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Stadt Hannover Protest soll zur Trauer-Demo werden
Aus der Region Stadt Hannover Protest soll zur Trauer-Demo werden
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09:23 22.01.2015
Von Gunnar Menkens
Der Inhaber des Friseurladens „Jean Jaques D.“ in der Lavesstraße hängt ein Schild mit der Aufschrift „Je suis Charlie“ („Ich bin Charlie“) in sein Schaufenster. Quelle: Philipp von Ditfurth
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Hannover

Der Terrorangriff auf die Redaktion der Pariser Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ hat Auswirkungen auch für Kundgebungen am kommenden Montag in Hannovers Innenstadt. Die Organisatoren des Protestzuges gegen die islamfeindliche Pegida-Bewegung („Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ ) und seinen hannoverschen Ableger Hagida wollen nun auch der Anschlagsopfer gedenken. Zugleich warnen sie vor wachsender Fremdenfeindlichkeit als Folge des mutmaßlich von Islamisten verübten Anschlags. Zur Kundgebung wird auch Altkanzler Gerhard Schröder erwartet. Unterdessen wollen sich immer mehr Menschen am Protest gegen Hagida beteiligen.

Zur Demo-Route

Weitere Informationen zu den verschiedenen Demonstrationszügen finden Sie hier.

Jasmin Arbabian-Vogel, eine der Organisatorinnen der Anti-Hagida-Kundgebung, erwartet nach dem Attentat in Paris eine noch stärkere Beteiligung an der Veranstaltung. „Viele haben den Eindruck, sie müssten nun erst recht ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit setzen. Eine Religion steht am Pranger, aber es war die Tat von Terroristen.“ Eine Band wird auf der Bühne am Georgsplatz das John-Lennon-Stück „Imagine“ in englischer und französischer Sprache spielen. Unklar ist noch, ob es kurze Ansprachen prominenter Teilnehmer gibt oder eine Art offenes Gespräch auf der Bühne.

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Trauerflor für die Anschlagsopfer

Der Anschlag von Paris allerdings könnte auch viele Anhänger der Pegida-Bewegung in ihrer antiislamistischen Haltung bekräftigen - und soll Auswirkungen auch auf die Hagida-Demo haben. Etliche Teilnehmer dürften nach dem Pariser Attentat mit einem Trauerflor für die Anschlagsopfer durch die Stadt ziehen. So ist es zumindest auf der Facebook-Seite der Veranstalter angekündigt, auf der eine Schleife mit Aufdruck abgebildet ist.

Allerdings will der Vorsitzende der muslimischen Schura Niedersachsen, Avni Altiner, beim Anti-Hagida-Protest um Differenzierung bitten. „Es wäre fahrlässig, wenn sich kein Muslim äußern würde“, sagte Altiner am Donnerstag. Damit reagiert er auf mitunter geäußerte Kritik, Muslime würden sich nicht ausreichend von islamistisch begründeten Terrorakten distanzieren. Er will zum Ausdruck bringen, dass das Mitgefühl der Muslime den Opfern und Hinterbliebenen gelte „und dass wir für die Prinzipien der Demokratie stehen“. Altiner schlägt vor, die Opfer bei der Anti-Hagida-Kundgebung mit einer Schweigeminute zu ehren. Mit ihrer Tat hätten die Täter auch den in Deutschland lebenden Muslimen geschadet. „Wir haben Angst vor einem Rechtsruck und davor, dass kein Unterschied gemacht wird zwischen Terroristen und friedlichen Muslimen.“

Stephan Weil demonstriert gegen Hagida

Weil demonstriert mit: Auch Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) demonstriert am Montag gegen Hagida. Er wolle sein „Entsetzen über die Morde“ ausdrücken. Am Montag werde deutlich, dass sich viele Menschen gegen Ausländerfeindlichkeit einsetzten. Während Altin Aviner denkt, dass Hagida mit Trauerfloren die Toten in Paris für eigene politische Ziele missbrauche, ist Weil zurückhaltender: „Ich werde niemandem, der seine Betroffenheit über den Anschlag in Paris zum Ausdruck bringt, andere damit verbundene Absichten unterstellen.“

Stadt ruft Mitarbeiter zum Protest: Oberbürgermeister Stefan Schostok und Personalratschef Hans-Jürgen Jeroschewski rufen städtische Beschäftigten auf, bei Demonstrationen gegen Hagida mitzumachen. Auch etwa Paritätischer Wohlfahrtsverband und Arbeiterwohlfahrt beteiligen sich. Die Commerzbank wird als Teil der Kampagne „Licht aus gegen Rassisten“ in Filialen und Büros am Montag von 17.30 Uhr Lampen löschen. Auch Oper, Nord/LB und weitere Häuser beteiligen sich. Die Stadtwerke wollen am Opernplatz die Straßenlichter löschen.

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