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Stadt Hannover 272 Strafverfahren nach Niedersachsen-Derby
Aus der Region Stadt Hannover 272 Strafverfahren nach Niedersachsen-Derby
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19:53 21.10.2014
Von Tobias Morchner
Rund um das Spiel war es zu Ausschreitungen gekommen.
Rund um das Spiel war es zu Ausschreitungen gekommen. Quelle: Archiv
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Hannover

Das Derby des Bundesligisten Hannover 96 gegen den Rivalen Eintracht Braunschweig im November 2013 ist ein trauriger Tiefpunkt in Hannovers Fußballgeschichte – jetzt hat die Polizei ihren Abschlussbericht zu den Ausschreitungen der im Umfeld des Spiels abgeschlossen. Die Bilanz: Insgesamt leiteten die Ermittler 272 Strafverfahren unter anderem wegen Körperverletzung, Landfriedensbruch und Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz ein. 105 Tatverdächtige konnten identifiziert werden. Einigen von ihnen wird mehr als ein Vergehen zur Last gelegt. Hannover 96 hat im Zusammenhang mit den Ermittlungen bereits 14 weitere Stadionverbote verhängt. Nach Angaben der Polizei prüft der Verein, ob noch weitere Strafmaßnahmen dieser Art ausgesprochen werden können.

Rund um das Niedersachsenderby am 8. November 2013 war es in der Stadt sowie vor und im Stadion zu zum Teil heftigen Straftaten gekommen. So hatten Eintracht-Anhänger nach ihrer Ankunft mit einem Sonderzug Schweineköpfe und Innereien auf den Bahnsteig geworfen. Anschließend versuchten die Fußballchaoten aus Braunschweig den Südeingang der Arena zu stürmen. Auf der Nordseite unternahmen gewaltbereite 96-Anhänger ähnliche Anstrengungen. Die Ordnungshüter mussten Wasserwerfer und Pfefferspray einsetzen, um zu verhindern, dass Fans beider Vereine aufeinander losgingen. Im Fanblock von Hannover 96 wurde nahezu während der gesamten 90 Spielminuten Pyrotechnik abgebrannt. Im Gästeblock bot sich ein ähnliches Bild.

Obwohl die Täter sich zum großen Teil auf den Rängen vermummt hatten, gelang es der Polizei dennoch, durch die Auswertung der Bilder der Videokameras in der Arena, einzelne Straftäter zu überführen. Im Zuge der Ermittlungen durchsuchten die Polizisten insgesamt 22 Wohnungen von einschlägig bekannten Fußballrowdys. Dabei fanden 17 Razzien in Hannover und fünf in Braunschweig statt. Die Kripo stellte unter anderem Computer, Pyrotechnik und Graffiti-Utensilien sicher. Neben den strafrechtlichen Konsequenzen müssen die Verdächtigen auch mit zivilrechtlichen Folgen ihrer Taten rechnen. Der Deutsche Fußball Bund hatte Hannover 96 wegen der Ausschreitungen zu einer Strafe von 50.000 Euro und zu weiteren Auflagen in Höhe von weiteren 50.000 Euro verurteilt. Bereits in der Vergangenheit war es den Roten gelungen, sich diese Gelder auf zivilrechtliche Weise von den Tätern erstatten zu lassen.

Nach Angaben der Polizei führten die intensiven Ermittlungen und die Einleitung der Strafverfahren auch dazu, das sich ein großer Teil der sogenannten aktiven Fanszene, darunter auch die Ultras, von der Bundesliga-Mannschaft abgewendet hat und derzeit regelmäßig die Spiele des Regionalligateams der „Roten“ besucht.

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