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Stadt Hannover Jetzt blitzt Section Control
Aus der Region Stadt Hannover Jetzt blitzt Section Control
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00:17 22.12.2018
Innenminister Boris Pistorius (2. von links) mit Polizisten bei der Inbetriebnahme von Section Control. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover/Gleidingen

Jetzt ist die Anlage scharf geschaltet. Landesinnenminister Boris Pistorius hat am Mittwochmittag das bundesweit erste Streckenradar zur Geschwindigkeitskontrolle auf der B6 südlich von Hannover in Betrieb genommen. zwischen den beiden Laatzener Ortsteilen Gleidingen und Rethen offiziell in Betrieb genommen. Die Anlage ist bereits seit den Morgenstunden in Betrieb.

Zunächst werde die Anlage ein paar Wochen in einer Testphase laufen, um die Abläufe zu überprüfen, berichtete der Innenminister. Diese Testphase endet am 13. Januar, ab dem 14. Januar werden an Autofahrer Bußgeldbescheide verschickt, wenn sie auf der 2,2 Kilometer langen Strecke mit einer zu hohen Geschwindigkeit sind.

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„Für Straßenabschnitte mit einer Häufung von Unfällen sind punktuelle Geschwindigkeitskontrollen nicht sinnvoll“, betonte Pistorius. Das Abbremsen und Beschleunigen an den Geschwindigkeitskontrollen bringe zusätzliche Gefahren und sei Ursache von zusätzlichen Unfällen. Erfahrungen aus anderen Ländern hätten gezeigt, dass der Verkehrsfluss deutlich harmonischer laufe. „Das führt zu mehr Verkehrssicherheit“, sagte er.

Am 15. Januar beginnt dann eine 18-monatige Pilotphase von Section Control. In dieser Zeit wird untersucht, wie sich die Anlage auf die Unfallzahlen und den Verkehrsfluss sowie auf die einzelnen Autofahrer auswirkt.

Das System Section Control folgt einem neuen Ansatz der Tempoüberwachung. Entgegen der sonstigen Methode, bei der Verkehrssünder direkt am Kontrollpunkt geblitzt werden, analysiert die Anlage das Fahrverhalten über insgesamt drei Kilometer. Das System errechnet die gefahrene Durchschnittsgeschwindigkeit auf der Strecke und löst dann aus, sollte der Autofahrer zu schnell gewesen sein – abbremsen vor dem Blitzer und anschließendes Gasgeben sind zwecklos.

Für den Regelbetrieb von Section Control ist laut Innenministerium eine Gesetzesänderung nötig. Die entsprechende Grundlage soll im Zuge der Änderung zum Polizeiaufgabengesetz geschaffen werden. Dieses sollte ursprünglich noch in diesem Jahr verabschiedet werden, wurde inzwischen aber auf 2019 vertagt. In Österreich und den Niederlanden gibt es Section Control bereits.

Probleme führen immer wieder zu Verzögerungen

Seit der Ankündigung im September 2014 gab es bei Section Control immer wieder Probleme. Ursprünglich sollte das System bereits 2015 seine Arbeit aufnehmen, doch seitdem stehen die vier Blitzer ungenutzt an der Bundesstraße. Die Fotoapparate wurden zeitnah installiert, dann kam das Vorhaben zum Erliegen. Anfangs scheiterte Section Control an Datenschutzbedenken, dann zog die intensive Sicherheitsprüfung das Projekt weiter in die Länge. Zuletzt gab das Land gar keine Prognose mehr ab, wann die Abschnittskontrolle das erste Blitzerfoto schießen werde.

Die Gewerkschaft der Polizei begrüßt die neue Anlage: „Section Control kann sinnvoll und nachhaltig zur Verkehrssicherheit beitragen“, sagte der Landesvorsitzende Dietmar Schilf. Er rechnet damit, dass Section Control bundesweit auch auf anderen Strecken, die als Unfallschwerpunkt gelten, installiert werden wird. Kritik kam dagegen von den Grünen. Der Rechtsexperte der Landtagsfraktion, Helge Limburg, meinte, das Projekt starte, obwohl noch viele Fragen ungeklärt seien. Als Beispiel nannte er die Löschung der Daten und die fehlende Toleranzschwelle bei Geschwindigkeitsübertretungen.

Von Mathias Klein