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Stadt Hannover „Wir haben die Rockerszene gut im Blick“
Aus der Region Stadt Hannover „Wir haben die Rockerszene gut im Blick“
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08:34 04.12.2016
Von Tobias Morchner
„Die Ultra-Szene ist dabei, den Fußball in Misskredit zu bringen“: Polizei-Vizepräsident Jörg Müller. Quelle: Alexander Körner
Hannover

Jörg Müller ist seit dem 1. August
 Vizepräsident der Polizeidirektion Hannover. Der 50-Jährige ist verheiratet, hat zwei erwachsene Töchter und lebt im Landkreis Gifhorn. Seinen neuen Arbeitsplatz kennt er gut. Von 1994 an hatte er verschiedene Führungspositionen in der Polizeidirektion übernommen, unter anderem die Leitung der Pressestelle. Entspannung von seinem Beruf findet er am schnellsten im Kreis seiner Familie. „Zum Saxofonspielen komme ich derzeit noch nicht, aber wieder zum Laufen. Ich habe mir vorgenommen, im April beim Marathon in Hannover dabei zu sein. Ob es ein ganzer oder nur ein halber wird, hängt davon ab, wie regelmäßig ich zum Trainieren komme“, sagt Müller.

HAZ: Herr Müller, seit rund 100 Tagen sind Sie nun im Amt, kennen die Polizeidirektion aber bereits von früheren Stationen. Wie war die Rückkehr?

Jörg Müller: Angenehm, allerdings hat sich die Arbeit der Behörde deutlich verändert. Die Anforderungen an die Polizei haben sich seit Mitte der Neunzigerjahre, als ich zum ersten Mal hier war, bis heute deutlich verändert. Die Informationstechnologie hat sich rasant weiterentwickelt, die digitale Welt ist im Vormarsch, das ist beispielsweise an den sozialen Medien festzustellen. Auch Phänomene der Kriminalität haben sich verändert, zum Beispiel Cybercrime. Gesamtgesellschaftliche Anforderungen an die Polizei haben sich ebenfalls verändert, nehmen Sie nur den Umgang mit der Flüchtlingskrise.

Thema Fußball: Wie beurteilen Sie die hannoversche Ultra-Szene?

Wir müssen immer wieder zur Kenntnis nehmen, dass sie die Gewalt suchen - wie kürzlich in Hildesheim vor dem Derby gegen Braunschweig. Das gefällt mir überhaupt nicht. Die Ultra-Szene ist dabei, den Fußball insgesamt in Misskredit zu bringen, so bewerte ich das. Sie arbeitet daran, dass sie eventuell bestimmte Spiele gar nicht sieht. Das kann eigentlich nicht das Ziel eines Ultras sein. Aber auch wenn Fronten zwischen Ultra- und Hooliganszene und der Polizei bestehen: Man darf nie sprachlos werden. Wir werden also auch vor dem Heimspiel-Derby den Dialog suchen mit dem Fanprojekt, mit den Fanbeauftragten, mit dem Verein und all denjenigen, die mit der Polizei in Kontakt treten wollen.

Das Rückspiel gegen Braunschweig in Hannover soll nach jetzigem Stand am Ostersonntag, also mitten in den Osterferien, stattfinden. Das bedeutet zusätzliche Einschränkungen für die sowieso schon hoch belasteten Einsatzkräfte. Können Sie als Polizei an dem Termin noch etwas ändern?

Wir haben jetzt dem Ministerium für Inneres und Sport geschrieben und darum ersucht, dass man sich auf hoher politischer Ebene dafür einsetzt, dieses Hochrisikospiel zu verschieben. Ob das gelingt, das wird man sehen.

Nächstes wichtiges Thema für Sie ist Hannovers Rockerszene. Wie stellt sich da die Lage für Sie dar?

Wir haben die Szene wirklich gut im Blick. Die Abwesenheit von Frank Hanebuth hat nicht dazu geführt, dass es hier Veränderungen gegeben hat. Nach wie vor ist sein Einfluss da, aber Herr Hanebuth weiß auch, was wir als Polizei von ihm erwarten. Wir sehen ihn als Gewerbetreibenden, und mit Gewerbetreibenden spricht die Polizei. Auch die Türsteher-Szene wird von uns angesprochen. Sie akzeptiert, dass die Polizei die Ordnungsmacht ist und Recht und Gesetz durchsetzt. Auch bei einer vollständigen Rückkehr Frank Hanebuths nach Hannover würde sich an der Situation aus unserer Sicht nichts ändern. Wir gehen nicht davon aus, dass wir zurückfallen werden in alte Zeiten.

Nach einer Umfrage der Stadt fühlen sich Bürger in manchen Stadtteilen nicht sicher. Deckt sich das mit der polizeilichen Kriminalitätsstatistik?

Die Ergebnisse der Umfrage haben mich zum Teil überrascht. Hannover ist kein gefährliches Pflaster. Die Stadt und das Umland sind sicher. Wenn ich mir die Werte für Mühlenberg, Vahrenheide und Sahlkamp ansehe, deckt sich das Ergebnis der Umfrage mit der polizeilichen Kriminalstatistik allerdings nicht. In Mühlenberg haben wir zum Beispiel eine Aufklärungsquote von fast 60 Prozent. Subjektive Sicherheit hängt von mehreren Faktoren ab. Sie ist nicht ausschließlich an der objektiven Kriminalitätslage zu messen, sondern zum Beispiel auch an der eigenen Sozialisation. Wir nehmen solche Umfragen ernst und sehen sie uns genau an.

Die Polizei könnte auch die Kriminalstatistik für alle Stadtteile veröffentlichen, um das subjektive Sicherheitsempfinden zu stärken. Warum tut die Behörde das nicht?

Seit 2012 erfassen wir diese Zahlen bereits, sodass wir zum Ende des Jahres Daten von einem Fünf-Jahres-Zeitraum vorliegen haben, aus denen man auch Entwicklungen ablesen kann. Zum möglichen Mehrwert werden wir uns aber zunächst mit Experten aus Wissenschaft und Praxis sowie unseren Netzwerkpartnern, beispielsweise der Stadt, beraten. Die Grenzen der Zuständigkeiten unserer Dienststellen sind nicht deckungsgleich mit den Stadtteilgrenzen. Das müssen wir in das richtige Verhältnis setzen, um die richtigen Schlüsse daraus ziehen zu können.

Welchen neuen Aufgaben muss sich die Polizei in kommenden Jahren stellen?

Einigen - nehmen Sie nur den Bereich der Verkehrssicherheitsarbeit. Uns liegen jetzt die ersten Lagebilder im Bereich Elektromobilität vor, also von Unfällen auch älterer Menschen mit E-Bikes, die die neuen Geräte zum Teil selbst nicht einschätzen können, die aber auch von den anderen Verkehrsteilnehmern nicht eingeschätzt werden können, weil sie so leise sind. Da haben wir ein riesiges Feld vor uns. So wird man irgendwann auch über die Frage einer Helmpflicht für E-Biker reden müssen.

Interview: Tobias Morchner

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