Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Stadt Hannover So schmeckt es im Boca in der List
Aus der Region Stadt Hannover So schmeckt es im Boca in der List
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:29 05.08.2019
Chef Florian Vree setzt im Boca selbstbewusst auf kreative Küche, ohne sich in Basteleien zu verlieren. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

47 Euro. Das ist in der Boca Gastrobar der Preis für ein festgelegtes Drei-Gang-Menü inklusive Wein- oder Getränkebegleitung. Wobei der erste Gang aus einer Vielzahl an kleineren Häppchen besteht, die nach Tapas-Manier in der Tischmitte eingesetzt werden. Mittelpunkt sind dabei oft eingelegte oder roh marinierte Gemüse, meist mit Öl, Essig, Zitronensaft, weswegen die Speisen sehr frisch ausfallen, wenn etwa Spitzkohl mit Steckrübe und Granatäpfeln kombiniert wird. Eine Wucht ist aber auch der frittierte Rosenkohl mit Quitte, die als Kompott zum Einsatz kommt. Eine rustikale Aufbereitung, die der Frucht gut steht. Dazu gibt es etwas Quinoa, der nach nix schmeckt, aber dafür sorgt, dass man intensiver auf der Kombination kaut.

Die Köche arbeiten aber auch gerne mit diversen Texturen, mit cremigen oder knackigen Elementen, aber auch unterschiedliche Temperaturen kommen zum Einsatz, wenn etwa ein gekühlter Kokosschaum eine warme Süßkartoffelsuppe toppt. Oder ein Stückchen gelierter Kalbskopf in dünner, krosser Panade ausgebacken wird und hiernach auf kühlen Zungenscheiben angerichtet wird, dass sogar ein Elsässer Koch anerkennend mit der Zunge schnalzen würde. Toll auch der Rotkohlsalat mit Walnüssen, umschmeichelt von geeistem Ziegenkäse. Aber egal wie, meist spielt Gemüse eine tragende Rolle. Kein Wunder steht ein Kochbuch von Alain Passard, dem französischen Gemüsemeister, im Regal.

Hier wird gekocht, nicht gebastelt

Bei dieser Kombinationsfreude kommen vielleicht der Saibling mit Senf-Dill-Soße und die Scheiben vom Roastbeef mit Rote Bete und Meerrettich-Schmand ein wenig altbacken daher, aber eines lässt sich mit Gewissheit sagen: Im Boca wird ordentlich gekocht, nicht gebastelt. In der offenen Küche sind Gasherd und Ofen zu erspähen. Da züngeln die Flammen an den Pfannen, bevor die Rinderfilets in zischendes Fett gelassen werden. Es knallt auch mal ein Gastroblech. Da stapeln die Köche, die größtenteils die Speisen servieren, auch mal einige Schüsseln auf die Unterarme und balancieren sie zum Tisch. Aber gerade das macht das herrliche Flair dieser umtriebigen, quirligen, lebhaften und zuweilen auch etwas lauten Gastrobar aus.

Vor allem auf der langen, etwas unbequemen Sitzbank, müssen wir uns schon sehr auf das Wort unseres Gegenübers konzentrieren, da über unseren Köpfen die Boxen in die Decke eingelassen sind. Die Tische stehen sehr eng, es geht gesellig zu. Gut, wir sind ja auch in keinem Restaurant, sondern in einer Gastrobar. Weniger schön ist vielleicht, dass das Interieur schon einige Servicezeiten erlebt hat. Einige Schüsseln sind angeschlagen und gehören ausgetauscht. Klar, da kann der Kritiker altklug daherschwätzen, so ein Investment will erwirtschaftet werden. Was aber nur Arbeit kosten würde: Das Waschbecken in der Toilette schrubben, Teller und Besteck polieren und den Boden in der offenen Küche vor Servicebeginn ausfegen.

Etwas eng, etwas laut, etwas unbequem

Bei den Hauptspeisen haben wir die Wahl zwischen zwei Gerichten und drei Toppings. Wir wählen ein geschmortes Schaufelstück vom US-Rind, das wir mit Kartoffelstampf, Kohlrabi, Bohne, Zwiebel und Karotte kombinieren. Alles einwandfrei. Das Fleisch ist saftig, feinfaserig und geschmacksintensiv und wird von einer feinwürzigen Kerbel-Hollandaise begleitet. Den bestens gegarten Thunfisch bestellen wir mit Erdnuss-Selleriepüree, Pak Choi, Süßkartoffel, Brokkoli und Paprika. Das Gemüse ist ideal gegart und hat nur so viel Hitze abbekommen, wie es benötigt. Alles hat Biss, regelrecht Kontur, es ist eine Freude. Und erneut zeigt sich: Die Kreativität der Küche hat Selbstbewusstsein, verliert sich aber nicht in sich selbst.

Nur bei unserem zweiten Besuch wird uns als Topping ein gebackenes Onsen-Ei versprochen, also ein Ei, das bei 64 Grad gegart wurde und so eine fast cremige Konsistenz annimmt. Dummerweise scheint es beim Ausbacken hart geworden. Es wirkt ein wenig wie ein Steak, dass im Ofen auf die perfekte Kerntemperatur gegart und dann in der Pfanne durchgebraten wurde. Auch die Weinbegleitung könnte insgesamt etwas ambitionierter sein. Aber sei’s drum, die Desserts kommen nämlich: ein Buchweizen-Nougat-Riegel mit Kumquats und Keks-Eis. Oder eine Mousse au Chocolat mit pochierter Birne und Keks-Eis. 47 Euro. Und da heißt es immer, die schönsten Dinge im Leben seien umsonst.

Fazit

Hoch spannende Küche in äußerst lebhaftem, geselligem Barflair. Gesamt 7/10 (Küche 8, Service 7, Ambiente 5)

Kontakt

BOCA Gastrobar

Kriegerstraße 43a, 30161 Hannover

Telefon: (05 11) 64 20 97 78

Internet: www.boca-gastrobar.de

E-Mail: info@boca-gastrobar.de

Öffnungszeiten: dienstags bis sonnabends von 17 bis 23 Uhr

Die Gastrobar ist nicht barrierefrei

Von Hannes Finkbeiner

Ein Ladendieb hat in Hannover Tabak und Energydrinks stehlen wollen. Als der Mann im Lidl-Discounter an der Hildesheimer Straße ertappt wurde, besprühte er zwei Angestellte mit Pfefferspray und ergriff die Flucht. Die Polizei sucht nun nach dem Täter.

08.02.2019

Bei der Veranstaltung „Unternehmerkultur“ ging es um die regionale Modebranche als Wirtschaftsfaktor und Nachhaltigkeit als Zukunftsmodell.

11.02.2019

Die CDU schließt sich der Kritik von Wirtschaftsverbänden an, dass der Autoverkehr in Hannover nicht behindert werden sollte. Die FDP spricht sich ihrerseits gegen eine City-Maut aus.

11.02.2019