Raketen, Nebel und Notfall an Bord: Üstra-Fahrer filmt seine Silvester-Fahrt durch Hannover
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Stadt Hannover Raketen, Nebel und ein Notfall an Bord: Üstra-Fahrer filmt seine Silvester-Fahrt durch Hannover
Aus der Region Stadt Hannover Raketen, Nebel und ein Notfall an Bord: Üstra-Fahrer filmt seine Silvester-Fahrt durch Hannover
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17:26 09.01.2020
Schritttempo bei Nebel und Feuerwerk: In seinem 30-minütigen Video gewährt Youtuber „Irvine Citaro“ einen Einblick in seine Arbeit als Stadtbahnfahrer in der Silvesternacht. Quelle: Irvine Citaro/Youtube
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Hannover

Es sind knapp 30 Minuten, die den gesamten Ausnahmezustand der Silvesternacht in Hannover zeigen: Stadtbahnfahrer und Youtuber „Irvine Citaro“ hat seine Fahrt mit der Linie 10 zum Jahreswechsel 2019/2020 mit einer Kamera im Cockpit gefilmt. Das Video trägt den passenden Namen „Mit der Stadtbahn durchs Silvesterfeuerwerk“. Zu sehen sind die brechend volle Limmerstraße, Dutzende Raketen und der dicke Nebel, der kurz darauf aufzog. Der 27-Jährige musste sogar den Rettungsdienst rufen.

Trubel beginnt an der Glocksee

In Untertiteln liefert der Stadtbahnfahrer zahlreiche Infos zur Tour, die um 23.50 Uhr am Hauptbahnhof beginnt. „Welche Ereignisse die Fahrt bereithalten wird, konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht erahnen“, schreibt „Citaro“. Sein ungewöhnlicher Nutzername bezieht sich auf den Mercedes-Bus Irvine-Citaro, der zur Expo 2000 angeschafft wurde. Wie der Stadtbahnfahrer wirklich heißt, verschweigt er aus Bescheidenheit.

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Die ersten Schwierigkeiten gibt es um 23.57 Uhr an der Glocksee: „In Gedanken richte ich mich schon darauf ein, den Jahreswechsel auf der Limmerstraße mitten im Getümmel erleben zu können“, schreibt der 27-Jährige. Dann: Ein Fahrgast berichtet von einem ohnmächtigen Mann in der Bahn. Der Üstra-Fahrer kümmert sich bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes mit Passagieren um den offenbar Betrunkenen.

Erst nach zehn Minuten – mittlerweile ist die Böllerei in vollem Gange – geht die Fahrt weiter. Zwischen Ihmezentrum und Enercity-Kraftwerk fliegen die Raketen, auf der überfüllten Limmerstraße muss „Citaro“ mit lautem Geklingel auf sich aufmerksam machen. Gleichzeitig begleitet ihn ein Üstra-Funkwagen mit Gelblicht, um die Strecke vorab freizumachen und die Gleise von Feuerwerksresten zu befreien. Doch die fröhlich winkenden Menschen entschädigen für die Strapazen. Das seien die Momente, in denen er Spaß habe, „um die Zeit mit einer Stadtbahn unterwegs zu sein“.

Silvesternacht bleibt in der Erinnerung

Zum Ende der Limmerstraße geht der Silversterrauch in dichten Nebel über, mitunter sind nur fünf Meter Straße zu erkennen. Auf der Wunstorfer Straße „zieht nun eine dichte Nebelsuppe über die Gleise, sodass ich die Geschwindigkeit deutlich reduziere“. Mit Tempo 10 kriecht die Stadtbahn vorwärts. Erst um 0.17 Uhr kommt sie in Ahlem an. Kollegen berichten später, sie hätten wegen des Nebels teils 40 Minuten Verspätung angehäuft. „Ich bin da noch vergleichsweise gut durch die Nacht gekommen“, schreibt „Citaro“.

Das Video avancierte binnen Tagen mit fast 160.000 Zugriffen zu einem kleinen Youtube-Hit. „Ich bin sehr begeistert“, sagt der 27-Jährige der HAZ. In diesem Jahr hat er sich extra für den Videodreh die Silvesterschicht der Linie 10 geben lassen. „Die Nacht war wirklich ereignisreich.“ Er veröffentlicht seit 2015 auf Youtube Stadtbahn- und Busvideos, darunter auch Erklärstücke. Für seine Führerstand-Fahrten befestigt er einen Camcorder mit Saugnapf-Stativ im Cockpit.

„Sehr interessant und aufschlussreich“

Üstra-Sprecher Udo Iwannek bezeichnet das Silvestervideo als „sehr interessant und aufschlussreich“. Es zeige perfekt, „mit wie viel Acht und Sorgsamkeit unsere Stadtbahnfahrer unterwegs sind“. „Irvine Citaro“ habe die Erlaubnis vom Vorgesetzten, seine Fahrten zu filmen. Die Videos des 27-Jährigen seien laut Iwannek sogar so gut gemacht, „dass wir sie teilweise zu Schulungszwecken einsetzen“. „Citaro“ versucht deshalb, immer etwas Besonderes bei seinen Fahrten zu zeigen. Das werde nun aber wohl schwierig: „Was kann nach dieser Silvestertour noch besser werden?“, fragt der Fahrer.

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Von Peer Hellerling