiben, interessiere sich der LKA-Mitarbeiter nicht dafür. „Bei mir geht es nur um den Fall.“

Carsten Schütte liest aus seinem Buch "Pelikan". Quelle: Lisa Neugebauer

Vor allem um die Personen gehe es hingegen in ihren Kriminalromanen, sagten die Autoren Kramer und Glaser. Neben deren Lebensgeschichten überlegten sich die Schöpfer auch die Probleme, die die Ermittler mit sich herumtragen. „Der Krimi lebt von Spannung und von konfliktreichen Situationen“, sagte Glaser. „Dafür müssen die Ermittler auch schon mal gegen Regeln verstoßen und Geheimnisse haben, die nicht aufgedeckt werden sollen.“

Echte Ermittler bauen ein Beweisgerüst auf

Im wahren Leben wäre das eine Katastrophe, machte Kriminaloberrat Wistuba deutlich. Da werde man aus Gerechtigkeitssinn Polizist, nicht wegen seiner eigenen Probleme, die man aufarbeiten muss. „Wir müssen ein Beweisgerüst aufbauen, da geht es um Fakten“, sagt Wistuba. Intuition sei dabei gefährlich, da sie in eine falsche Richtung führen könne. Auch Verhöre seien immer vorschriftsgemäß. „Keiner riskiert, dass das Beweisgerüst wegen unlauterer Methoden zusammenbricht“, sagte der Kriminaloberrat. „Es ist ein bisschen wie bei Star Wars: Man muss immer wissen, auf welcher Seite der Macht man steht.“

Kriminaloberrat Lars Wistuba (links) erklärt, wie echte Kriminalarbeit geht. Quelle: Lisa Neugebauer

Am Ende können sich alle Anwesenden darauf einigen, dass sowohl Krimiautoren als auch Polizisten „ihr Handwerk beherrschen und immer dazulernen müssen“, wie es Wistuba zusammenfaste. Viel gemeinsam hätten Realität und Fiktion allerdings nicht.

Das Krimifest findet von 3. bis zum 19. September mit vielen Lesungen und Veranstaltungen in Hannover und Region statt. Im kommenden Frühling, vom 14. bis 18. April 2020, gastiert dann die Criminale, das größte Krimifest Deutschlands, in Hannover.

Von Lisa Neugebauer

Anwohner des Moltkeplatzes sind empört: Die Stadt Hannover will im Zuge der Umgestaltung des Platzes vier Linden an der Ferdinand-Wallbrecht-Straße in der List fällen. Mit einer Unterschriftenaktion wehren sich die Bürger dagegen.

16.08.2019

Für das neue Studentenwohnheim „Hain 114“ in Hainholz ist der Grundstein gelegt. Das 13-stöckige Hochhaus soll in 241 Apartments Platz für 255 Mieter bieten – und einige Extras gibt es auch.

16.08.2019

Halteverbot auf Rad-Schutzstreifen, E-Scooter-Freigabe auf Busspuren: Die Vorschläge von Minister Scheuer für eine Reform der Straßenverkehrsordnung lösen in Hannover Diskussionen aus.

16.08.2019