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Stadt Hannover Polizei will Randale am Bahnhof verhindern
Aus der Region Stadt Hannover Polizei will Randale am Bahnhof verhindern
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10:42 04.02.2012
Von Tobias Morchner
Foto: Polizisten und Fußballanhänger am hannoverschen Hauptbahnhof.
Polizisten und Fußballanhänger am hannoverschen Hauptbahnhof. Quelle: Martin Steiner
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Hannover

Die Wochenenden im Terminkalender von Klaus-Peter Jördening sind fast alle bunt markiert. Einige rote, viele gelbe und wenige grüne Balken verteilen sich über die Sonnabende und die Sonntage des Jahres. Der Leiter der Bundespolizeiinspektion im hannoverschen Hauptbahnhof kann so auf einen Blick erkennen, ob er sich auf ein ruhiges oder ein raues Fußballwochenende einstellen muss. An diesem Wochenende ballen sich die bunten Balken in Jördenings Terminkalender wieder einmal ganz besonders. Denn am Sonnabend reisen Fußballfans nach Aachen, Wolfsburg und Berlin, um dort jeweils Spiele und Stimmung zu genießen. Die kann schon zuvor in Randale ausarten – beim Umsteigen oder beim Aufbruch in Hannovers Hauptbahnhof.

Jördening hat im Umgang mit solchen Risiken freilich schon Routine. Denn an fast jedem Wochenende verwandelt sich der Hauptbahnhof wie wohl kaum ein anderer in ganz Deutschland zu einem Drehkreuz der reisenden Fußballfans, unter denen so einige als gewalttätig einzustufen sind. Ihnen geht es in erster Linie nicht um die sportliche Auseinandersetzung auf dem Platz, sondern um Angriffe auf gegnerische Fans. Im Internet kursieren regelrechte Hitlisten über die von ihnen angezettelten Schlägereien.

Die Farben in Jördenings Terminplaner markieren die Brisanz, die von den Anhängern der jeweils aufeinandertreffenden Mannschaften der ersten bis vierten Liga ausgeht. Von den Fans der rot markierten Teams geht den Einschätzungen der Beamten zufolge die meiste, von denen der grün gekennzeichneten Klubs die geringste Gefahr aus. „Nicht alles ist jedoch prognostizierbar“, sagt Klaus-Peter Jördening. Vor zwei Wochen wurden die Einsatzkräfte im Bahnhof von dem Angriff der Anhänger von Rot-Weiß Erfurt auf die des 1. FC Köln überrascht. Fünf Beamte wurden beim Versuch verletzt, die sich prügelnden Gruppen zu trennen.

160 fußballbedingte Polizeieinsätze in der vergangenen Saison

Allein in der vergangenen Saison hat die Bundespolizei in Hannover 160 sogenannte fußballbedingte Einsätze verzeichnet. 35.000 Arbeitsstunden wendete die Behörde auf,  um Schlägereien zwischen Fußballfans beim Umsteigen während der An- und Abreise zu unterbinden. „Das ist Zeit, die uns an anderer Stelle fehlt – etwa beim Kampf gegen den Taschendiebstahl rund um den Bahnhof“, sagt Jördening. An diesem Wochenende steigen Fans aus Mönchengladbach, Braunschweig, Rostock und Bremen in Hannover um, möglicherweise auch die Anhänger von St. Pauli auf ihrem Weg zum Spiel nach Aachen. Dazu kommen die 96-Fans, die zum Auswärtsspiel in Berlin zum Teil ebenfalls die Bahn benutzen. Angesetzt war zudem auch die Begegnung Osnabrück gegen Rot-Weiß Erfurt, bei der die Fans aus Thüringen ebenfalls über die niedersächsische Landeshauptstadt angereist wären. Doch dieses Spiel wurde kurzfristig wetterbedingt abgesagt. Alle Gruppen, die oft zeitgleich am Bahnhof eintreffen, haben in der Regel knapp 30 Minuten Zeit, sich zu versorgen und das Gleis zu wechseln, um ihre Anschlusszüge zu erreichen. „Wir müssen gewährleisten, dass diese Fans nicht aufeinandertreffen“, sagt Inspektionsleiter Jördening.

Dabei geht es längst nicht nur um die Anhänger der Bundesligisten. Die steigende Gewaltbereitschaft einiger sogenannter Fußballfans setzt sich auch in den unteren Ligen fort. „Gewaltbereite Fangruppierungen gibt es beispielsweise auch in Emden und in Oldenburg“, sagt Rainer Langer, der Beauftragte des Innenministeriums für die Sicherheit im Fußball. Karl Rothmund, der Präsident des Niedersächsischen Fußballverbandes, der von vereinzelten handfest ausgetragenen Rivalitäten auch in der Oberliga und der Kreisliga zu berichten weiß, fordert deshalb, dass auch die Vereine ihren Beitrag zur Sicherheit bei den Spielen leisten sollen: „Die Vereine müssen auch in den unteren Spielklassen geschulte Sicherheitskräfte haben.“

Schünemann: Bahn soll keine gewaltbereiten Fans mehr befördern

Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) findet noch deutlichere Worte. Gewaltbereite Ultras, so nennt sich eine besonders verschworene Fangruppe, seien keine Fans, sondern autonome Fußballchaoten. Von denen dürfe man sich nicht den Spaß an dieser Sportart nehmen lassen. Schünemann will deshalb durchsetzen, dass die Bahn zukünftig keine gewaltbereiten Fans mehr in ihren Zügen befördert. Zudem sprach er sich am Freitag nach einem Gespräch mit dem Niedersächsischen Fußballverband und der Deutschen Polizeigewerkschaft in Barsinghausen für ein generelles Alkoholverbot in allen Nahverkehrszügen an Spieltagen der Bundesligen aus. „Das Beispiel Hamburg hat gezeigt, dass so etwas umsetzbar ist, die Üstra in Hannover sollte sich überlegen, ob ihre derzeitige Zurückhaltung in diesem Punkt sinnvoll ist“, sagt der Innenminister. Die Üstra lehnt derzeit ein generelles Alkoholverbot in den Stadtbahnen mit dem Hinweis ab, man könne die Einhaltung einer solchen Regel nicht kontrollieren. Bei der Deutschen Bahn wird zwar seit einiger Zeit über ein mögliches Alkoholverbot in Zügen diskutiert. Die Forderung nach dem Beförderungsverbot für gewaltbereite Fans will man im Unternehmen derzeit offenbar nicht diskutieren: „Wir finden es auch nicht gut, dass sich einige unserer Kunden nicht so benehmen wie andere, aber wir können uns doch nicht einfach weigern, sie mitzunehmen“, sagt eine Sprecherin.

Aus Sicht von Bundespolizist Klaus-Peter Jördening wäre es bereits eine Entlastung für seine Kollegen, wenn den Fans bestimmter Vereine, die regelmäßig in den Konflikt mit der Polizei geraten, die Möglichkeit genommen wird, an Tickets für die Auswärtsspiele zu kommen. „Es gibt statistisch gesehen drei bis vier Vereine, die deutlich mehr Polizeieinsätze verursachen als andere, dazu gehören Rostock, Dresden und Eintracht Frankfurt“, erklärt der Inspektionsleiter.

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