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Stadt Hannover Land muss für verletzte Haflinger zahlen
Aus der Region Stadt Hannover Land muss für verletzte Haflinger zahlen
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07:19 04.06.2015
Von Michael Zgoll
Mögen Hubschrauber nicht: Die Haflinger Andy und Alibaba. Quelle: Foto: privat
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Hannover

Das plötzliche Auftauchen eines Polizeihubschraubers und der Lärm von Motor und Rotor hatte die Pferde scheu gemacht. Andy und Alibaba vergaloppierten sich, Andy zog sich beim Überspringen und Umreißen mehrerer Zäune Schnittwunden an einer Fessel zu. Richter Daniel Blankenburg bürdete aber auch der Klägerin 25 Prozent der Behandlungskosten von knapp 800 Euro auf. Das Kuriose: Eigentlich haben weder Polizisten noch Pferdehalterin etwas falsch gemacht.

Der Vorfall ereignete sich vergangenen August an einem Sonntagvormittag. Der Hubschrauber kreiste über der Bahnstrecke Hannover-Lehrte, weil der Polizei „Personen im Gleis“ gemeldet worden waren. Doch die dreiköpfige Besatzung suchte vergeblich nach möglichen Lebensmüden. So entschlossen sich die Beamten, in Richtung eines nahen Open-Air-Festivals zu fliegen, um dort weitere Beobachtungen zu machen. Die Flughöhe betrug nach Angaben des Piloten 150 Meter, wie vorgeschrieben.

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Andy und Alibaba grasten auf einer Weide, rund einen Kilometer von der Bahnstrecke entfernt. Als die lautstark knatternde Flugmaschine plötzlich über einem Waldstück auftauchte, gingen die Gäule durch. Eine Zeugin bestätigte später die Angabe des Piloten, er sei nicht direkt über die Weide geflogen. Doch offenkundig reichte der Krach aus, die Tiere in Panik zu versetzen. Andy verletzte sich am rechten Hinterlauf, und auch Haflinger Alibaba - so bekundete die Halterin vor Gericht - habe später gelahmt. Doch diese Tierarztkosten in Höhe von 32 Euro mochte Richter Blankenburg nicht anerkennen: Der Zusammenhang von Lärmen und Lahmen sei hier nicht erwiesen.

Der Richter steigt tief in die Materie ein

Die Polizeidirektion und damit das Land, so der Richter, haften zu drei Vierteln für den Unfall. Das habe nichts damit zu tun, ob der Pilot zu tief geflogen sei oder sich der Weide zu sehr genähert habe. Vielmehr sei das Fluchtverhalten von Pferden eine typische Auswirkung, die vom „Betrieb eines Fluggeräts“ ausgehe. Somit liege hier eine generelle Gefährdungshaftung vor, die im Paragrafen 33 des Luftverkehrsgesetzes begründet sei: „Wird beim Betrieb eines Luftfahrzeugs durch Unfall jemand (...) verletzt oder eine Sache beschädigt, so ist der Halter des Luftfahrzeugs verpflichtet, den Schaden zu ersetzen.“

Aus ähnlich gelagerten Gründen bekam die Halterin der Pferde aber auch eine Teilschuld zugesprochen, muss ein Viertel der Arztkosten selbst tragen. Tiere seien immer ein Stück weit unberechenbar, so Blankenburg, und unterliegen ebenfalls grundsätzlich einer Gefährdungshaftung. Dass Andy die Zäune durchbrochen habe, beruhe auf seinen Instinkten als Fluchttier - und somit habe sich auf der Weide in Arpke „eine typische Gefahr verwirklicht“.

Richter Blankenburg war tief in die Materie eingestiegen, hatte die Beteiligten sogar zum Ortstermin auf die grüne Wiese gebeten. In seiner Urteilsbegründung wies er zudem auf etliche Entscheidungen anderer Gerichte bis zum Bundesgerichtshof hin. Dies trug möglicherweise dazu bei, dass keine der beiden Seiten in Berufung gehen mochte - und das Urteil bereits rechtskräftig ist.

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