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Stadt Hannover Wer wurde schon mal diskriminiert?
Aus der Region Stadt Hannover Wer wurde schon mal diskriminiert?
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00:15 03.02.2014
Klare Antwort: Mehr als die Hälfte der Zuhörer der Podiumsdiskussion hoben bei der Frage, wer schon mal vor der Diskotür diskriminiert wurde, die Hand.
Klare Antwort: Mehr als die Hälfte der Zuhörer der Podiumsdiskussion hoben bei der Frage, wer schon mal vor der Diskotür diskriminiert wurde, die Hand. Quelle: Surrey
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Hannover

Die Türkische Gemeinde Niedersachsen hatte in Kooperation mit der HAZ in die Bürgerschule Stadtteilzentrum Nordstadt eingeladen um mit Politik, Stadt und Experten über Rassismus im hannoverschen Nachtleben zu sprechen.

Das Thema war Anfang des Jahres erneut aufgekommen, nachdem die HAZ einen Test an den Diskotüren an Steintor und Raschplatz durchgeführt hatte. Damals war die Testperson, ein 27-Jähriger, der ursprünglich aus Sri Lanka stammt, an mehreren Klubs und Bars abgewiesen worden, während eine deutsch aussehende Testperson Zutritt erhielt. Am Donnerstag fragte HAZ-Moderator Jan Sedelies das Publikum direkt: „Wer von Ihnen wurde an der Diskotür schon selbst diskriminiert?“ Mehr als die Hälfte der etwa 100 Besucher hob die Hand.

Bereits 2003 hatte die HAZ einen ähnlichen Test durchgeführt. „Auch damals wurde darüber viel diskutiert“, sagte Lothar Schlieckau, Grünen-Vorsitzender Ratsfraktion. „An der Realität hat sich dadurch aber nicht viel geändert.“ Als Grund dafür machte Lars Kelich (SPD), Sprecher des Internationalen Ausschusses, die fehlende Drucksituation aus. „Wenn es keine öffentliche Diskussion gibt, wird nicht gehandelt.“

Ein weiterer Grund ist die Uneinigkeit im Rat der Stadt, ob die Betreiber der Diskos und Bars rechtlich für Diskriminierung an der Tür belangt werden können. „Bei dem Treffen mit Dehoga, Stadtverwaltung und anderen Initiativen vor einer Woche wurde uns vom Gaststättenverband ganz klar gesagt, dass es bereits die Möglichkeit gebe, gegen Klubs vorzugehen“, sagte Maximilian Oppelt, stellvertretende Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Hannover Stadt. „Deshalb verstehe ich nicht, warum das nicht geschieht oder zumindest geprüft wird.“

Die Probleme, die einem solchen rechtlichen Vorgehen gegen die Kneipenbetreiber gegenüberstehen, erläuterte der Integrationsbeauftragte der Verwaltung Günter Max Behrendt. „Die Stadt hat die Möglichkeit, den Gastronomen ihre Zulassung zu entziehen“, erklärte er. „Doch dafür muss sie wirklich handfeste Beweise haben.“ Diese zu sammeln sei aufwendig. „Man müsste mindestens drei dokumentierte Fälle haben, um als Stadt damit vor Gericht ziehen zu können“, sagte Behrendt.

So bleibt den Betroffenen bisher nur die Möglichkeit, sich bei der Antidiskriminierungsstelle zu beschweren. „Doch die Hemmschwelle an einem Montag ins Rathaus zu gehen und einen Vorfall, der am Sonnabend oder sogar schon am Freitagabend war, zu melden, ist extrem hoch“, so der Integrationsbeauftragte. Die Betroffenen würden daher dazu neigen, den Abend abzuhaken.

„Genau das ist das Schlimme an der Diskriminierung, die nicht nur an der Diskotür, sondern tagtäglich an ganz vielen Stellen stattfindet“, sagte Cordula von Denkowski, Psychologin der Hochschule Hannover. „Die Diskriminierten ziehen sich immer mehr zurück und fangen oft selbst an, andere zu diskriminieren.“ Studien belegten, dass vor allem junge, männliche Migranten nach Abweisungen ein aggressives Verhalten an den Tag legen würden. „Das entspricht dann dem stereotypen Bild von ihnen und verstärkt die Diskriminierung“, sagte von Denkowski.

Eine Methode, dies zu verhindern, sei, den Abgewiesenen direkt die Möglichkeit zu geben, sich über die Behandlung an der Diskotür zu beschweren. Die Idee, eine Anlaufstelle für Betroffene einzurichten, die am Wochenende auch nachts besetzt ist, hieß auch die Politik gut. Zudem wolle man in Rat und Stadtverwaltung prüfen, ob, und wie ein rechtliches Vorgehen gegen diskriminierende Klub-Betreiber in Hannover möglich sei.

Das Diskriminierungstelefon

Die Antidiskriminierungsstelle (ADS) der Stadt Hannover hat den Auftrag, sich mit Ungleichbehandlung von Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Hautfarbe oder Religion, ihres Geschlechts oder Alters, einer Behinderung oder ihrer sexuellen Orientierung zu beschäftigen. Die ADS berät Personen, die diskriminiert wurden, aber auch Zeugen einer Diskriminierung. Termine können unter der Telefonnummer (05 11) 16 84 12 35 vereinbart werden.

Von Jörn Kießler

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