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Stadt Hannover Aufklärung zu MHH-Fehlplanungen gefordert
Aus der Region Stadt Hannover Aufklärung zu MHH-Fehlplanungen gefordert
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00:15 06.02.2017
Von Andreas Schinkel
Kein Plan? Eigentlich sollte die MHH ein neues Laborgebäude haben und die Radiologie saniert sein. Aber beide Projekte kommen nicht voran. Quelle: Martin Steiner
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Hannover

Die Reihe von baulichen Fehlern bei der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) führt zu politischem Wirbel im Landtag. CDU und FDP fordern die rot-grüne Landesregierung auf, die Vorfälle zu erklären. „Wir haben eine offizielle Unterrichtung im Wissenschaftsausschuss beantragt“, sagt der CDU-Landtagsabgeordnete Dirk Toepffer. Durch die Fehler im Baumanagement werde der hervorragende medizinische Ruf der Klinik konterkariert. „Das schadet dem Wissenschaftsstandort Hannover“, sagt Toepffer. Auch die SPD fordert Aufklärung. Die Vorfälle seien insgesamt „ärgerlich“. „Wir müssen herausfinden, was genau schiefgelaufen ist“, sagt Grünen-Hochschulexperte Ottmar von Holtz.

Im niedersächsischen Wissenschaftsministerium gibt man sich zerknirscht und gelobt Besserung. „Die fehlerhaften Planungsabläufe machen deutlich, dass die bisherigen Planungs- und Aufsichtsstrukturen der Komplexität von Baumaßnahmen im Bereich der Hochschulmedizin nicht gewachsen sind“, teilt Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic mit. Man habe daraus die Konsequenz gezogen, Verfahrensabläufe und Aufsichtsstrukturen neu zu regeln.

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Die MHH ist ein Landesbetrieb, federführend bei Baumaßnahmen ist das staatliche Baumanagement, eine Behörde des Landes. Es gehört zum Finanzministerium. Aber auch die MHH unterhält eine kleine Bauabteilung. Die Planungen für die beiden zur Debatte stehenden Mängel reichen mehrere Jahre zurück und fallen noch in die Zeit der schwarz-gelben Landesregierungen.

Die MHH hat 2008 begonnen, ein neues Laborgebäude zu entwerfen. 2014 war der 30-Millionen-Euro-Bau fertig, konnte aber nicht genutzt werden, weil es Probleme mit der Stromversorgung gab. Jetzt steht das Labor länger als zwei Jahre leer. MHH-Kenner beziffern die Unterhaltskosten für den Leerstand auf 300 000 Euro pro Jahr. Erst im Frühjahr 2018 soll das Gebäude bezogen werden können.

Auf Nachfrage der HAZ verweist die MHH darauf, dass die Gemengelage, die zur Verzögerung geführt habe, schwierig sei. „Wir betreiben keine Schuldzuweisung“, sagt Kliniksprecher Stefan Zorn. Damit spielt er auf die Problematik an, dass am Ende kaum auszumachen ist, wer für Fehler verantwortlich gemacht werden kann - die MHH oder die staatlichen Baumanager. Wissenschaftsministerin Heinen-Kljajic sagt, dass zum Zeitpunkt der Planung noch nicht feststand, welches Labor-Analysesystem im Gebäude installiert werden sollte. Die Beteiligten gingen daher nur von Annahmen aus, wie viel Strom benötigt werde. „Auf dieser Grundlage hätte ein Baubeginn aus heutiger Sicht nicht erfolgen dürfen“, sagt die Ministerin.

Viel Geld ohne erkennbaren Nutzen ist für ein weiteres Bauvorhaben ausgegeben worden: 2007 hat die Klinik begonnen, Pläne für eine Aufrüstung ihrer Radiologie zu entwickeln. Die Klinik nannte das Projekt „Strategische Partnerschaft Imaging Center (SPIC)“. 2013 verabschiedete sie sich von dem Vorhaben - da war bereits mehr als eine Million Euro in die Planungen geflossen. Die MHH will auf Nachfrage nicht von Fehlplanung beim SPIC sprechen. Vielmehr handele es sich um eine „Planung, die nicht realisiert wurde“.

Für den Bund der Steuerzahler ist der Fall klar: Hier wurde Steuergeld verschwendet. „Bevor mehr Geld in Bauprojekte der MHH fließt, muss geprüft werden, wo der Fehler im System liegt“, sagt Haushaltsreferent Gerhard Lippert.

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